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DAX-Strategie: Das sind die Alternativen für Anleger

DAX-Strategie: Das sind die Alternativen für Anleger

WKN: 514000 ISIN: DE0005140008 Deutsche Bank AG

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24.05.2019 - 18:58
25.04.2019 03:30:00

Der DAX ist nur noch ein Schatten früherer Jahre. Skandale und falsche Entscheidungen in den Chefetagen drücken die Kurse vieler Indexmitglieder. Welche Alternativen Anleger haben. Von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Es ist gar nicht so lange her: Vor ziemlich genau vier Jahren noch war Bayer das wertvollste Unternehmen Deutschlands. Auf fast 120 Milliarden Euro wurden die Rheinländer taxiert. "Exzellente Wachstumsperspektiven", sah der damalige Vorstands­chef Marijn Dekkers. Seitdem hat sich Bayers Börsenwert mehr als halbiert.

Die Krise des Konzerns hat auch viele Aktionäre getroffen, bei denen der Name Bayer gar nicht auf dem Depot­auszug erscheint. Jeder Besitzer eines Indexfonds auf den DAX ist mit einem erheblichen Teil seines Gelds bei Bayer investiert. Das erklärt sich durch die Konstruktion des Index: Mitglieder werden nach Marktkapitalisierung gewichtet. Bayer, auf dem Kurszettel nur eines von 30 Unternehmen, machte zeitweise mehr als zehn Prozent aus.

Einen einzigen Krisenfall hätte der Deutsche Aktienindex verkraften können. In so ziemlich jedem Portfolio gibt es schließlich Problemfälle. Die Liste der negativen Ausreißer im DAX aber ist extrem lang: BMW, Daimler, Volkswagen oder auch die Deutsche Bank - viele berühmte deutsche Unternehmen sind für Aktionäre zu Geldvernichtern mutiert. Die Deutsche Bank hat seit der großen Finanzkrise in der Spitze sogar mehr als 90 Prozent ihres Börsenwerts eingebüßt. Selbst Fresenius, über viele Jahre hinweg ein solider Wachstumswert, ist ins Schlingern geraten. Die Erfolgsserie von Wirecard endete fast auf den Tag genau mit dem Aufstieg in den DAX. Seit September vergangenen Jahres hat sich der Börsenwert zwischenzeitlich halbiert.

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Sogar die Dividenden - für viele Anleger wichtiger als die schwer durchschaubaren Gemütsschwankungen der Aktienmärkte - wackeln: BMW und Daimler haben ihre Ausschüttung in diesem Jahr zum ersten Mal seit der großen Finanzkrise gekürzt. Die Deutsche Bank zahlt schon länger nur noch einen Minisatz. Und das in einer Zeit, in der die Weltwirtschaft weiter wächst und die letzte Rezession ein Jahrzehnt zurückliegt.

Toxische Mischung


Fast könnte man meinen, über dem DAX läge ein Fluch. Viele Probleme sind dabei selbst verschuldet. Bayer ist das Opfer seiner Ambitionen. Dekkers’ Nachfolger Werner Baumann kaufte für 63 Milliarden Dollar den US-Saatgut-Riesen Monsanto. Strategisch macht dieser Deal durchaus Sinn. Durch Klimaer­wärmung und Bevölkerungswachstum müssen auf einer schrumpfenden Anbaufläche immer mehr Menschen versorgt werden. Bayer als jetzt weltgrößtem Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutz sollte das viele Möglichkeiten eröffnen. Wären da nicht die juristischen Altlasten: Mehr als 11.200 Schadenersatzklagen sind mittlerweile aufgelaufen, weil das Monsanto-Produkt Glyphosat womöglich Krebs verursacht.

Auch Fresenius hat sich mit einer Übernahme in Not gebracht, konnte nach Unregelmäßigkeiten aber gerade noch rechtzeitig von dem fast fünf Milliarden Dollar teuren Kauf der US-Firma Akorn zurücktreten. Das Image der deutschen Autobranche hat durch Volkswagens Dieselskandal und Kartellvergehen schweren Schaden erlitten, die Deutsche Bank hat sich noch immer nicht von den Exzessen im Vorfeld der großen Finanzkrise erholt und kämpft gegen sinkende Erträge.

Die Problemfälle belasten die Depots vieler Privatanleger: Über die vergangenen fünf Jahre hat der DAX zwar um rund 28 Prozent zugelegt. Andere prominente Indizes aber haben deutlich mehr Rendite gebracht: Der europäische Stoxx Europe 600 etwa schaffte im gleichen Zeitraum 39 Prozent. Der amerikanische S & P 500 hat sich in Euro gerechnet sogar mehr als verdoppelt.

In der Theorie müsste sich ein Index selbst heilen: Aktien schlechter Unternehmen verlieren an Börsenwert und werden durch junge aufstrebende Herausforderer verdrängt. Auch die Gewichtung einzelner Branchen ändert sich stetig. Der Rauswurf der Commerzbank und die Aufnahme von Wirecard hätten ein Paradebeispiel für eine Modernisierung sein können. Die deutsche Börsenlandschaft aber bietet eine sehr begrenzte Auswahl.

In der vom Mittelstand geprägten deutschen Wirtschaft gibt es wenige Unternehmen, die groß genug sind, um angeschlagene Riesen aus dem DAX zu verdrängen. Mögliche Kandidaten wie die Supermarktkette Aldi haben kein Interesse, überhaupt an die Börse zu gehen. Das Gefälle im DAX ist dadurch enorm: Die Marktkapitalisierung der Mitglieder schwankt derzeit zwischen 122 Milliarden Euro bei SAP und acht Milliarden Euro bei Thyssenkrupp. Die meisten Großkonzerne müssen also selbst bei massiven Kursverlusten nicht um den Platz im Index fürchten. Sogar die Deutsche Bank ist mit 15 Milliarden Euro noch immer sicher.

Auch eine Vergrößerung des DAX auf 50 oder mehr Mitglieder würde die Machtverhältnisse nur unwesentlich verschieben. Aufstrebende Unternehmen wie Morphosys und zuverlässige Mittelständler wie Dürr hätten mangels Masse nur einen geringen Einfluss.

Die Krise des DAX zeigt, dass ein Index als Investmentvehikel nur begrenzt Sinn macht. Der Amerikaner John Bogle hatte in den 70er-Jahren die revolutionäre Idee: Anleger sollten nicht einzelnen Aktien hinterherjagen, sondern auf den kompletten Markt setzen und die Kosten möglichst niedrig halten. Das werde auf lange Sicht die bestmögliche Rendite bringen. Bogle kreierte zu diesem Zweck den ersten Indexfonds und startete die inzwischen extrem populäre Anlageklasse der börsengehandelten Indexfonds (ETF) .

Viele Aktienindizes aber sind nicht als renditeoptimierte Portfolios konstruiert und decken auch nur einen kleinen Teil des großen Aktienuniversums ab. Das war schon 1884 so, als der Finanzjournalist Charles Dow in den USA den ersten bekannten Aktienindex auf Papier kritzelte. Neun der elf Gründungsmitglieder waren Eisenbahn-Aktien. Auch wenn das Dampfross damals seine große Zeit erlebte, hatte die amerikanische Wirtschaft auch in jener Epoche deutlich mehr zu bieten.

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Bildquelle: Julian Mezger für Finanzen Verlag

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