Europas Währungshüter haben entgegen der Hoffnung vieler Marktteilnehmer und der Einschätzung von Experten das Anleihenkaufprogramm nicht über März 2017 hinaus verlängert. Auch an der Zinsschraube drehte der EZB-Rat bei seiner Sitzung am Donnerstag nicht.

Zuletzt notierte der 1,23 Prozent tiefer bei 10 620,96 Punkten. Tags zuvor hatte sich der deutsche Leitindex seinem bisherigen Jahreshoch von 10 802 Punkten bis auf 27 Punkte genähert und war mit einem Plus von 0,62 Prozent aus dem Handel gegangen. Der MDAX, der die mittelgroßen Unternehmen repräsentiert, sank am Donnerstag um 0,43 Prozent auf 21 695,02 Punkte. Für den Technologiewerte-Index TecDAX ging es um 0,36 Prozent auf 1761,68 Zähler abwärts. Der Eurozonen-Leitindex EuroSTOXX 50 verlor 0,69 Prozent.

EXPERTEN: GEFAHR VON GEWINNMITNAHMEN NACH EZB-SITZUNG

Wie die EZB mitteilte, bleibt der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Banken überschüssiges Geld bei der EZB, müssen sie dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Bis März 2017 will die Notenbank unverändert Monat für Monat 80 Milliarden Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere stecken, insgesamt 1,74 Billionen Euro. Das billige Geld soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

"Die Ausrichtung dürfte klar sein - Mario Draghi will nicht das gesamte Pulver zu einem Zeitpunkt verschießen, zu dem sich die Märkte wieder einigermaßen beruhigt haben, was zuletzt vor allem die gesunkene Volatilität signalisierte", kommentierte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Dass die Zinsen im Keller bleiben würden, bezweifle ohnehin niemand. Die EZB habe also nicht positiv überrascht, wirklich enttäuschend sei "die ruhige Hand" im Spätsommer aber auch nicht, so Saurenz.

SILTRONIC-RALLY GEHT WEITER - JAHRESHOCH

Siltronic-Aktien setzten ihre Kursrally der vergangenen Tage am Donnerstag fort. Nach einem anfänglichen Plus von fast 16 Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang Dezember schmolz der Gewinn der Halbleiterpapiere aber auf zuletzt 5,18 Prozent zusammen. "Die Wacker-Chemie-Tochter ist die Aktie der vergangenen Wochen", sagte ein Börsianer mit Blick auf den 60-prozentigen Anstieg seit Mitte August. "Kurzfristig ist die Aktie nun aber überhitzt", sagte der Händler. Er verwies zudem auf das Risiko, dass die Muttergesellschaft Wacker Chemie das hohe Kursniveau zu einem Teilverkauf ihres 58-Prozent-Anteils an Siltronic nutzen könnte.

Im Blickpunkt blieben auch die Aktien von SLM Solutions, die ihre steile Bergauffahrt der vergangenen Tage mit einem Gewinn von rund 8 Prozent auf 43,85 Euro fortsetzten. Die Deutsche Bank rechnet für die Papiere des 3D-Druckerherstellers auch nach dem starken Anstieg infolge des Kaufgebots von General Electric mit weiteren Kurssprüngen und erhöhte ihr Kursziel auf 48 Euro. Der US-Mischkonzern hatte am Dienstag 38 Euro je SLM-Aktie geboten. Die Papiere zogen seitdem um mehr als die Hälfte ihres Wertes an, seit Jahresanfang haben sie sich mehr als verdoppelt.

DIALOG NACH IPHONE-VORSTELLUNG SCHLUSSLICHT IM TECDAX

Die Anteilsscheine des Apple-Zulieferers Dialog Semiconductor reagierten negativ auf die Vorstellung des neuen iPhone 7 von Apple. Sie verbilligten sich zuletzt um 2,41 Prozent und waren damit schwächster Wert im TecDax. Die Analysten der Commerzbank glauben aber, dass der Apple-Verkaufsschlager attraktiv genug für weiteres Nachfragewachstum sei und zogen positive Rückschlüsse auf den deutschen Halbleiterhersteller.

FRANKFURT (dpa-AFX)