Anleger im DAX haben es am Freitag langsamer angehen lassen. Nach moderaten Gewinnen bereits am Vortag kletterte der Leitindex zum Wochenschluss im Tagesverlauf auf ein weiteres Rekordhoch.

"Die Berichtssaison bestätigt den Märkten, dass das zugrunde liegende Wachstum und die Nachfrage nach wie vor sehr stark sind, obwohl Unternehmen über Angebotsprobleme und Margendruck sprechen", sagte Seema Shah, Chefstratege beim Investmenthaus Principal Global Investors. "Aber Sie werden wahrscheinlich einen Punkt erreichen, an dem die Renditen geringer werden und Sie mehr Volatilität sehen - die Anleger müssen diese Anpassung in ihren Köpfen vornehmen."

Auf Unternehmensseite stand die Deutsche Telekom im Fokus der Anleger. Der DAX-Konzern öffnete seine Bücher. Das Geschäft hierzulande und in den USA brummt. Die Bonner hoben deshalb zum dritten Mal in diesem Jahr die Prognose für das operative Ergebnis an. Bereits am Donnerstag Abend hatten sie bekannt gegeben, die Dividende stärker als erwartet anheben zu wollen.

Noch kompensierten gute Quartalszahlen wie die von der Deutschen Telekom die Sorgen vor Maßnahmen zur Eindämmung der vierten Corona-Welle und stützten den Markt, schrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Handelshaus Robomarkets. Je näher aber das Bund-Länder-Treffen in der kommenden Woche rücke, desto präsenter dürfte das Thema auch wieder für die Börse werden.

Was am Freitag an der Börse außerdem wichtig war


Johnson & Johnson plant Aufspaltung in zwei börsennotierte Konzerne
Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (JNJ) plant die Aufspaltung in zwei börsennotierte Unternehmen. Der Konzern wolle seine Konsumgütersparte unter anderem mit Pflastern und Babypuder in den kommenden 18 bis 24 Monaten abtrennen, sagte Konzernchef Alex Gorsky dem "Wall Street Journal" (Freitag). Die Pharmasparte mit rezeptpflichtigen Medikamenten und Medizintechnik wird dann übrigbleiben. Das sei der beste Weg, um nachhaltiges Wachstum über die lange Frist zu sichern, sagte Gorsky. Der Konzern bestätigte das Vorhaben in einer Mitteilung. Die Aktie legte vorbörslich um 4 Prozent zu.

Toshiba spaltet sich in drei Unternehmen auf
Der japanische Technologieriese Toshiba will sich in drei börsennotierte Unternehmen aufspalten. Das gab das Traditionsunternehmen am Freitag bekannt. Unter starkem Druck ausländischer Aktionäre hofft die seit längerem strauchelnde Unternehmensgruppe, mit diesem für Japan beispiellosen Schritt die Profitabilität in Schlüsselbereichen künftig zu stärken. Der 1875 gegründete Konzernriese gehört zu den bekanntesten Namen der japanischen Wirtschaft. Der desaströse Ausflug in das US-Atomkraftgeschäft und ein Bilanzskandal hatten Toshiba jedoch Mitte des vergangenen Jahrzehnts an den Rand des Abgrunds gebracht.

Lufthansa zahlt deutsche Staatshilfen zurück - Fonds hält noch Aktien
Nach geglückter Corona-Rettung hat die Lufthansa die direkten deutschen Staatshilfen zurückgezahlt. Die beiden stillen Einlagen des staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) wurden mit Zinsen abgelöst und gekündigt, wie das Unternehmen am Freitag in Frankfurt berichtete. Bereits im Februar hatte der MDax -Konzern einen Kredit über 1 Milliarde Euro der staatlichen KfW-Bank getilgt. Der WSF bleibt aber vorerst mit gut 14 Prozent größter Anteilseigner des Konzerns.

Verkäufe des VW-Konzerns im Oktober weiter stark unter Vorjahr
Die Marken des Volkswagen -Konzerns haben auch im Oktober insgesamt deutlich weniger Fahrzeuge verkaufen können als vor einem Jahr. Nach Angaben der Wolfsburger vom Freitag gingen die Auslieferungen verglichen mit demselben Monat 2020 um gut ein Drittel (33,5 Prozent) auf weltweit 600 900 Stück zurück. Damit setzte sich der Negativtrend eines vor allem wegen der Chip-Lieferkrise schwächeren Geschäfts fort. Betrachtet man den ganzen Zeitraum seit Anfang dieses Jahres, liegt Europas größte Autogruppe mit einem leichten Zuwachs von 2,0 Prozent immerhin noch knapp im Plus.

rtr/dpa-AFX/fh