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Deutsche Bank - Commerzbank: Wer im Fusionspoker die besseren Karten hätte

Deutsche Bank - Commerzbank: Wer im Fusionspoker die besseren Karten hätte

WKN: CBK100 ISIN: DE000CBK1001 Commerzbank

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22.03.2019 - 19:52
12.03.2019 04:15:00

Noch gibt es keine Bestätigung dafür - doch die Hinweise haben sich verdichtet, dass nun auch der Deutsche-Bank-Vorstand bereit ist, Sondierungsgespräche über ein Zusammengehen der beiden Häuser aufzunehmen. Das meldeten unter anderem "Welt am Sonntag" und "Reuters". Commerzbank-Chef Martin Zielke soll einer Fusion ohnehin aufgeschlossen gegenüberstehen. BÖRSE ONLINE hat verglichen, mit welchen Karten beide Seiten in mögliche Verhandlungen gehen könnten. Von Wolfgang Ehrensberger

Bilanzsumme und Marktkapitalisierung: Mit 1,35 Billionen Euro Bilanzsumme und einer Marktkapitalisierung von rund 16 Milliarden Euro überragt die Deutsche Bank die Commerzbank bei weitem (0,462 Billionen Euro Bilanzsumme und rund acht Milliarden Euro Marktkapitalisierung) - und wirft damit auch deutlich mehr Gewicht in die Waagschale. Aber Vorsicht: Die Commerzbank hat ihre Marktkapitalisierung relativ zur Deutschen Bank zuletzt deutlich verbessert: gemessen daran könnte sie heute bereits ein Drittel zum fusionierten Institut beisteuern. Vor ein bis zwei Jahren wäre es lediglich ein Viertel gewesen. Und: Commerzbank-Chef Zielke könnte dies seinen Aktionären bei einer Fusion als großen Pluspunkt verkaufen.
Fazit: Vorteil Deutsche Bank, aber die Commerzbank hat aufgeholt



Haltung der Aktionäre: Hauptaktionäre der Commerzbank sind der Bund (knapp 16 Prozent) und der US-Finanzinvestor Cerberus (ca. fünf Prozent). Der Bund ist Hauptantreiber einer Fusion beider Häuser, Cerberus stellt sich einem Zusammenschluss zumindest nicht mehr in den Weg. Dagegen sollen die Hauptaktionäre der Deutschen Bank, insbesondere das Emirat Katar, einem Zusammenschluss nach wie vor skeptisch gegenüberstehen. Der Commerzbank-Vorstand hätte also schon jetzt die Unterstützung seiner Hauptaktionäre. Der Deutsche-Bank-Vorstand müsste seine Eigner noch ins Boot holen.
Fazit: Vorteil Commerzbank


Geschäftsmodell und Unternehmenskultur: Mit ihrem Fokus auf das Privatkunden- und Mittelstandsgeschäft verfügt die Commerzbank über ein stabiles, etabliertes und bis auf einige Steuertricksereien weitgehend skandalfreies Geschäftsmodell. Dagegen steckt die Deutsche Bank noch mitten im Konzernumbau, der Verkleinerung der Investmentbankingsparte und der Integration der Postbank in das eigene Privatkundengeschäft. Im Gegensatz zur Commerzbank gleicht die Deutsche Bank einer Großbaustelle. Und nicht zuletzt ist die Deutsche Bank seit Jahren in millliardenschwere Rechtsstreitigkeiten und Skandale verwickelt, die das Image des Geldhauses schwer beschädigt haben.
Fazit: Vorteil Commerzbank

Mitarbeiter: Die Deutsche Bank hat derzeit 91737 Mitarbeiter, die Commerzbank 49410. Zusammen käme das fusionierte Institut damit auf 141147 Mitarbeiter. Bankexperten gehen davon aus, dass das viel zu viele sind - und dass die Kostenvorteile und Synergieeffekte einer Fusion aus Deutscher Bank und Commerzbank vor allem über einen umfangreichen Stellenabbau realisiert werden könnten. Ein solches Kahlschlag-Szenario wollen aber vermutlich selbst die Fusionsbefürworter in Berlin nicht, insbesondere Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Über die natürliche Fluktuation und sozialverträgliche oder freiwillige Maßnahmen könnten in den nächsten drei bis fünf Jahren durchaus Zehntausende Stellen wegfallen - aber das kostet.
Fazit: kein Vorteil auf beiden Seiten

Kapitalausstattung: Derzeit sind beide Häuser entsprechend der Vorgaben der Regulierer ausreichend für Geschäft und Risikostruktur kapitalisiert. Bei einem Zusammenschluss könnte allerdings zusätzlicher Kapitalbedarf entstehen, beispielsweise für Restrukturierung, Personalabbau usw.. Insbesondere die Deutsche Bank wäre derzeit auch angesichts des schwachen Aktienkurses kaum in der Lage, eine weitere milliardenschwere Kapitalerhöhung zu stemmen. Das Institut hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach derartige Kapitalmaßnahmen vollzogen. Möglicherweise müsste der Bund, der bei einer Fusion voraussichtlich auch am neuen Institut zunächst beteiligt bleibt, weiteres Staatskapital zuschießen. Das wäre jedoch politisch höchst umstritten.
Fazit: Kritischer Punkt auf beiden Seiten

Markenamen: Welche Marke die dominantere ist, kann sich beispielsweise in der künftigen Namensgebung zeigen, doch einfach ist die Sache auch hier nicht. Das hängt auch davon ab, wie der Zusammenschlusses am Ende umgesetzt wird. Vermutlich werden beide Konzernmarken Deutsche Bank und Commerzbank zunächst erhalten bleiben, so dass sich etwa für eine Holdingstruktur ein kombinierter Namen wie Deutsche Commerzbank Group anbietet. Zum Vergleich: Der Name "Hypovereinsbank" (HVB) ist auch aus dem Zusammenschluss der beiden Institute Bayerische Vereinsbank und Bayerische Hypotheken- und Wechselbank (Hypo-Bank) im Jahr 1998 entstanden. Die ursprünglichen Konzernmarken gingen allerdings unter, und die HVB ist inzwischen erfolgreicher Bestandteil der weitaus größeren Unicredit Group.
Fazit: Deutsche Bank und Commerzbank sind etablierte Konzernmarken - unentschieden.

Wettbewerb: Eine Fusion würde Ressourcen binden, die sowohl Deutsche Bank als auch Commerzbank derzeit dringend nötig haben, um sich im immer schärferen Wettbewerb behaupten zu können. Ein Zusammenschluss der beiden größten Privatbanken käme den in Deutschland tätigen Auslandsbanken, aber auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken sehr gelegen, ihre Marktposition weiter auszubauen.
Fazit: Auch die Konkurrenten spielen beim Fusionspoker mit

Wie die BÖRSE ONLINE-Facebookfans die fusionierte Bank nennen würden:


Bildquelle: Kai Pfaffenbach/Reuters

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