BIP

Deutsche Wirtschaft bremst Euro-Zone - "Quittung für Corona-Politik"

Deutsche Wirtschaft bremst Euro-Zone -
30.04.2021 13:25:05

Die dritte Corona-Welle trifft die Wirtschaft in Deutschland viel härter als in den meisten anderen Euro-Ländern. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank von Januar bis März um 1,7 Prozent zum Vorquartal, da die erneuten Beschränkungen im Kampf gegen die Pandemie bremsten. "Davon war besonders der private Konsum betroffen, während die Warenexporte die Wirtschaft stützten", teilte das Statistische Bundesamt am Freitag zu seiner Schnellschätzung mit.

Die Wirtschaft der Euro-Zone insgesamt schrumpfte dagegen nur um 0,6 Prozent. Der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft Frankreich gelang sogar ein Wachstum von 0,4 Prozent. Angesichts voller Auftragsbücher in der Industrie und der Aussicht auf Lockdown-Lockerungen durch die Impffortschritte dürfte die deutsche Konjunktur ab Frühjahr in den Aufschwungmodus schalten, sind sich Experten sicher.

"Mit der rückläufigen Wirtschaftsleistung haben Bund und Länder die Quittung für ihre zögerliche Corona-Krisenpolitik bekommen", sagte Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe. "Es wurde nicht nur der Mini-Zuwachs von Ende 2020 ausradiert, sondern auch ein Teil der im Juni 2020 begonnenen Erholung." Experten machen aber Hoffnung auf eine baldige Belebung. "Der Silberstreif am Horizont ist der Impfschutz, der voraussichtlich in den Sommermonaten ausreichen wird, um die Corona-Pandemie in Deutschland zu stoppen", sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW), Claus Michelsen. Wegen ausgefallener Urlaubsreisen oder dem erzwungenen Verzicht auf Restaurantbesuche haben die privaten Haushalte in der Pandemiezeit Schätzungen zufolge etwa 200 Milliarden Euro zusätzlich gespart, was künftig zumindest teilweise in den Konsum fließen dürfte.

Hoffnung macht dem Export-Europameister die globale Konjunktur. "Befeuert von der Erholung in China und den USA hat der Welthandel sich in einem atemberaubenden Tempo erholt", sagte Deka-Bank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Von diesem üppigen Kuchen können sich naturgemäß die deutschen Exporteure ein großes Stück abschneiden." Allerdings klagte einer Ifo-Umfrage zufolge im April fast jeder zweite Industriebetrieb über Engpässe bei Vorprodukten wie Halbleitern. Das könnte die Produktion dämpfen.

"STOP-AND-GO DROHT"


Europas größte Volkswirtschaft wurde zu Jahresbeginn gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen. Geschlossene oder nur eingeschränkt geöffnete Geschäfte belasteten den privaten Konsum. Zugleich hatten viele Verbraucher größere Käufe auf das Jahresende 2020 vorgezogen, um Preisersparnisse aufgrund der zeitweise gesenkten Mehrwertsteuer mitzunehmen. Die eigentlich boomende Baubranche wurde von Minustemperaturen stärker als normalerweise im Winter behindert. Die Auftragsbücher der exportabhängigen Industrie sind zwar wegen der höheren Nachfrage etwa aus China voller als vor Ausbruch der Pandemie. Doch wurde die Produktion etwa in der Autobranche durch Knappheiten bei Vorprodukten wie Halbleitern behindert. Der Brexit belastete zudem das Geschäft mit dem wichtigen Handelspartner Großbritannien, zumal hier viele Käufe auf das vergangenen Jahr vorzogen wurden, um Probleme nach Inkrafttreten des neuen Handelsabkommens mit der EU zu umschiffen.

Die Bundesregierung rechnet für 2021 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 3,5 Prozent. Dem soll 2022 ein Plus von 3,6 Prozent folgen, womit dann auch das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden dürfte. 2020 war die deutsche Wirtschaft nach revidierten Daten noch um 4,8 (bisher: 4,9) Prozent eingebrochen. "Für eine nachhaltige Erholung ist die Bekämpfung der Pandemie zentral", sagte DIW-Konjunkturchef Michelsen. Wichtig sei nun, Instrumente für eine sichere Öffnung der Dienstleister und Händler im Land zu finden und die Impfkampagne mit hohem Tempo voranzutreiben. "Ansonsten droht eine lange Phase des Stop-and-go für die wirtschaftliche Erholung, wie es bereits jetzt zu beobachten ist", warnte der Experte.

rtr

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