Inländische Unternehmen:

Siemens und Mitsubishi kontern GE-Angebot für Alstom

Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) stehen einen Tag nach ihrem Angebot für Alstom in Paris der Regierung und dem Parlament Rede und Antwort. Die beiden Unternehmen bieten mit ihrer komplexen Offerte General Electric (General Electric (GE)) (GE) die Stirn und wollen verhindern, dass der US-Rivale für 12,35 Milliarden Euro die Energiesparte von Alstom übernimmt.

Das Angebot von Siemens und MHI ist nach deren Einschätzung deutlich besser als das von GE. Deutlich bedeute eine Dimension in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro, hieß es am Montagabend aus Siemens-Kreisen in Paris. Konkrete Zahlen sollten allerdings erst am Dienstag bei einer Pressekonferenz genannt werden.

Am Vormittag (10.25 Uhr) treffen Siemens-Chef Joe Kaeser und MHI-Chef Shunichi Miyanaga zunächst mit Staatspräsident François Hollande und Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg zusammen, danach ist eine Pressekonferenz geplant. Um 17.00 soll Kaeser dem Wirtschaftsausschuss der Nationalversammlung Auskunft geben.

Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bieten im Tauziehen um den französischen Alstom-Konzern dem Rivalen General Electric die Stirn. Demnach will sich MHI mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen. Siemens hingegen will das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen komplett übernehmen und dafür 3,9 Milliarden Euro in bar zahlen, wie der Elektrokonzern am Montag in München mitteilte. Eine Beteiligung von Siemens an Alstom sieht das Angebot nicht vor.

Alstom kommentierte das Angebot zunächst nicht. Der Vorschlag werde in den kommenden Tagen geprüft, hieß es lediglich in einer knappen Mitteilung.

General Electric (GE) äußerte zunächst keine Absichten, das eigene Angebot für Alstom weiter nachzubessern. GE werde sich nicht an einem Bieterkrieg beteiligen, zitierte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg eine Sprecherin der Konzerns. Alstom-Großaktionär Bouygues erklärte, bisher habe es keinen Kontakt zu MHI oder zur Regierung in Paris gegeben. Man wolle aber die eigene 29-Prozent-Beteiligung an Alstom langfristig behalten. Laut Siemens und MHI sollte der 10-Prozent-Anteil für MHI allerdings von Bouygues kommen.

Insgesamt summieren sich die Vorschläge von MHI und Siemens auf eine Barzahlung von rund 7 Milliarden Euro, 3,1 Milliarden Euro davon soll MHI leisten. "Das Angebot ist eine attraktive Konstellation, die es sich lohnt zu prüfen. Das wird der Verwaltungsrat von Alstom auch sicher im Sinne aller Aktionäre tun", erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser. GE hatte 12,35 Milliarden Euro für die Energietechnik von Alstom geboten und die Schaffung von 1000 Arbeitsplätzen in Frankreich zugesagt. Das Angebot gilt noch bis zum 23. Juni.

Telefonica Deutschland-Aktie steigt nach Übernahmespekulation

Die Aussicht auf grünes Licht der EU für die Übernahme von E-Plus gibt Telefonica Deutschland Auftrieb. Die Aktien steigen um 3,3 Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von sechs Euro.

Insider: Allianz erwägt Offerte für RSA-Asiengeschäft

Die Allianz erwägt Insiderinformationen zufolge eine Offerte für das Asiengeschäft des britischen Versicherungskonzerns RSA. Eine Veräußerung könnte diesem bis zu 500 Millionen Dollar einbringen, sagten mit dem Verkaufsprozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Mögliche Interessenten seien ferner die französische Axa, die australische QBE Insurance Group sowie Sompo Japan Insurance, die zu NKSJ Holdings gehört.

Alle genannten Unternehmen wollten sich nicht äußern, ob sie für die Sparte der RSA Insurance Group bieten werden. Der Konzern befindet sich in einem Umbau, nachdem extreme Wetterausschläge und Bilanzunregelmäßigkeiten der irischen Tochter ihm Verluste eingebrockt hatten.

Autozulieferer Dürr finanziert sich seit 2013 ohne Bankkredit

Der Autozulieferer Dürr kommt seit 2013 ohne Bankkredite aus. Dürr finanziert sich nach Angaben eines Sprechers über zwei Anleihen und aus eigenen Mitteln. Die eine Anleihe über 225 Millionen Euro läuft im kommenden Jahr aus, kann aber vorzeitig gekündigt werden. Eine neue Anleihe über 300 Millionen Euro hat der Zulieferer im Frühjahr ausgegeben. "Man kann sich derzeit über den Kapitalmarkt, also Anleihen oder Schuldscheine, langfristig und günstig finanzieren", sagte ein Sprecher.

Neben den Anleihen verfügt Dürr über Kreditlinien bei mehreren Banken, also die Zusagen auf Kredite, über 50 Millionen Euro. Die könnten beispielsweise gezogen werden, wenn Dürr kurzfristig Geld für eine Übernahme bräuchte, erklärte der Investor-Relations-Sprecher. Das einzige laufende Darlehen der Firma sei ein Hypothekenkredit auf die Gebäude in Bietigheim-Bissingen, den die Firma aber theoretisch jederzeit ablösen könne.

"Wir haben nichts gegen Banken", sagte der Sprecher. Seit der Finanzkrise 2008/2009, als die Industrie Sorgen über eine Kreditklemme drückten, habe man aber dafür gesorgt, dass sich die Verschuldung im Rahmen halte. Hinzu komme, dass Dürr in Ländern wie China viel Geld anhäuft, aber nur einmal im Jahr transferieren darf. Ende 2013 verfügte Dürr über eine Eigenkapitalquote von 25,7 Prozent und flüssige Mittel in Höhen von 246,7 Millionen Euro - im Vorjahr waren es 196,7 Millionen Euro.

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Insider: GE bietet Frankreich Zugeständnisse im Rennen um Alstom

Im Wettstreit um den französischen Industriekonzern Alstom will General Electric (GE) Insiderinformationen zufolge eine Bieterschlacht mit Siemens vermeiden. Eine Person aus dem GE-Umfeld sagte der Nachrichtenagentur Reuters, statt einen höheren Preis wolle das US-Unternehmen in bestimmten Punkten verbesserte Konditionen offerieren. Darüber diskutiere GE mit der französischen Regierung.

Der Insider nannte verschiedene Bereiche, in denen der amerikanische Konzern ein Entgegenkommen für möglich halte. Weitere Zugeständnisse seien etwa in der Arbeitsplatzfrage machbar. Zudem sei GE offen für ein Engagement französischer Investoren bei Alstoms Kraftwerksparte, einen Zugang des französischen Atomkonzerns Areva zur Technologie von Alstoms Nuklear- und Dampfturbinensparte sowie für eine Vereinbarung zur Stärkung des Alstom-Transportgeschäfts.

Das US-Unternehmen bietet 12,4 Milliarden Euro für Alstoms gesamten Energiezweig. Siemens und der japanische Partner Mitsubishi Heavy Industries (MHI) legten am Montag eine komplexe Offerte vor, die eine Barzahlung von sieben Milliarden Euro umfasst. Berücksichtigt man, wie viele Geschäftsteile übernommen werden sollen, dann bewerten Insider das Siemens/Mitsubishi-Gebot um rund eine Milliarde Euro höher als das von GE.

Google präsentiert Software-Partner für Datenbrille Glass

Google will seine Datenbrille Glass mit Arbeitswelt und Alltag von Nutzern verknüpfen und arbeitet dazu mit mehreren Firmen zusammen. Das Unternehmen nannte am späten Montag fünf neue Partner. Darunter sind ein Software-Entwickler aus dem Medizinbereich, ein Anbieter von touristischen Rundgängen und ein Spezialist für die Integration tragbarer Technik in verschiedene Arbeitsbereiche. Die Partnerschaften geben einen Hinweis darauf, welche Verwendungen Google sich für seine Datenbrille vorstellt.

So bietet die Firma Wearable Intelligence Firmen zum Beispiel Ablauf-Checklisten für bestimmte Verfahren an. APX Labs will die Datenbrille für Situationen ausstatten, in denen die Mitarbeiter ohne einen festen Arbeitsplatz beide Hände freihaben müssen und zugleich Zugang zu Informationen brauchen. Software der Firma Augmedix soll Ärzte unterstützten, indem sie eine Verbindung zu elektronischen Datenbanken herstellt.

Glass hat einen kleinen Bildschirm über dem rechten Auge, sowie Kamera, Mikrofon und Internet-Verbindung. Vor über einem Jahr wurde die Brille einer Gruppe von Testnutzern in den USA zugänglich gemacht. Mit der Zeit weitete Google den Kreis weiter aus. Vor kurzem wurde eine begrenzte Anzahl an Brillen auf den US-Markt gebracht. Inzwischen dürften einige zehntausend Geräte im Umlauf sein. Ein Termin für einen vollwertigen Marktstart ist bisher nicht bekannt.

ING legt Preisspanne für Versicherungsaktien auf 18,50 bis 22 Euro fest

Der niederländische Finanzkonzern ING hat die Preisspanne für den Börsengang seines europäischen Versicherungsgeschäfts veröffentlicht. Mit 18,50 bis 22 Euro je Aktie liegt das Volumen für die 70 Millionen Aktien bei rund 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro, wie der Konzern am Montag nach Börsenschluss mitteilte. Damit würde sich der Konzern von 20 Prozent seiner Anteile an dem Geschäft trennen, das erst seit ein paar Monaten unter dem Namen "NN Group" firmiert. Samt Mehrzuteilungsoption könnten es noch bis zu rund 10,5 Millionen Aktien mehr werden, die ING losschlägt. Am 1. Juli soll der Preis je Aktie feststehen und der Börsengang an der Börse Euronext dann in Amsterdam am 2. Juli stattfinden.

Mit dem Börsengang werde sich der Beteiligungswert an der NN Group um 3,2 Milliarden Euro reduzieren, teilte ING weiter mit. Bis 2016 sollen mehr als 50 Prozent verkauft werden, bis Ende 2016 wollen die Niederländer dann alle Anteile verkauft haben.

ING war nach der Lehman-Pleite vom niederländischen Staat gestützt worden. Wegen der erhaltenen Hilfe muss der Konzern seine Versicherungsbereiche losschlagen. Vom einst einzig bedeutenden Allfinanzkonzern Europas soll dann nur noch ein streng auf das Bankgeschäft zugeschnittenes Unternehmen übrig bleiben.

Shell versilbert Anteile an australischem Ölkonzern - Geld für neue Projekte

Der Ölkonzern Shell (Royal Dutch Shell Grou a) trennt sich von weiteren Anteilen am australischen Öl- und Gaskonzern Woodside Petroleum. Die Briten wollen 19 Prozent an Woodside verkaufen und werden dafür nach Steuern rund fünf Milliarden US-Dollar erhalten, wie Shell am Dienstag mitteilte. Eine Hälfte der rund 156,5 Millionen Woodside-Aktien wird an Investoren abgegeben, die andere kauft Woodside zurück. Nach der Transaktion sinkt die Beteiligung von Shell an den Australiern auf unter fünf Prozent.

Shell-Chef Ben van Beurden hatte nach dem Gewinneinbruch zum Jahresende angekündigt, sich von Geschäftsbeteiligungen trennen zu wollen, um Geld in die Kasse für neue Projekte zu bekommen. Im November 2010 hatte Shell schon einmal 10 Prozent am Kapital von Woodside verkauft.

GM ruft weitere 3,36 Millionen Autos zurück

Das Rückruf-Fiasko bei General Motors (GM) erreicht neue Ausmaße: 3,36 Millionen weitere Autos orderte die Opel-Mutter am Montag in die Werkstätten zurück. Erneut waren Zündschloss-Probleme der Grund. Sie haben nach Konzernangaben zumindest zu acht Unfällen mit sechs Verletzten geführt.

Bei einer Erschütterung des Wagens - etwa durch ein Schlagloch - kann der Zündschlüssel aus der Fahrt-Position springen, wie GM erläuterte. Dies könne sich auf Servolenkung, Bremskraft-Verstärker und Airbags auswirken. Die Zündschlösser habe derselbe Ingenieur entwickelt, der bereits nach einem früheren ähnlichen Rückruf von 2,6 Millionen Wagen entlassen wurde. Hier kann der Defekt zur Folge haben, dass sich Motor und elektrische Systeme auch bei hohem Tempo unvermittelt abschalten. Er wird mit mindestens 13 tödlichen Unfällen in Verbindung gebracht.

Besonders brisant ist die Affäre, weil die Probleme im Konzern seit Jahren bekannt waren, GM aber erst im Februar 2014 die Autos zurückrief. Dies hat eine Welle der Empörung ausgelöst sowie Untersuchungen von Behörden und Parlamentariern. In dieser Woche soll GM-Chefin Mary Barra erneut vor dem Kongress Rede und Antwort stehen. Sie will den Abgeordneten berichten, welche Konsequenzen das Unternehmen aus dem Skandal zieht.

Allein wegen Zündschloss-Problemen hat GM in diesem Jahr insgesamt 6,5 Millionen Wagen zurückbestellt. Ingesamt startete der Konzern 44 Rückrufe weltweit, die rund 20 Millionen Autos betrafen. Die Zahl ist höher als der jährliche Fahrzeugabsatz in den USA. Trotzdem erzielte GM auf dem Heimatmarkt im Mai so viele Verkäufe wie seit August 2008 nicht mehr.

Swisscom holt Publigroupe-Großaktionäre auf seine Seite

Der Schweizer Telekomkonzern Swisscom kommt der Übernahme der Werbefirma Publigroupe einen großen Schritt näher. Die Übernahmeofferte werde auf 214 Franken je Publigroupe-Aktie von bislang 200 Franken angehoben, teilte Swisscom am Dienstag mit. Der Verwaltungsrat der Publigroupe empfehle den Aktionären, das insgesamt rund 500 Millionen Franken schwere Angebot anzunehmen. Die übrigen Großaktionäre, die knapp 26 Prozent an der Gesellschaft halten, stimmten der neuen Offerte ebenfalls zu.

Der Abschluss der Vereinbarung mit der Tamedia bleibe von der Einigung zwischen Swisscom und der Publigroupe sowie der Einigung mit den Großaktionären unberührt. Der Züricher Verlagskonzern verkauft seine Beteiligung von 17,6 Prozent an Publigroupe für 200 Franken je Titel an Swisscom. Tamedia kann sich dafür am Kerngeschäft von Publigroupe beteiligen.

Die Publigroupe-Beteiligungen an Presseunternehmen sollen nach der Übernahme verkauft werden. Interesse haben sowohl Swisscom als auch Tamedia allein am Online-Verzeichnisdienst "local.ch". Dieser soll mit dem von Tamedia kontrollierten "search.ch" in einer neuen Gesellschaft gebündelt werden. An dieser Gesellschaft hält Swisscom den Plänen zufolge in Zukunft 69 Prozent, Tamedia den Rest. Damit entsteht die umfassendste Verzeichnisplattform in der Schweiz, die monatlich 4,8 Millionen Nutzer erreicht.

Die Übernahme der Publigroupe durch Swisscom sowie die angestrebte Partnerschaft zwischen Swisscom und Tamedia im Verzeichnisgeschäft stünden weiterhin unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Wettbewerbsbehörden, teilte Swisscom mit.

dpa-AFX und Reuters