Die Börsen wackeln: In den USA notierte der S&P 500 Ende März rund sieben Prozent unter dem Januar-Hoch. Kommt nun der Bärenmarkt? Carson-Strategiechef Ryan Detrick nennt drei Gründe, warum ein Crash von 20 Prozent eher unwahrscheinlich ist.
Jahrelang schwangen sich die weltweiten Aktienindizes von einem Hoch zum nächsten. Doch kaum wackeln die Kurse, werden die Anleger nervös – zu Recht?
„Viel Spaß bei Ihren Aprilscherzen – aber die schwachen Aktienkurse sind kein Witz“, schrieb Ryan Detrick, Chefstratege bei Carson Investment Research, in seinem jüngsten Marktkommentar. Der Anlass: Der S&P 500 Index, in dem die 500 größten US-Unternehmen versammelt sind, lag im März zeitweilig neun Prozent unter seinem Hoch von Ende Januar und sieben Prozent unter dem Stand vom Jahresanfang. Ist das nur ein Rücksetzer, oder der Start in einen Bärenmarkt? Der beginnt klassischerweise, sobald sich ein Index auf Schlusskursbasis 20 Prozent vom seinem jüngsten Hoch entfernt. Das aber hält Detrick derzeit für eher unwahrscheinlich – aus drei Gründen.
1. Gewinne geben Rückenwind
Als ersten Punkt nennt Detrick die Fundamentaldaten: Die Unternehmensgewinne und die Gewinnmargen hätten neue Höchststände erreicht. Da die Kurse langfristig den Unternehmensgewinnen folgen, sei das ein positiver Faktor.
So hätten die erwarteten Gewinne im S&P 500 für die kommenden 12 Monate bislang um 6,7 Prozent zugelegt. Die Forward-Profit-Margins (erwartete Gewinnmarge auf Basis künftiger Gewinne) seien sogar auf ein Rekordniveau von 15,0 Prozent gestiegen – nach 12,0 Prozent Ende 2019. Sein Fazit: „Es ist schwer, extrem pessimistisch zu werden, wenn Gewinne und Margen neue Hochs markieren.“
2. Bullenmärkte enden selten „plötzlich“
Detricks zweiter Punkt basiert auf der Statistik: Der laufende Bullenmarkt sei inzwischen älter als drei Jahre, argumentiert Detrick. Historisch gesehen liefen solche langen Aufschwungphasen dann auch noch weiter. „Bullenmärkte sind wie ein Kreuzfahrtschiff: Wenn sie erst Fahrt aufgenommen haben, sind sie schwer zu bremsen und noch schwerer zu drehen“, schreibt der Kapitalmarktstratege.
Mit anderen Worten: Selbst, wenn es zwischendurch ruckelt, kippt ein etablierter Aufwärtstrend statistisch gesehen nicht automatisch in den Crash. Detrick verweist darauf, dass viele Bullenmärkte, die diese „Drei-Jahres-Marke“ überschritten, zumindest noch ein weiteres Jahr hielten. Deshalb sei ein 20-Prozent-Einbruch nicht sein Basisszenario.
3. Bärenmärkte starten oft „mit einem Knall“
Detricks dritter Punkt betrifft das Marktverhalten. Der S&P 500 habe am 27. Januar sein Hoch markiert und sei dann aber erst am 18. März um fünf Prozent gefallen – also nach rund sieben Wochen. Detrick zitiert dazu Sam Stovall, Aktienanalyst bei CFRA Research. Stovall hatte jüngst bei CNBC erklärt, ein Bärenmarkt habe noch nie damit begonnen, dass es so lange dauerte, bis ein Index nach seinem Hoch überhaupt um die ersten fünf Prozent fiel.
Diesmal seien es im S&P 500 sogar 35 Tage Handelstage gewesen, bis die Marke von minus fünf Prozent erreicht wurde, rechnet Detrick vor. In den vergangenen elf Bärenmärkten sei der Markt dagegen in weniger als 15 Tagen so weit gefallen. Seine Schlussfolgerung: „Bärenmärkte beginnen oft mit einem Knall – und das bisherige Kursmuster passt einfach nicht dazu.“
Fazit für Anleger
Natürlich ist die Statistik auf Basis historischer Daten kein Garant dafür, dass es auch diesmal so kommt. Systemische Risiken wie im Bankensektor 2007 oder geopolitische Risiken wie der Fortgang des Iran-Konflikts können jederzeit neue Dynamik bringen. Doch Börsianer wissen: Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich oft. Detricks Kernthese lautet: Solange die Gewinne und die Margen stark bleiben und die Abwärtsbewegung keine Zeichen von Panik zeigt, spricht mehr für eine Korrektur als für den großen Absturz.
Quelle: Carson Investment Research – Ryan Detrick, Chief Market Strategist: „No Fooling, Could We Go Into a Bear Market?“ (April 2026).
Aktien-Tipps für das nächste Börsen-Comeback
... erhalten Sie als E-Paper-Abonnent jeden Mittwoch vor allen anderen in der neuen Ausgabe von BÖRSE ONLINE. Hier direkt Probeabo für 4 Ausgaben abschließen - zum Preis von nur 7,80 Euro.
Häufige Fragen zum Thema
Was ist ein Bullenmarkt?
Als Bullenmarkt bezeichnen Börsianer eine Phase mit langfristig steigenden Kursen. Ein anderes Wort dafür lautet auch Hausse. Bullenmnärkte sind geprägt von Optimismus, wachsendem Vertrauen in die Fähigkeiten der Unternehmen, wachsende Gewinne zu erwirtschaften und positiven wirtschaftlichen Aussichten. Kennzeichen eines Bullenmarktes ist ein Kursanstieg um mindestens 20 Prozent über einen längeren Zeitraum.
Was bedeutet ein Bulle an der Börse?
Der Bulle wird an der Börse als Symbol für steigende Kurse verwendet: Er „stößt“ die Kurse mit seinen Hörnern nach oben. Im Gegensatz dazu drückt der Bär, meist in erhobener Pose dargestellt, mit seinen Tatzen die Kurse nach unten.
Was ist ein Bärenmarkt?
Als Bärfenmarkt bezeichnen Börsianer eine Phase mit langfristig sinkenden Kursen. Ein anderes Wort dafür lautet auch Baisse. Bärenmärkte sind geprägt von Pessimismus, schwindendem Vertrauen in die Fähigkeiten der Unternehmen, eien Krise zu überwinden, und negativen Aussichten für die Wirtschaft. Kennzeichen eines Bärenmarktes ist ein Kursverfall um mindestens 20 Prozent vom letzten Hoch.