Unabhängig von den Krisenregionen ist dieses Unternehmen in der Lage, Öl, Gas und Strom zu liefern. Für Anleger könnte sich eine Einstiegschance ergeben.
Wenn Öl und Gas ungestört fließen, ist der Wert von Versorgungssicherheit gering. Doch stockt der Nachschub, zeigen die verlässlichen Lieferanten ihre Stärke. Einer davon ist der norwegische Energieriese Equinor. Das war 2022 so, als russisches Gas nach dem Angriff auf die Ukraine immer spärlicher floss. Und das ist auch jetzt der Fall, wenn die Lieferungen aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien durch den Krieg im Iran stark behindert sind.
Und möglicherweise sorgt gerade dieser Konflikt dafür, dass auch die Aktie der Norweger ein höheres Gewicht bei Investoren erhalten wird. Denn ein Ende der Auseinandersetzung ist im Moment nicht abzusehen. Die Ablösung des Regimes im Iran wird es nicht in dem Tempo geben, wie sich das die USA und Israel vorstellen. Damit werden wohl auch die Transportrouten länger als befürchtet nicht mehr so funktionieren wie zuvor. Das heißt aber auch, dass die Preise für Öl und Gas auf einem erhöhten Level bleiben und kaum auf das Niveau von vor der Zuspitzung der Situation zurückfallen dürften.
Fels in der Brandung
Equinor entstand durch den Zusammenschluss des halbstaatlichen Ölkonzerns Statoil und der Erdöl- und Erdgas-Aktivitäten von Norsk Hydro. Die Umfirmierung von Statoil auf Equinor erfolgte 2018, um zu zeigen, dass nicht nur Öl eine Rolle spielt. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren das Stromgeschäft ausgebaut, betreibt etwa Windkraftanlagen auf hoher See. Doch im Moment wichtiger ist das klassische Energiegeschäft. Das Unternehmen hat seine wichtigsten Abbaugebiete auf dem norwegischen Kontinentalsockel. Obwohl dort schon Jahrzehnte abgebaut wird, meldet der Konzern laufend neue Funde. Zudem ist Equinor mit Öl- und Gasförderung auch noch in vielen Ländern rund um den Globus aktiv. In der Golfregion allerdings nicht. Dort werden lediglich Büros betrieben. Das heißt auch, Equinor ist von der Blockade am Golf nicht betroffen und lieferfähig. Der Konzern hat zudem kritische Infrastruktur wie Pipelines, mit denen er auch Europa direkt versorgen kann.
Im vergangenen Jahr setzte Equinor rund 106 Milliarden US-Dollar um und verdiente nach Steuern 6,4 Milliarden. Noch vor dem Beginn des Iran-Kriegs plante das Unternehmen die Produktion 2026 um rund drei Prozent zu steigern. Die Norweger hatten sich vorsichtigerweise auch mit ihren Investitionen eigentlich auf eine Tiefpreisphase eingestellt. Nun wird es anders kommen. Das heißt, die Erlöse werden kräftig ansteigen, der operative Ertrag wird folgen. Und auch wenn der norwegische Staat einen großen Teil des Ertrags über Steuern abschöpft, wird am Ende viel mehr für Aktionäre bleiben.
Fazit
Hohe Öl- und Gasvorkommen in einer politisch sicheren Region machen den Charme der Aktie aus. Dazu kommt, dass der Gewinn stark steigen wird.
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