Der Bescheid über die von vielen Steuerpflichtigen erwartete Rückzahlung vom Finanzamt, die im Schnitt mehr als 1000 Euro beträgt, wurde bislang mit der Post zugestellt. Künftig sollen diese Mitteilungen den Bürgern via Push-Nachricht auf das Smartphone oder ein Tablet geschickt werden. So lautet zumindest die Idealvorstellung der Anbieter von Steuer-Apps und Web-Steuersoftware.

Die einst belächelte Produktnische nimmt seit geraumer Zeit die schwungvollste Entwicklung auf dem Markt der Steuererklärungsprogramme. Etablierte Software-Anbieter, die sich lange auf Box- Editionen mit CDs und Offline-Lösungen mit Ausdruck konzentrierten, müssen plötzlich mit Start-ups um Neukunden konkurrieren. Die Neuen setzen nur noch auf Deklarationen via App oder Internet- Browser - und wissen dabei die Demografie auf ihrer Seite: Die inzwischen im Berufsleben angekommene Generation der Digital Natives kann mit Steuererklärungen auf Papier nichts mehr anfangen.

Für zusätzliche Dynamik sorgt weiterhin US-Starinvestor Peter Thiel. Sein vor zwei Jahren mit 27 Millionen Euro Kapital ausgestattetes Fintech Taxfix rührt nun mit der bekannten Agentur Jung von Matt kräftig die Werbetrommel. Zudem pflegt das Management sein disruptives Image: Neues Personal wird laut Branchenkennern in der Regel nicht von alteingesessenen Steuersoftwarefirmen rekrutiert.

Umso erstaunlicher scheint, dass sich Taxfix weiterhin nur auf Berufstätige konzentriert. Wer Kapitalerträge, Mieteinnahmen und Renteneinkünfte zu deklarieren hat, muss sich vorerst nach einer anderen Softwarelösung umsehen. Andererseits weist die aktuelle Zielgruppe dieser App genug Potenzial auf: Von den rund 45 Millionen hierzulande Berufstätigen gaben zuletzt zwölf Millionen Bürger überhaupt keine Einkommensteuererklärung ab.

Erste Steuer-App für alle Einkunftsarten

Ganz anders präsentiert sich Buhl Data mit den Reihen WISO und Tax als Marktführer bei kommerzieller Steuererklärungssoftware in Deutschland. Der Produktclou des Serientestsiegers ist dieses Jahr die neue App WISO Steuer-Phone, die Nutzer der Desktop- und Web-Programme ohne weitere Kosten geräteübergreifend nutzen können. "Das ist hierzulande die erste Steuer-App, die Nutzern bei allen Einkunftsarten hilft", sagt Peter Schmitz, Vorstandschef von Buhl Tax Service. Auch für Selbstständige mit Umsatz- und Gewerbesteuer kann diese mobile Anwendung zu erwartende Erstattungen oder fällige Nachzahlungen exakt berechnen.

Dokumente einfach abfotografieren

Ein weiterer originärer Vorteil von Steuer-Apps: User können Belege mit dem Smartphone meist leicht abfotografieren und - ohne weiteren Datentransfer zu einem anderen Endgerät - direkt in ihre elektronische Steuererklärung einfügen. Hier dürfte das Thema künstliche Intelligenz künftig noch wichtiger werden: Unterprogramme der Apps könnten die Dokumente automatisch und steueroptimiert in die Deklaration einfügen.

Für Datensicherheit sollen "Touch-ID" (Fingerabdruck) und "Face-ID" (Gesichtserkennung) sorgen. Wer seine Steuererklärung mit einer App erledigt und ans Finanzamt sendet, sollte aber auch die Haftungsgrundsätze kennen: Alle fehlerhaft übermittelten Angaben hat regelmäßig der App-Nutzer zu verantworten - und nicht der Anbieter. Zudem ist es ratsam, sich als User vorher zu vergewissern, dass die Angaben nur verschlüsselt übertragen und auf Servern in Deutschland gespeichert werden. Der Grund: Es ist absehbar, dass sensible Steuerdaten gerade in bestimmten ausländischen Clouds einen hohen ökonomischen Wert für Betreiber haben können.

Anbieter Forium, mit "Lohnsteuer kompakt" einst Pionier für Online-Steuererklärungen in Deutschland, hat die für das Vorjahr avisierte breite App-Einführung von "SteuerGo", die sich mit dem Web-Programm ergänzt und parallel genutzt werden soll, nochmals verschoben.

"Wir haben uns entschieden, den Funktionsumfang vor der Veröffentlichung nochmals deutlich zu erhöhen", erklärt Forium-Chef Felix Bodeewes. Für Neugierige: Eine kostenlose Betaversion der SteuerGo-App ist bereits in den App-Stores verfügbar. Zudem offeriert Forium bei Online-Steuererklärungen Versionen in mehreren Fremdsprachen, hat als einziger Anbieter deutsche Steuersoftware in Russisch und Rumänisch im Programm.

Service wie bei der PC-Steuersoftware

Mit Steuer-Apps können User in der Regel wie bei den PC-Programmen auf die vorausgefüllte Steuererklärung mit Datenabruf vom Finanzamt zurückgreifen. Zudem ist ein Datenabgleich zwischen dem Steuerbescheid und den Angaben in der zuvor elektronisch übersandten Erklärung mittlerweile Standard bei Steuer-Apps.

Auch die Umstellung vom Formular- zum Interviewstil haben die Anwendungen verinnerlicht. Dieser Service soll es auf den kleinen Bildschirmoberflächen von Smartphones und Tablets langfristig ermöglichen, selbst komplexe Steuererklärungen mit vielen einzupflegenden Dokumenten und Einkunftsarten komfortabel und effizient zu erledigen.

Strikte Trennung von App und Browser

Eine andere Geschäftsstrategie fährt Anbieter Haufe Lexware, bekannt durch die Desktopreihen Quicksteuer und Taxman. Er setzt auch bei mobilen Endgeräten auf eine konsequente Trennung seiner Produktbereiche: Eine Steuer-App wird künftig konsequenterweise ausschließlich über die Start- up-Tochter Steuerbot angeboten, während sich Onlineableger Smartsteuer aus dem Segment komplett zurückzieht und nur noch reine Web-Erklärungen offeriert. "Dafür haben wir die mobile Bedienbarkeit verbessert und die Nutzung für Handy und Tablet optimiert", erläutert Stefan Heine, Leiter Redaktion und Legal bei Smartsteuer, diesen Schritt.

Ein Branchenriese scheint dagegen in puncto Steuer-Apps noch nicht in die Puschen zu kommen. Datev, bei Software für Steuerberater klarer Marktführer, kam 2020 zwar mit einem App-Angebot für Steuererklärungen von Privatpersonen auf den Markt. In der Pandemie bündelt der Anbieter jedoch seine Ressourcen im B2B-Bereich, um professionelle Steuerexperten bei der Bearbeitung der Corona-Hilfen und den daher liegen gebliebenen Steuererklärungen zu unterstützen.

Die Weiterentwicklung von Klartax hält sich daher in Grenzen. "Dafür wurde zum Beispiel eine neue Startseite mit individuellen Hinweisen geschaffen, die Benutzerführung in den Steuerinterviews verbessert und eine Checkliste zur steuerlichen Orientierung für den User eingeführt", sagt Datev-Sprecherin Sarah Benecke. Zudem kann die App inzwischen auch relevante steuerliche Aspekte wie die Riester-Rente oder ein Kirchgeld erfassen. Perspektivisch soll sie für viele weitere Steuerfälle ausgebaut werden - im nächsten Schritt zum Beispiel für Eltern.

Eine Aufgabe für alle Steuer-App-Anbieter besteht darin, die Anwendungen für Nutzer noch intuitiver bedienbar zu machen. Auch die Inklusion ist ein Thema. "Wir haben die Barrierefreiheit übergreifend verbessert, unsere App ist nun screenreadertauglich, bietet gute Lesbarkeit, Kontraste und ist bei Bedarf durchgängig auch per Tastatur zu bedienen", sagt Benecke.

Steuer-ID wird zur Bürger-ID

Mit dem amtlichen Elster-Zertifikat, das jeweils drei Jahre gültig bleibt, können mittlerweile auch die meisten App-Nutzer ihre bei der Finanzverwaltung gespeicherten Daten in die Steuererklärung einladen ("E-Datenabruf"). Bei den von Arbeitgebern, Rententrägern und Versicherungsgesellschaften übermittelten Daten spielt die im Juli 2007 eingeführte Steueridentifikationsnummer eine wichtige Rolle. Die elfstellige Steuer-ID wird kurz nach der Geburt oder einer Einbürgerung erteilt - und bleibt den Deutschen lebenslang erhalten. Sie wechselt auch nicht nach Umzug, Namensänderung durch eine Heirat oder wenn sich der Familienstand anderweitig ändert.

Steuerlicher Datenschatz im Fokus

Die Bundesregierung will nun die Steuer-ID zu einer umfassenden Bürger-ID ausbauen, die den Behörden den Zugriff auf Personendaten ermöglicht. Dazu hat der Bundestag das Registermodernisierungsgesetz beschlossen. Da- mit wird eine Grundlage geschaffen, die bestehende Steuer-ID auch für andere Verwaltungsvorgänge als Identifikationsinstrument zu nutzen. Werden für unterschiedliche Verwaltungsakte immer wieder die gleichen Daten wie Geburtsdatum und -ort sowie Adresse oder Familienstand benötigt, müssen dafür bislang jedes Mal Nachweise wie die Geburtsurkunde oder Meldebescheinigungen vorgelegt werden.

Das neue Verfahren soll ermöglichen, dass Behörden diese Daten direkt und aktuell abrufen. Sicherheit beim Datenschutz soll ein "Daten-Cockpit" schaffen: Es gibt Bürgern die Möglichkeit, digital nachzuvollziehen, welche Behörde wann und aus welchem Grund auf Daten zugegriffen hat.

Der Bundesrat hat das Gesetz am 5. März - trotz gravierender verfassungsrechtlicher Bedenken und massiver Kritik von Datenschützern - abgesegnet. Die Steuer-ID wird damit an 50 weiteren behördlichen Stellen gespeichert: etwa im Melde-, Waffen- und Führerscheinregister, bei der Rentenversicherung und den Krankenkassen.

Sämtliche Steuer-App-Nutzer tun demnach gut daran, sich darüber im Klaren zu sein, dass ihre persönlichen Angaben mehr Aufmerksamkeit genießen. Sie werden nicht nur von kommerziellen Anbietern als wertvoller Datenschatz genutzt, sondern auch bei staatlichen Behörden von mehr Augen gesehen als bislang.

Steuer-Apps im Preis- und Leistungsvergleich


Klartax Die App von Datev, Marktführer für Steuerberatersoftware, ist weiterhin auf Grundfunktionen beschränkt und hat als Zielgruppe Einsteiger ohne Erfahrung mit Steuererklärungen. In komplexen Fällen kann sie User an einen angeschlossenen Steuerberater vermitteln. Belegerfassung und Steuerprognose sind gratis, die Datenübertragung ans Finanzamt kostet 19,99 Euro.

Steuerbot Die im Jahr 2017 gegründete Start-up- Firma gehört mittlerweile zur Haufe-Lexware- Tochter Smartsteuer. Die Zielgruppe der App waren ursprünglich nur Berufsanfänger und Studenten. Inzwischen hilft sie per Chat-Dialog auch Ruheständlern bei der Einkommensteuererklärung, nicht aber Selbstständigen. Bei Erstattung unter 100 Euro ist die App gratis, sonst fallen 29,95 Euro an.

Taxando Die Berliner Fintechfirma bietet Anwendern eine papierlose Steuererklärung durch simples Abfotografieren der Lohnsteuerbescheinigung mit dem Smartphone an. Die App ermöglicht es Usern, Werbungskosten zu erfassen und die Steuererklärung per Elster-Zertifikat oder Herstellermandat zu versenden. Die Standardversion mit elektronischer Abgabe ans Finanzamt kostet 33,80 Euro.

Taxfix Die derzeit wieder mit großem Aufwand im TV beworbene Steuer- App wendet sich bisher nur an Arbeitnehmer. Auch die Daten der vorausgefüllten Steuererklärung aus dem Elster-Verfahren sind abrufbar. Mit den weiteren per Interview abgefragten Angaben errechnet die App die Höhe der Rückzahlung. Nur bei Erstattungen von mehr als 50 Euro sind 34,99 Euro als Gebühr fällig.

WISO Steuer Phone Buhl Data bietet seinen Klassiker WISO Steuersparbuch mittlerweile in gleicher "Leistungstiefe" als App auch zur Smartphone-Nutzung an. Anwender können während der Eingabe flexibel von der App zu PC- und Onlinevariante wechseln. Einheitspreis für alles: 29,95 Euro. Seine Steuer-Apps Ilovetax und Taxango hat der Anbieter wegen Überschneidungen eingestellt.

Wundertax Das Berliner Start-up begann 2015 mit einer Steuer-App für Studenten. Inzwischen sind auch Extraportale für Selbstständige, Ruheständler, Lehrer und Polizisten verfügbar. Ein Manko: Die vom Fiskus bereitgestellten Daten der vorausgefüllten Steuererklärung aus dem Elster-Verfahren sind nicht importierbar und müssen manuell eingepflegt werden. Die App kostet 34,95 Euro.

Web-Programme


WISO Steuer-Web 2021
Note 1
Das Leistungsspektrum dieses Online-Steuerprogramms ist weiter identisch mit dem PC-Klassiker WISO Steuersparbuch. Anwender können bei der Bearbeitung ihrer Einkommensteuererklärung bequem vom PC zu mobilen Geräten wie Tablets wechseln - nun auch zur neuen Smartphone-App. Anbieter Buhl Data Preis 29,95 € Internet buhl.de/steuer

Lohnsteuer kompakt 2021
Note 2+
Der Pionier für Online-Steuererklärungen in Deutschland unterstützt User auch bei komplexen Steuerfällen. Die Dateneingabe ist ab sofort auch im Interviewstil möglich. Für Traditionalisten: Die fertige Einkommensteuererklärung ist auf Wunsch im amtlichen Formularmodus ausdruckbar. Anbieter Forium Preis 29,95 € Internet lohnsteuer-kompakt.de

Smartsteuer 2021
Note 2+
Das Einstiegsinterview ist auf Basis von Kundenumfragen in der neuesten Version noch nutzerfreundlicher gestaltet worden, eine "Kachelansicht" erleichtert die Navigation zusätzlich. Auch Steuergestaltungsmöglichkeiten für Ruheständler und Vermieter sind nun noch detaillierter angezeigt. Anbieter Smartsteuer Preis 34,99 € Internet smartsteuer.de

Steuerfuchs 2021
Note 2
Das seit 19 Jahren verfügbare Onlineprogramm bietet Usern weiter einen relativ einfach gehaltenen Interviewmodus. Zielgruppe sind Arbeitnehmer und Ruheständler. Der Datentransfer von der vorausgefüllten Steuererklärung ist möglich, ebenso elektronische Abgabe über ein Anbieterzertifikat. Anbieter: Hartwerk Preis 14,95 Euro Internet: steuerfuchs.de