Nach den Kursverlusten in der vergangenen Woche haben sich die Anleger am Montag an die europäischen Aktienmärkte zurückgewagt. Die Unsicherheit über die künftige US-Zinspolitik, die Preisentwicklung beim Öl und der Ausverkauf im französischen Telekom-Sektor dämpften die Kauflaune aber etwas. Dax und EuroStoxx50 stiegen bis zum Nachmittag um je 0,8 Prozent auf 9875 und 2978 Punkte. Für die Wall Street signalisierten die US-Futures eine behauptete Tendenz zur Handelseröffnung. In New York stand die 2,6 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Virgin America durch Alaska Air im Fokus.

Händler beklagten den weiterhin geringen Umsatz. "Viele Anleger sind offenbar noch nicht aus den Osterferien zurück", sagte einer. Die Kursgewinne hingen vor allem mit technischen Faktoren zu Beginn des zweiten Quartals zusammen. "Das kann morgen schon wieder ganz anders aussehen." Nach der Vorlage eines soliden Arbeitsmarktberichtes in den USA stehe weiter die US-Geldpolitik im Fokus. "Ob es tatsächlich nur ein oder zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr geben wird, ist zumindest fraglich." Zuletzt hatte Fed-Chefin Janet Yellen die Spekulationen auf schnelle weitere Zinsschritte gedämpft.

Die in den nächsten Wochen beginnenden Bilanzsaison werfe ebenfalls ihre Schatten voraus, sagte ein Börsianer. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Unternehmen in den ersten drei Monaten des Jahres geschlagen hätten. Vor allem Banken dürften die Kapriolen an den Finanzmärkten zu spüren bekommen haben.

Am Ölmarkt machten die Preise für Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI ihre anfänglichen Verluste von je rund 1,5 Prozent wieder wett und pendelten um ihre Freitagsniveaus von 38,67 und 36,79 Dollar je Barrel (159 Liter). Saudi-Arabien hatte am Freitag betont, nur dann die Ölfördermengen einfrieren zu wollen, wenn Iran dies auch tue.

KONJUNKTUR UNABHÄNGIGE WERTE GESUCHT



An der Pariser Börse brachen die Aktien von Bouygues um mehr als 18 Prozent ein - so viel wie noch nie. Zuvor war die geplante zehn Milliarden Euro schwere Übernahme von Bouygues durch den Konkurrenten Orange gescheitert. "Aus unserer Sicht war dies eine der letzten Chancen für eine Konsolidierung des französischen Telekom-Marktes", schrieben die Analysten der Berenberg Bank in einem Kommentar. Der Preiskampf bleibe hart, während die Firmen gleichzeitig vor hohen Ausgaben für den Ausbau des Glasfaser-Netzes stünden. Die Titel von Orange - dem früheren staatlichen Monopolisten - büßten 4,7 Prozent ein. Iliad, Numericable und dessen Großaktionär Altice verloren 14 bis 16 Prozent.

Im Dax führten von der Konjunktur weniger abhängige Aktien die Gewinnerliste an: Merck, Fresenius und Fresenius Medical stiegen um zwei bis 3,6 Prozent. RWE legten 3,6 Prozent zu. Die Analysten von Societe Generale hatten die Titel auf "buy" von "hold" gestuft.

Die Papiere der Deutschen Bank verloren dagegen rund ein Prozent, und zählten damit auch im EuroStoxx50 zu den Schlusslichtern - gemeinsam mit Unicredit, die 1,3 Prozent verloren.

Reuters