"Viele tendieren zu der Einschätzung, dass der Ausgang der Ereignisse keinen anhaltenden Einfluss auf die Märkte haben wird", sagte Aktienhändler Markus Huber vom Brokerhaus City of London. Schließlich habe weder die Entscheidung der Briten zum Ausstieg aus der EU noch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten den Börsen nachhaltig geschadet.

Am Mittag hellte eine Reuters-Meldung die Stimmung zusätzlich auf. Insidern zufolge könnte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Stützungskäufe italienischer Staatsanleihen kurzfristig ausweiten, um Turbulenzen nach dem "Renzirendum" abzufedern. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel binnen Minuten auf 1,968 von zuvor 2,006 Prozent. Der Dax legte 0,1 Prozent auf 10.593 Punkte zu, der EuroStoxx50 stieg um 0,4 Prozent auf 3028 Zähler.

ITALIENS BANKEN AUF ERHOLUNGSKURS



Parallel dazu baute der italienische Bankenindex, der in den vergangenen vier Wochen mehr als zehn Prozent verloren hatte, seine Gewinne aus und zog um bis zu 3,1 Prozent an. "Offenbar betrachten einige Investoren den jüngsten Ausverkauf italienischer Banken als überzogen", sagte Commerzbank-Volkswirt Peter Dixon. "Die ganzen Unwägbarkeiten sind aber noch vorhanden." Er rate daher zur Vorsicht.

Dem weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock zufolge sind die Ängste rund um das Referendum nicht gerechtfertigt. Aus diesem Grund habe sein Haus wieder verstärkt bei europäischen Finanzwerten zugegriffen, sagte Chef-Anleger Rick Rieder der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aktien der Banca Monte dei Paschi di Siena (BMPS), die fünf Milliarden Euro zusätzliches Kapital benötigt, stiegen daraufhin um bis zu 7,2 Prozent.

"RENZIRENDUM" UND SEINE MÖGLICHEN FOLGEN



Die Italiener stimmen am Sonntag über eine Verfassungsreform ab, die die Zentralregierung stärken und das politische System stabilisieren soll. Bei einem "Nein" befürchten Börsianer den Sturz des Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Dieser hatte ursprünglich sein politisches Überleben an die Abstimmung geknüpft. Außerdem könnte eine Regierungskrise es den Banken erschweren, dringend benötigtes frisches Kapital einzusammeln. Dem Chef der Mailänder Börse, Raffaele Jerusalmi, zufolge haben ausländische Investoren "kolossale" Wetten auf einen Kurssturz italienischer Wertpapiere gesetzt.

FÖRDERBREMSE JA ODER NEIN?



Am Ölmarkt rutschte der Preis für die Sorte Brent aus der Nordsee um 2,6 Prozent ab auf 46,90 Dollar je Barrel (159 Liter), da immer mehr Anleger daran zweifelten, dass sich die Opec bei ihrem Treffen am Mittwoch auf eine Reduzierung der Fördermengen einigen wird. "Die jüngsten Schlagzeilen suggerieren, dass es Einigkeit über die grundsätzliche Notwendigkeit einer Kürzung gibt", schrieben die Analysten der US-Bank Goldman Sachs in einem Kommentar. Politische Reibereien und Tauziehen um die Förderquoten der einzelnen Landes verhinderten bislang aber einen Deal. Ohne Einigung sehen die Experten den Ölpreis bis zum kommenden Sommer bei durchschnittlich 45 Dollar.

rtr