Nach der Kursrally der vergangenen Wochen haben die europäischen Börsen am Montag den Rückwärtsgang eingelegt. Dabei drückte der enttäuschende Ifo-Index auf die Stimmung. Dax und EuroStoxx50 büßten bis zum Nachmittag jeweils 0,9 Prozent auf 10.280 und 3112 Punkte ein. Angesichts der anstehenden US-Notenbanksitzung gingen Anleger auf Nummer sicher und machten erst einmal Kasse, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Für die Wall Street signalisierten die US-Futures leichtere Kurse.

Der Offenmarkt-Ausschuss der Fed (FOMC) berät ab Dienstag über die US-Geldpolitik und wird seine Entscheidung am Mittwoch bekanntgeben. Der Euro notierte mit 1,1256 Dollar etwa einen viertel US-Cent höher als am Freitagabend.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex brachte nicht die erhofften positiven Impulse für die Börse. Die Stimmung in den deutschen Chefetagen verschlechterte sich überraschend. "Wirtschaftliche Frühlingsstimmung will derzeit nicht aufkommen", sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Der Stachel der Finanzmarktturbulenzen zu Jahresbeginn sitzt noch tief." Außerdem schwebe der Brexit weiter wie ein Damokles-Schwert über Europa. Die Wetten der Buchmacher deuten allerdings darauf hin, dass nach dem Werben des US-Präsidenten Barack Obama für einen Verbleib Großbritanniens in der EU die Wahrscheinlichkeit hierfür auf etwa 75 Prozent gestiegen ist. Dies schob das Pfund Sterling an: Im Gegenzug fiel der Euro auf ein Sechs-Wochen-Tief von 77,52 Pence nach fast 78 Pence am Freitag.

ANLEGER MACHEN VOR ALLEM BEI FINANZTITELN KASSE



Vor allem bei den Finanzwerten nahmen viele Anleger ihre Gewinne mit. In der vergangenen Woche hatten die Banken rund sechs Prozent gewonnen. Am Montag ging es im Schnitt um 1,6 Prozent nach unten. Schlusslicht im Dax waren Deutsche Bank mit einem Minus von 2,5 Prozent. Vorige Woche hatten die Titel etwa 9,5 Prozent zugelegt. Der Freispruch des Landgerichts München für Co-Chef Jürgen Fitschen, dessen Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstände vom Vorwurf des versuchten Betrugs spielte an der Börse keine große Rolle.

Bei den deutschen Nebenwerten profitierten Covestro nur kurz von den Geschäftszahlen für das erste Quartal. Die Kunststofftochter von Bayer legte für 2016 keine Umsatz- und Ergebnisprognose vor. Die Anleger nahmen daher ihre Gewinne mit, so dass Covestro um zwei Prozent fielen, womit sie im MDax zu den Schlusslichtern zählten. Bayer sanken um ein Prozent. Der Chemiekonzern lässt sich am Dienstag in die Bücher schauen.

Im EuroStoxx50 hielten die in Amsterdam gelisteten Aktien von Philips mit einem Abschlag von mehr als fünf Prozent die rote Laterne: Der Elektroriese tendiert bei der geplanten Abspaltung des Lichtgeschäfts zu einem Börsengang, womit er Anleger, die auf einen Verkauf gesetzt hatten, enttäuschte. In Paris fielen nach einer milliardenschweren Kapitalerhöhung die Aktien des Versorgers EdF um über sieben Prozent.

Reuters