Während viele Analysten und Anleger schon wieder von der Jahresendrallye sprechen, sehen die großen Bankhäuser Bank of America und Goldman Sachs eine weitere Krise für europäische Aktien. Was ist da wirklich dran? Von Johann Werther

In Europa läuft aktuell einiges so, wie es wirklich nicht sein sollte. In der Ukraine tobt ein blutiger Krieg, Großbritannien und Deutschland sind in mehr oder minder klaren Regierungskrisen, das Gas wird knapp und eine Schuldenkrise schwebt als bedrohlicher Schatten über Europa.

Kein gutes Umfeld also, um hier sein hart verdientes Geld zu investieren, finden die beiden großen Analystenhäuser der Bank of America und Goldman Sachs.

Amerika hui, Europa Pfui?

Grund dafür sind laut den Analysten die fehlenden positiven Nachrichten aus der Eurozone, die dazu führen, dass sich die Aussichten für den Euro-Raum zum Jahresende massiv eintrüben dürften. Während also in Amerika die Jahresendrallye propagiert wird, dürfte uns in Europa an den Märkten eher eine schwere Weihnacht bevorstehen.

Grund dafür sind allerdings nicht nur die Aussichten an sich, sondern auch die industrielle Verteilung. So ist Europa ein Standort der Schwerindustrie und nicht der Software und hat es damit von je her mit deutlich mehr Problemen zu tun. Dazu kommt die Unsicherheit des Kapitals, das sich wegen der politischen Ideen wie Verstaatlichungen lieber aus Europa heraushalten möchte.

Europa benötigt also möglichst zeitnah neue positive Nachrichten, wie Wachstumsphantasien oder effiziente Problemlösungsansätze. Ein positives Signal für die Märkte wäre beispielsweise ein schuldenfinanzierter Staatsfonds aus Deutschland oder eine zeitnah, unpolitische Lösung der Energiekrise. Doch ob wir das eine oder andere wirklich sehen, bleibt fraglich.


Fazit: Eine Frage der persönlichen Präferenzen

Doch sollten Anleger jetzt alle europäischen Aktien verkaufen und in amerikanische Werte flüchten? Die Antwort ist eindeutig: Nein. Jeder Investor sollte selbst seine persönlichen Positionen nach Zukunftsfähigkeit und Robustheit überprüfen. Dazu kommt, dass man möglichst viele Unternehmen im Portfolio hat, die ihre Umsätze nicht nur in Europa, sondern weltweit machen.

Sicherlich gibt es innerhalb von Europa einen Haufen Probleme, der für den aufgeklärten und sich stets informierenden Anleger teilweise erdrückend anfühlen kann. Trotzdem gibt es immer ein Licht am Ende des Horizonts, auch für europäische Aktien, welche in einem global diversifizierten Portfolio auch nicht die Mehrheit der Assetallokation ausmachen dürften.

In Europa investieren können Anleger vor allem mit einem marktbreiten ETF auf den Stoxx Europe 600. Mit diesem investieren Anleger in 600 europäische Unternehmen.