Immer mehr Menschen wollen nicht nur durch Konsum- oder Fleischverzicht die Umwelt schützen, sondern auch durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld. Der beginnt nicht erst beim Aktienkauf, sondern bereits bei der Wahl des Girokontos: "Das Interesse der Öffentlichkeit an Klimaschutz und Energiewende ist längst im Kundengeschäft der Banken angekommen", sagt Thomas Küchenmeister, geschäftsführender Vorstand von Facing Finance. Der Verein will Finanzdienstleister und Anleger dazu bewegen, ethisch und ökologisch korrekt zu investieren. Zwar liegt bislang nur ein Bruchteil der Bankeinlagen in Deutschland auf grünen Konten, "aber nachhaltige Geldinstitute erleben einen regelrechten Kundenboom", sagt Küchenmeister.

Genau genommen gibt es aber keine "grünen" Konten, sondern nur "grüne" Banken. Das sind Kreditinstitute, die an ihre Arbeit strenge Nachhaltigkeitskriterien legen: Ökologisch oder sozial orientierte Geldhäuser, auch christliche Banken, verleihen in aller Regel kein Geld an Unternehmen aus umstrittenen Wirtschaftszweigen. Oft finanzieren sie sogar ausschließlich ökologische, soziale oder kirchliche Projekte. Verbraucher müssen daher selbst entscheiden, was ihnen besonders wichtig ist und welche Projekte die Banken mit ihrem Geld finanzieren dürfen.

Dennoch sind die Finanzierungsrichtlinien bei Nachhaltigkeitsbanken in der Regel sehr ähnlich. Mal liegt der Fokus mehr auf Umweltschutz, mal mehr auf Sozialem. Auch kirchliche Banken belegen bei Nachhaltigkeitsranglisten häufig vordere Plätze. Aber Achtung: Kirchliche Institute sind nicht vorrangig dem Umweltschutz verpflichtet, sondern den Werten ihrer Religionsgemeinschaft. Die katholische Steyler Bank etwa finanziert keine Unternehmen, die Verhütungsmittel herstellen oder Kliniken betreiben, in denen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden.

Harte Ausschlusskriterien

Eine der größten und bekanntesten Nachhaltigkeitsbanken in Deutschland ist die GLS Bank. Das Bochumer Institut beschreibt in seinen Anlage- und Finanzierungsrichtlinien einen umfangreichen Katalog von Ausschlusskriterien. Ausgeschlossen sind demnach Finanzierungen von oder Investitionen in Atomenergie, Rüstung und Waffen, Kohle, Biozide und Pestizide, Gentechnik, Massentierhaltung, Suchtmittel, Embryonenforschung sowie die Produktion chlororganischer Massenprodukte wie PVC. Auch wer kontroverse Geschäftspraktiken pflegt, bekommt kein Geld von dem Institut. Als kontrovers gelten die Verletzung von Menschen- und Arbeitsrechten, Tierversuche sowie Steuerhinterziehung oder Bestechung.

Auf der Positivseite führt die GLS Bank Geschäftsfelder wie Ernährung, erneuerbare Energien, Wohnen, Bildung und Gesundheit. Ebenso investiert die Genossenschaftsbank das Geld ihrer Kunden in Firmen, die Führungspositionen divers besetzen und ihre Mitarbeiter fair entlohnen.

Die Strategie des Instituts scheint gut anzukommen: 2020 konnte das Geldhaus rund 50.000 Kunden dazugewinnen, 2019 waren es 35.000. Insgesamt haben Verbraucher dem Institut schon fast sieben Milliarden Euro anvertraut. "Gerade junge Menschen, die politisch interessiert und engagiert sind, entscheiden sich für uns", erklärt GLS-Sprecher Lukas Feldmann.

Das mag auch daran liegen, dass die GLS Bank in Nachhaltigkeitsrankings überzeugt. Im Fair Finance Guide, einem Angebot von Facing Finance, das die Nachhaltigkeitsrichtlinien von Banken vergleicht, liegt die GLS Bank auf Rang 1. Klassische Kreditinstitute wie die Direktbank ING, die Commerzbank, die Deutsche Bank oder einzelne Sparkassen schneiden indes schlecht ab.

Auf dem zweiten Platz des Fair Finance Guide findet sich die Ethikbank. Auch sie hat umfangreiche Ausschlusskriterien für Investitionen und Finanzierungen: Tabu sind Hersteller und Vertreiber von Militärwaffen, Atomkraftwerksbetreiber, Kohleförderer sowie Unternehmen, die Tierversuche durchführen, Saatgut gentechnisch verändern, im Bereich Glücksspiel oder Pornografie tätig sind oder Kinderarbeit zulassen. Auch Staaten werden nur finanziert, wenn sie keine Menschenrechte verletzen, keine Nuklearwaffen besitzen, Klimaabkommen umsetzen und nur geringe Mengen Atomstrom herstellen.

Weitere Kriterien der Ethikbank sind: Geld wird nur an Kandidaten verliehen, die sich gegen den Klimawandel und für Umweltschutz stark machen, Gleichberechtigung und Vielfalt in ihrer Belegschaft fördern und Maßnahmen gegen Korruption und Bestechung ergreifen.

Die Umweltbank in Nürnberg hat ähnliche Ausschlusskriterien wie die GLS Bank oder die Ethikbank. Beim Investieren legt sie den Fokus aber noch stärker auf Ökologisches. So finanziert sie ausschließlich nachhaltige Projekte, etwa aus den Bereichen erneuerbare Energien, ökologisches Bauen oder Biolandwirtschaft. "Wir geben nicht jedem einen Kredit. Hinter der Anfrage muss ein konkretes ökologisches Projekt stehen", erklärt Umweltbank- Sprecher Oliver Patzsch.

Aus diesem Grund bietet die Umweltbank kein Girokonto an. Die Einlagen würden zu sehr schwanken und ließen sich nicht langfristig für Finanzierungen planen, sagt Patzsch. (In der Tabelle ist die Umweltbank deshalb nicht aufgeführt).

Als Alternative bietet die Umweltbank Tagesgeldkonten an. Sie dienen zwar eigentlich nicht als Gehaltskonten, sondern eher als mittelfristige Geldparkplätze, Einlagen sind dort aber trotzdem täglich verfügbar.

Je grüner, desto teurer?

Auffällig ist, dass vielen Kunden bei der Wahl eines nachhaltigen Girokontos die Werte und Richtlinien wichtiger sind als die Höhe der Gebühren. "Wer zu einer Ethik- oder Ökobank geht, achtet nicht auf den letzten Cent", sagt Horst Biallo, Chef des Vergleichportals biallo.de.

Das zeigt auch unsere Tabelle: Das Girokonto bei der GLS Bank kostet mit 8,80 Euro im Monat deutlich mehr als bei anderen Anbietern. Begründung: Dem Institut entgehen durch den Nachhaltigkeitsfokus Gewinne.

Günstigere Konditionen bietet unter anderem die DKB Bank, wo ein Girokonto überhaupt nichts kostet. Die Tochter der Bayerischen Landesbank schneidet im Fair Finance Guide aber nur mäßig ab: Sie wirtschafte zwar nachhaltiger als die Mutter, lasse aber ökologische Vorgaben für Landwirte vermissen und vergebe Kredite an Atom- und Kohlebetreiber.

Eine Besonderheit ist das Start-up Tomorrow. Die Hamburger investieren ausschließlich in nachhaltige und soziale Projekte, das Basis-Girokonto ist aber dennoch kostenlos. Allerdings hat Tomorrow keine Banklizenz. Die Kundengelder liegen bei der Solarisbank - und die ist keine ausgewiesene Nachhaltigkeitsbank.

Wegen der Vielfalt der "grünen" Kontomodelle müssen Kunden also selbst wissen, wo sie in puncto Nachhaltigkeit die Grenze ziehen. Fair-Finance-Experte Küchenmeister warnt: "Der Begriff ist nicht geschützt, und jeder legt ihn aus, wie es gerade ins Geschäftsmodell passt." Umso wichtiger sei es, sich vor der Kontoeröffnung gründlich zu informieren.