Nach dem Gipfelsturm der vergangenen Tage ist den Dax-Anlegern am Dienstag etwas die Puste ausgegangen. Zwar stieg der deutsche Leitindex zeitweise um 0,5 Prozent auf ein Allzeithoch von 11,4650,23 Zählern - dem achten in neun Handelstagen. Doch drückte die Aussicht auf eine leichtere Eröffnung der Wall Street den Dax wieder auf seinen Vortagesschluss von 11.410 Zählern. Der EuroStoxx50 notierte 0,2 Prozent niedriger. Angesichts täglich neuer Rekordhochs steige das Risiko von Rücksetzern, sagte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets. "Geschwindigkeit und Ausmaß der Rally machen eine ausgeprägtere Konsolidierungsphase mehr als überfällig."

Eine Korrektur der europäischen Börsen werde voraussichtlich von der Wall Street ausgehen, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. Die US-Werte seien gemessen an den Gewinnerwartungen teurer als die hiesigen. Hauptgrund für die Rekordfahrt ist die Aussicht auf die Euro-Geldschwemme. Börsianer rechnen fest damit, dass die EZB bei ihrer Ratssitzung am Donnerstag Details zum sogenannten Quantitative Easing (QE) beschließt und anschließend mit den Bond-Käufen im Gesamtvolumen von über einer Billion Euro beginnt. Damit wollen die Notenbanker die Konjunktur ankurbeln und eine drohende Deflation - eine Spirale aus fallenden Preisen, Investitionen und Konsumausgaben - abwenden. Der Euro rutschte weiter ab und fiel auf ein Sechs-Wochen-Tief von 1,1155 Dollar.

Unterstützt wurden die deutschen Kurse vom Umsatzanstieg der im deutschen Einzelhandel. Mit einem Zuwachs von 5,3 Prozent verbuchten die Einzelhändler das größte Plus seit fast fünf Jahren. Den starken Jahresauftakt verdankten die Unternehmen den gesunkenen Energiepreisen sowie der Einführung des Mindestlohns, erklärte BayernLB-Analyst Norbert Wuthe.

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ÜBERNAHME BEFLÜGELT HEIDELBERGER DRUCK

Im Dax führten mit den Titeln der Lufthansa einer der Verlierer der Vorwoche die Gewinnerliste mit einem Plus von zwei Prozent an. Ebenfalls zu den Favoriten zählten RWE. Der Energiekonzern will trotz wegbrechender Gewinne einem Insider zufolge die Dividende mit einem Euro je Aktie stabil halten. RWE gewannen 0,4 Prozent - in der vorigen Woche hatten sie schon sieben Prozent zugelegt. Merck stiegen um 1,6 Prozent. Der Pharma- und Chemiekonzern punktete mit seinen Geschäftszahlen. Schlusslicht waren die Aktien der Deutschen Telekom mit einem Abschlag von fast zwei Prozent.

Im TecDax katapultierte eine Studie der Berenberg Bank die Aktien der Software AG mit einem Kursplus von 4,5 Prozent an die Spitze. Der Spezialmaschinenbauer Manz profitierte von neuen Großaufträgen. Die Aktien legten 2,9 Prozent zu. Im SDax standen Heidelberger Druck nach der Übernahme des Zulieferers Printing Systems Group (PSG) mit einem Plus von 5,4 Prozent ganz oben.

In Paris schob Übernahmephantasie nach einem entsprechenden Analystenkommentar die Aktien des Stahlröhren-Herstellers Vallourec um über sechs Prozent an. Auch in Lissabon sorgten Fusionsspekulationen für Kursgewinne: Die Titel der Banco BPI und Banco Comercial Portugues stiegen um je bis zu über neun Prozent. Einem Medienbericht zufolge denkt die BPI-Großaktionärin und Milliardärin Isabel dos Santos über eine Fusion der beiden Institute nach, um eine Übernahme von BPI durch die spanische Caixabank abzuwehren. Deren Aktien rutschten um 0,4 Prozent ab.

Reuters