In der Hoffnung auf weitere Geldspritzen der großen Notenbank sind Anleger am Freitag wieder in die europäischen Aktienmärkte eingestiegen. Dax und EuroStoxx50 legten jeweils etwa zwei Prozent auf 8745 beziehungsweise 2934 Punkte zu und machten damit einen Großteil ihrer Verluste der vorangegangenen Tage wieder wett.

Angestoßen hatte die Spekulationen James Bullard. Der Chef der Federal Reserve Bank von St. Louis hatte am Vorabend eine Pause bei der Drosselung der Wertpapierkäufe durch die US-Notenbank ins Gespräch gebracht. "Dass heute auch der Chefvolkswirt der Bank of England davon sprach, dass die Zinsen in Großbritannien länger als erwartet niedrig bleiben könnten, deutet darauf hin, dass auch die internationalen Geldpolitiker die Marktturbulenzen beobachten und nun koordiniert verbal eingreifen", sagte Marktanalyst Andreas Paciorek vom Brokerhaus CMC Markets.

Aus Sicht seines Kollege Chris Weston von IG Markets werden diese Äußerungen die Kurse aber nur vorübergehend stabilisieren. "Wir brauchen eine längere Periode mit starken Konjunkturdaten aus den USA und vor allem aus Europa, damit sich die Märkte beruhigen."

Die Hoffnung auf Notenbank-Doping für die Weltwirtschaft spiegelte sich auch am Rohstoff-Markt wider. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,6 Prozent auf 86,31 Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem ihr Preis am Vortag auf ein Vier-Jahres-Tief von 82,60 Dollar gefallen war.

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GRIECHENLAND-ANLEGER SETZEN AUF EZB

Von der Europäische Zentralbank (EZB) erhofften sich Börsianer ebenfalls Unterstützung für die Börsen. "Der Kurssturz der südeuropäischen Anleihen in den vergangenen Tagen erhöht die Wahrscheinlichkeit von QE", sagte ein Bond-Händler. Mit QE oder Quantitative Easing bezeichnen Börsianer Wertpapierkäufe von Notenbanken, mit denen diese zusätzliches Geld in die Finanzmärkte pumpen, um der Konjunktur unter die Arme zu greifen.

Von diesen Spekulationen profitierten vor allem griechische Anleihen. Dadurch ging die Rendite der zehnjährigen Papiere auf 7,719 Prozent zurück. Am Vortag waren sie zeitweise auf mehr als neun Prozent gestiegen, weil es Spekulationen um vorgezogene Neuwahlen gab und viele Investoren den geplanten vorzeitigen Rückzug Griechenlands aus dem europäischen Rettungsprogramm skeptisch sehen.

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HOFFNUNG AUF ENTSPANNUNG IN DER UKRAINE-KRISE

Aufmerksam verfolgten Investoren außerdem die Gespräche zur Lösung der Ukraine-Krise am Rande des europäisch-asiatischen Gipfels in Mailand. Bundeskanzlerin Angela Merkel zufolge ist ein Durchbruch aber noch nicht in Sicht. Damit sinkt auch die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Lockerung der westlichen Sanktionen gegen Russland. Die Leitindizes der Moskauer Börse notierten dennoch jeweils mehr als zwei Prozent im Plus.

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AUTOWERTE AUF DER ÜBERHOLSPUR - ROLLS-ROYCE AUF TALFAHRT

Ermuntert von einem 6,4-prozentigen Anstieg der Neuzulassungen in der EU griffen Anleger bei Autobauern und ihren Zulieferern beherzt zu. Continental, Volkswagen, BMW und Daimler gehörten mit Kursgewinnen zwischen 1,8 und 3,8 Prozent zu den Favoriten im Dax. An der Pariser Börse rückten Peugeot, Renault und Michelin 2,5 bis 6,5 Prozent vor. In Mailand gewannen Fiat 3,2 Prozent und Pirelli 5,1 Prozent.

Gegen den europäischen Trend brachen Rolls-Royce um bis zu 16 Prozent ein und waren mit 787,5 Pence so billig wie zuletzt im September 2012. Der nach General Electric (GE) zweitgrößte Triebwerksbauer kassierte seine Prognose steigender Gewinne im kommenden Jahr.

Reuters