Gelassen präsentierte Vonovia-Chef Rolf Buch vor wenigen Tagen die Bilanz von Deutschlands größtem Wohnungsvermieter für das abgelaufene Geschäftsjahr. Die Zahlen seien "erfreulich, langweilig und gut", resümierte Buch. Erneut hat der DAX-Konzern seine Erträge aus Vermietung deutlich gesteigert. Die Bilanz liegt seit Jahren im Rahmen der Analystenprognosen. Das Portfolio mit mehr als 430.000 Wohnungen in Deutschland ist bundesweit diversifiziert. Nur rund ein Zehntel der Apartments sind in Berlin. Von dem Mietendeckel in der Hauptstadt ist Vonovia anders als die Berliner Konkurrenten Deutsche Wohnen und Ado Properties kaum betroffen. Wegen des "ausbalancierten" Portfolios sei man "unabhängig von regionalen Entwicklungen der Mietgesetzgebung", sagt Buch.

Mit Übernahmen in Österreich und in Schweden hat sich der DAX-Konzern aus Bochum inzwischen auch im europäischen Ausland eine ­signifikante Präsenz aufgebaut.

Favoriten in stürmischen Zeiten


An der Börse gehören große Wohnungsvermieter wie Vonovia, Deutsche Wohnen und LEG Immobilien zu einer kleinen Schar Favoriten, die sich während der Börsenturbulenzen wacker ­behaupten. DAX und MDAX haben seit dem 20. Februar über 30 Prozent eingebüßt. Bei Vonovia und Deutsche Wohnen sind es rund 15 Prozent.

Was Anleger weltweit nervös macht - die konjunkturellen Risiken durch die globale Ausbreitung des Coronavirus und jüngst auch der dramatische Absturz des Ölpreises -, ist für die Geschäftsmodelle dieser Unternehmen keine Belastung. Vor allem die Wohnimmobilienkonzerne können mit nachhaltigen Einnahmen kalkulieren. Und bei den Kosten für die Refinanzierung der erheblichen Kredite, auch ein wichtiger Faktor für Wertsteigerungen in der Immobilienbranche, sind die Konzerne auf der sicheren Seite. Denn die Zinsen dürften im aktuellen konjunkturellen Umfeld auf einem historisch niedrigen Niveau bleiben. Zudem können sich viele große Immobilienfirmen inzwischen auch über eigene Anleihen günstig refinanzieren.

Vonovia nutzt seine solide Bilanz, um seine Präsenz in Europa weiter auszubauen. Hierzulande sind größere Zukäufe aber vorerst nicht in Sicht, denn der deutsche Wohnungsmarkt bleibt kleinteilig strukturiert. Selbst Deutschlands Nummer 1 kommt auf bloß zwei Prozent des Marktes. "Wir schließen Akquisitionen in Deutschland nicht per se aus, aber wir sehen Chancen vor allem in Schweden", erklärte Buch.

In dem skandinavischen Land zählt Vonovia nach dem Kauf der Unternehmen Hemla und Victoria Park bereits zu den größten Wohnungsvermietern. Auch in Frankreich, wo die Bochumer seit 2017 mit der Groupe SNI kooperieren, würde Buch gern expandieren.

Beim Konkurrenten Deutsche Wohnen, mit fast 167.000 Apartments hierzulande die Nummer 2 in der Branche, bleibt der Fokus auf Deutschland und Berlin. Mit über 115.000 Wohneinheiten im Großraum Berlin ist der Konzern dort der größte private Vermieter. Damit belasten die Auswirkungen des ­Mietendeckels, der Mieterhöhungen für die nächsten fünf Jahre verbietet, den Konzern allerdings überdurchschnittlich stark.

Laut Deutsche Wohnen werde die Deckelung die Mittelzuflüsse den operativen Gewinn, verteilt auf fünf Jahre, schlimmstenfalls um insgesamt 330 Millionen Euro verringern, schätzt Finanzvorstand Philip Grosse. Dieses Risiko sei überschaubar. Für das vergangene Jahr erwartet der Konzern 535 Millionen Euro operativen Gewinn. Investitionen in den Neubau verlagert Deutsche Wohnen in Regionen außerhalb Berlins. Der Konzern hat das Geschäft um Seniorenheime erweitert und dürfte das Engagement in dieser langfristig aussichtsreichen Sparte ausbauen. Deutsche Wohnen kommt überdies auf die besten Bonitätsnoten in der Branche und kann sich günstiger als die Wettbewerber finanzieren. So gewinnt der Konzern auch bei Investoren nach und nach Vertrauen zurück.

Deutliche Turbulenzen im Zuge der Corona-Krise gibt es dagegen bei den Spezialisten für Büro- und Gewerbe­immobilien. Die Aktien stehen unter Druck, schließlich ist das Geschäft weitaus stärker konjunkturell getrieben. In einigen Segmenten, etwa in der Hotellerie, sind die Auswirkungen der Pandemie deutlich zu spüren.

Der Luxemburger Gewerbeimmobilienkonzern Aroundtown beispielsweise besitzt auch Hotels, unter anderem das Hilton am Berliner Gendarmenmarkt. Während der Börsenturbulenzen sackten die Papiere auf ein neues Jahrestief - obwohl das Unternehmen für 2021 als möglicher Kandidat für den DAX ­gehandelt wird.

Noch am 19. Februar hatte der Aktienkurs nach der erfolgreichen Fusion mit TLG zu Deutschlands größtem Verwalter von Gewerbeimmobilien ein neues Allzeithoch markiert. Gründer und Großaktionär Yakir Gabay, der nach eigenen Angaben 90 Prozent seines Vermögens in Aroundtown investiert hatte, nutzte die Fusion bereits, um seinen Anteil deutlich abzubauen. Er beabsichtige, sein Vermögen in andere Branchen wie Technologie oder Gesundheitswesen und in US-Immobilien zu diversifizieren, erklärte der Gründer jüngst in einem Interview. Dass Branchenkennner Gabay verkaufte, dürfte Akteure in der Branche und die anderen Aktionäre beunruhigt haben.

Lichtblick bei Gewerbeimmobilien


Dagegen erweist sich Wettbewerber DIC Asset als stabiles Investment. Der Frankfurter Verwalter von Büro- und Gewerbeimmobilien will den eigenen Bestand binnen fünf Jahren von 1,9 auf 3,5 Milliarden Euro hochfahren. "Das 2019 hierzulande deutlich erhöhte Transaktionsvolumen und der rück­läufige Anteil ausländischer Investoren spielen uns in die Hände", sagt Chefin Sonja Wärntges.

An der Börse in Fahrt gekommen ist DIC, seit der Wert des übernommenen Immobilien- und Investmentmanagers German Estate Group (GEG) sichtbar wird. So haben die Hessen im institu­tionellen Geschäft stark zugelegt. Hier geht es um Immobilien im Besitz von Investoren, die von DIC verwaltet werden. Mit GEG hat der Konzern das in dieser Sparte verwaltete Vermögen um knapp die Hälfte auf 5,7 Milliarden Euro ge­steigert. In diesem Geschäft spielen die Hessen dank der Übernahme gleich eine ganze Liga höher.

Investor-Info

Vonovia
Expansion in Europa


Mit 484 363 Einheiten, 431 000 davon in Deutschland, ist Vonovia auch in Europa einer der größten Wohnimmobilienbesitzer. Der operative Gewinn, die sogenannten Funds from Operations (FFO), stieg 2019 um acht Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Dividende soll um 13 Cent auf 1,57 Euro je Aktie zulegen. Für 2020 stellt der Konzern 1,28 bis 1,33 Milliarden Euro Gewinn in Aussicht, ein Plus von mindestens fünf Prozent. Zukäufe bleiben auf der Agenda. Langfristig aussichtsreich.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 57,00 Euro
Stoppkurs: 36,00 Euro

Deutsche Wohnen
Fokus auf Deutschland


Am 25. März legt Deutschlands Nummer 2 die Bilanz für 2019 vor. Laut Prognose soll der operative Gewinn des Wohnimmo-Riesen bei 535 Millionen Euro liegen, knapp zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Vom Berliner Mietendeckel sind knapp 70 Prozent des Portfolios betroffen. Bis 15. November läuft ein großes Aktienrückkaufprogramm. Das stützt den Kurs. Langfristig aussichtsreich.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 40,00 Euro
Stoppkurs: 25,00 Euro

DIC Asset
Geschäftsmodell erweitert


Für 2020 stellt der Verwalter von Büro- und Gewerbeimmobilien rund zehn Prozent mehr operativen Gewinn in Aussicht, insgesamt 104 bis 106 Millionen Euro. 2019 bauten die Frankfurter ihr institutionelles Geschäft deutlich aus. Das sind Immobilien im Besitz von ­Investoren, die von DIC verwaltet werden. Die Einnahmen aus diesem Geschäft sollen 2020 um 43 Prozent auf 85 bis 95 Millionen Euro steigen. Hohe Dividendenrendite.

Empfehlung: Kaufen
Kursziel: 16,00 Euro
Stoppkurs: 9,00 Euro