Von Reuters befragte Experten hatten lediglich einen Wert von 5,4 Prozent auf dem Zettel - nach 5,1 Prozent im Januar. Die Inflationsrate schießt immer weiter über die Zielmarke der EZB von 2,0 Prozent hinaus, die nächste Woche zu ihrer Zinssitzung zusammentritt.

EZB-Vizechef Luis De Guindos nannte die frischen Preisdaten eine "negative Überraschung". Als Folge des Ukraine-Krieges sei zu erwarten, dass das Wachstum der Wirtschaft im Euroraum niedriger ausfallen und auch die Preisentwicklung davon beeinflusst werde. "Der für die Zukunft bedeutendste Effekt ist die große Bedeutung Russlands für die Energiepreise", fügte der Spanier hinzu.

Die Europäische Zentralbank (EZB) gerät bereits jetzt wegen der rasant steigenden Preise unter Druck, ihren noch immer lockeren Kurs zu straffen. Zugleich läuft sie wegen der nicht absehbaren Folgen des Ukraine-Krieges Gefahr, bei einer zu frühen Kehrtwende den Aufschwung abzuwürgen. Stärkster Preistreiber im Februar war Energie mit einem Anstieg von 31,7 Prozent. "Der Ukraine-Krieg hat den Inflationsanstieg weiter angefacht. Wegen der durch die Decke gehenden Energiepreise wird die Inflationsrate schon ab März über sechs Prozent liegen", prophezeite Chefökonom Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe.

"DER PREIS, DEN WIR ALLE ZAHLEN"


Bundesfinanzminister Christian Lindner dämpfte unterdessen Erwartungen, wonach der Staat alle Folgekosten des Ukrainekriegs auffangen werde. "Nicht alle negativen Folgen, etwa steigende Energiepreise, wird der Staat ausgleichen können. Das ist dann gewissermaßen der Preis, den wir alle zahlen", sagte der FDP-Chef dem TV Sender Welt. "Aber wir tun alles, was in unsrer Macht steht, um die Durchhaltefähigkeit zu erhöhen und die negativen Auswirkungen auf uns zu reduzieren", fügte er hinzu.

Auch in Deutschland war die Inflation laut dem Statistischen Bundesamt mit einem Wert von 5,1 Prozent im Februar auf dem Vormarsch. Gemäß dem für den europäischen Vergleich berechneten Wert (HVPI) waren es sogar 5,5 Prozent. Die Fachleute der Bundesbank gehen mittlerweile davon aus, dass auch bei der Teuerungsrate für 2022 eine Fünf vor dem Komma stehen wird. Die Auswirkungen des Krieges auf die deutsche Wirtschaft ließen sich zwar noch nicht verlässlich abschätzen. Angesichts des anhaltenden Preisauftriebs müsse die EZB die Normalisierung der Geldpolitik aber im Blick behalten, mahnte Bundesbankchef Joachim Nagel.

KfW-Chefökonomin Fritzi Köhler-Geib erwartet, dass der Konflikt weiter auf die Teuerung durchschlägt: "Der russische Angriffskrieg dürfte die Entwicklung des Gas- und Rohölpreise auch in den kommenden Monaten bestimmen und einem graduellen Rückgang der Energiepreise entgegenwirken." Mit Blick auf die veränderten Rahmenbedingen dürfte die EZB ihrer Ansicht nach kommende Woche ihren bisherigen Kurs weiter verfolgen, sich mit ruhiger Hand weiter Optionen offen zu lassen: "An ihrer Ausstiegsperspektive aus der expansiven Geldpolitik, vor allem eines Zurückfahrens des Anleihekaufprogramms in diesem Jahr und darauf aufbauenden Kommunikation zur Zinswende dürfte es aber nur graduelle Änderungen geben."

rtr