Das Unternehmen stellte 2022 mit einer Dividendensumme von 1,1 Milliarden Euro einen deutschen Rekord auf. Doch mittlerweile ist die Aktie nur noch ein Schatten von früher. Zeit, jetzt wieder einzusteigen?

Die Reederei Hapag-Lloyd hat im April 2023 einen Rekord für die Ewigkeit aufgestellt: 11,1 Milliarden Euro Dividende schüttete der Logistiker damals an seine Aktionäre aus, 63 Euro pro Aktie waren damals doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Grund: Im Geschäftsjahr 2022, dem ersten nach der Corona-Pandemie, waren die Frachtraten weltweit durch die Decke geschossen, was Hapag-Lloyd einen Gewinn von 15,5 Milliarden Euro beschert hatte. Folgerichtig markierte die Aktie am 17. Mai 2022 bei 457,80 Euro ein Allzeithoch, auch vor dem Ausschüttungstermin im April 2023 stand sie noch bei fast 360 Euro.


Hapag-Lloyd (WKN: HLAG47)

Die Gründe für den Kurssturz

Drei Jahre später sind die glorreichen Zeiten vorbei: Der Zollstreit mit den USA setzt dem Welthandel zu, die militärischen Spannungen rund ums Rote Meer zwingen die Schiffahrtsbranche zu großen Umwegen, was die Kosten erhöht. Und die Frachtraten sind im Jahresschnitt, mangels Auslastung, gesunken.

All das führte dazu, dass eine Hapag-Lloyd-Aktie derzeit nur noch knapp 120 Euro wert ist, Mitte November markierte sie bei 108,30 Euro sogar ein Mehrjahres-Tief. Das KGV steht bei scheinbar günstigen fünf – allerdings sagen manche Analysten für das kommende Jahr sogar Verluste voraus. Mittlerweile haben sich auch die letzten von ihnen von der Aktie verabschiedet: Kein einziger der acht Analysten, die die Hapag-Lloyd-Aktie noch beobachten, rät zum Kauf; das durchschnittliche Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei 100 Euro.


War’s das jetzt?

Sollte man als Anleger die Logistikbranche in Zeiten von weltweiten Zoll- und Handelsstreitigkeiten generell meiden? Nicht unbedingt. Der Konkurrent Kühne+Nagel etwa, der mehr zu Land als auf dem Waser unterwegs ist, wurde vergangene Woche von Goldman Sachs gleich um zwei Stufen nach oben gesetzt: von Verkaufen auf Kaufen. Die Begründung: Die Analysten rechnen mit einer Belebung des Handels aus China heraus, was für Wachstum bei den Transportvolumina sorgen werde, auch wenn der negative Einfluss zunehmender Handelsbarrieren weltweit die Frachtströme immer noch bremst. Außerdem haben Reedereien wie Maersk angekündigt, ihre Routen durch das Rote Meer wieder aufnehmen zu wollen, seit sich dort der Konflikt zwischen Isreal und dem Iran und die Angriffe der Huthis auf Schiffe abgeschwächt haben. Das senkt die Kosten dun erhöht die Margen in der Logistik. Und schließlich sei die Logistikbranche eine der ersten, die von Produktivitätsgewinnen durch den Einsatz von KI profitierten werde, glauben die Goldmänner.

All das könnte im Grunde auch auf Hapag-Lloyd zutreffen. Allerdings beließ Goldman Sachs sein Rating für die Hamburger auf „sell“, der Containerschiff-Riese Maersk wurde sogar auf „sell“ herabgestuf.


Hochspekulatives Investment mit passabler Dividendenrendite

Das heißt: Ein Investment in Hapag-Lloyd wäre zum jetzigen Zeitpunkt hochspekulativ. Auch wenn die Dividendenrendite passabel wäre: Sie liegt, auf Basis einer von BÖRSE ONLINE erwarteten Dividende von drei Euro je Aktie, bei 2,5 Prozent. Damit ist der Kurs nach unten zumindest ein bisschen abgesichert.

Ein kleines Fünkchen Hoffnung gibt es dennoch: Der wichtige Baltic Dry Index, der das Preisniveau der Frachtraten misst, hat in dieser Woche, nach vier Wochen Talfahrt seit Weihnachten, wieder um fünf Prozent zugelegt. Mit 1650 Dollar stand er am 20. Januar fast doppelt so hoch wie im Januar 2025. Damals wurde das aktuelle Niveau erst im März erreicht. Es ist wie gesagt nur ein Funke– aber womöglich sollte man den als spekulativer Anleger jetzt gut beobachten.

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