INTERVIEW

IVU-Chef Müller-Elschner: Wir haben unser Risikomanagement verbessert

IVU-Chef Müller-Elschner: Wir haben unser Risikomanagement verbessert
11.11.2016 11:13:04

Mit einer Gewinnwarnung und einem Wechsel im Vorstand überraschte das Unternehmen IVU Traffic Technologies zuletzt seine Aktionäre. Während die auf IT-Lösungen für Verkehr und Logistik spezialisierten Berliner im laufenden Geschäftsjahr das Umsatzziel von 55 Millionen Euro wahrscheinlich deutlich übertreffen werden, wird das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) aufgrund von Wertberichtigungen auf zwei Projekte in Israel nur noch bei rund einer Million Euro erwartet. Von Lars Winter



"Wir haben aus dem Fall Israel bereits unsere Schlüsse gezogen und das Risikomanagement intensiviert. IVU ist insgesamt weiterhin sehr erfolgreich und profitabel", stellt IVU-Vorstandsvorsitzender Martin Müller-Elschner im Interview mit BÖRSE ONLINE klar. Aus seiner Sicht ist die IVU-Aktie aktuell unterbewertet und "spiegelt nicht den wahren Unternehmenswert wider und schon gar nicht unsere guten Perspektiven".



Herr Müller-Elschner, im laufenden Geschäftsjahr wird das Ergebnis von IVU Traffic Technologies durch negative Sondereffekte belastet. In welcher Höhe erwarten Sie konkret Wertberichtigungen und worauf sind diese zurückzuführen? Martin Müller-Elschner: Wir hätten das dritte Quartal gerne mit einer besseren Botschaft an unsere Aktionäre beendet, aber bei zwei Projekten in Israel müssen wir leider Wertberichtigungen vornehmen, die das Jahresergebnis belasten werden. Ein Projekt, das wir fest eingeplant hatten, wurde überraschend storniert. In einem weiteren, bereits laufenden Projekt hat der Kunde den Vertrag einseitig gekündigt - aus unserer Sicht völlig unbegründet, weshalb wir auch rechtliche Schritte einleiten werden.


Großprojekte weisen in der Regel besondere Herausforderungen bei der Planung auf. Haben Sie die damit einhergehenden Risiken unterschätzt? Risiken sind Teil des Geschäfts. Um auch in Zukunft Erfolg zu haben und uns neue Märkte zu erschließen, müssen wir zwangsläufig Risiken eingehen. Unser unternehmerischer Anspruch ist es, solide und sicher zu arbeiten und zu wirtschaften. Wenn wir ein Projekt planen, prüfen wir die damit verbundenen Risiken selbstverständlich genau und nehmen sie in den Risikobericht mit auf. Aber eine hundertprozentige Sicherheit wird man nie erreichen können.

Welche Maßnahmen planen Sie, um bei der internationalen Expansion zukünftig ähnliche Wertberichtigungen nach Möglichkeit zu vermeiden? Werden Sie sich auch aus einzelnen Märkten zurückziehen?

Wir haben aus dem Fall Israel bereits unsere Schlüsse gezogen und das Risikomanagement intensiviert, um die besonderen Risiken des Exportgeschäfts schon in der Angebotsphase stärker zu gewichten und in der Projektabwicklung strenger zu überwachen. Ein vollständiger Rückzug aus einzelnen Märkten ist zurzeit nicht geplant, wir werden uns aber bei der Auftragsakquise und Angebotsabgabe künftig auf verlässliche und margenstarke Länder konzentrieren.

Ihr bisheriger Vorstandskollege, Herr Dr. Bergstein, hat zum 31. Oktober 2016 sein Amt niedergelegt. Was bedeutet dies für die künftige Aufgabenverteilung im Vorstand?

Mit der neuen Verteilung der Zuständigkeiten stellen wir das operative Geschäft neu auf. Neben meinen Aufgaben als Vorstandsvorsitzender übernehme ich zusätzlich die Verantwortung für die Finanzen und die Geschäftsentwicklung. Mein Kollege Matthias Rust wird sich dadurch als COO (Anm. d. Red.: Chief Operating Officer, ein Manager, der das operative Geschäft leitet) voll auf die Steuerung der Produktentwicklung und Projektdurchführung im Konzern und den verschiedenen Standorten konzentrieren können.

Auf Umsatzseite werden Sie im laufenden Geschäftsjahr die Zielmarke von 55 Millionen Euro voraussichtlich deutlich übertreffen. In welchen Bereichen bzw. Märkten läuft es besser als erwartet?

Unser Geschäft mit den Eisenbahnen hat sich im vergangenen Jahr äußerst positiv entwickelt. Unser Standardsystem IVU.rail beispielsweise optimiert den Ressourceneinsatz von Fahrern und Fahrzeugen, den wichtigsten Kostenfaktoren eines Verkehrsunternehmens. Das kommt überall gut an und wir konnten allein in den letzten Wochen wichtige Verträge abschließen, darunter die schwedische Staatsbahn SJ und das zweitgrößte Schweizer Bahnunternehmen BLS.

Ab 2017 wollen Sie zum Margenniveau der Vorjahre zurückkehren. Wie wollen Sie dies erreichen und mit welchen Erwartungen blicken Sie generell auf die kommenden Jahre?

Das diesjährige Ergebnis wird durch Sondereffekte belastet, die damit aber auch erledigt sind. Allerdings ist das Projektgeschäft vor allem international immer mit Risiken verbunden, wir werden in Zukunft aber noch mehr dafür tun, diese Risiken zu beherrschen und die finanziellen Auswirkungen zu minimieren. IVU ist insgesamt weiterhin sehr erfolgreich und profitabel. Die Nachfrage nach unseren Standardprodukten für Verkehrsbetriebe ist weltweit groß. Unsere Kunden bedienen die Megatrends Mobilität und Urbanisierung und wir helfen ihnen mit unseren IT-Lösungen dabei, die Chancen der Digitalisierung für sich zu nutzen. Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung auch in den kommenden Jahren fortsetzt und für positive Ergebnisse und weiteres Wachstum sorgen wird.

Bedeutet der aktuelle Gewinneinbruch im Geschäftsjahr 2016 auch, dass Ihre Aktionäre erneut auf eine Dividendenzahlung verzichten müssen?

Leider ist eine Dividende für 2016 voraussichtlich nicht möglich. Unser Ziel bleibt es aber, die langfristige Bindung unserer Aktionäre an die IVU zu fördern und diese an den Erfolgen des Unternehmens zu beteiligen.

Das Vertrauen der Aktionäre hat zuletzt gelitten, wie auch ein Blick auf den Aktienkursverlauf zeigt. Wie wollen Sie dem in den kommenden Monaten entgegenwirken?

Ich bin davon überzeugt, dass gute Geschäftszahlen die beste Werbung für eine Aktie sind. Wir sind komplett schuldenfrei, haben Jahr für Jahr den Umsatz kontinuierlich gesteigert und der Gewinn ist dabei überproportional gewachsen. Aus unserer Sicht ist die Aktie aktuell unterbewertet und spiegelt nicht den wahren Unternehmenswert wider und schon gar nicht unsere guten Perspektiven. Wir sind zuversichtlich, dass der Markt dies bald wieder honorieren wird.


Bildquelle: Plainpicture/IVU

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