Der weltgrößte Schokoladenhersteller Barry Callebaut hat seine Gewinnprognose deutlich gesenkt. Grund sind fallende Kakaopreise, zu viele Anbieter im Markt – und Risiken durch den Iran-Krieg. Die Aktie verliert zweistellig ab.

Der Süßwarenhersteller Barry Callebaut hat am Donnerstag die Erwartungen an das laufende Geschäftsjahr deutlich gesenkt. Der Konzern rechnet nun damit, dass das operative Ergebnis (Gewinn vor Zinsen und Steuern) um einen mittleren zweistelligen Prozentsatz zurückgeht. Noch vor drei Monaten klang das Management wesentlich optimistischer. Damals stellten die Schweizer eine Rückkehr zu Wachstum in Aussicht.

An der Börse kam die korrigierte Prognose schlecht an: Die Aktie verlor zeitweise bis zu 17 Prozent und lag am frühen Nachmittag in London noch rund 15,8 Prozent im Minus.

Barry Callebaut AG (WKN: A2P8JT)

Kakaopreis fällt – aber das hilft erstmal nicht

Im ersten Halbjahr sind die Kakaobohnenpreise nach Angaben des Unternehmens gefallen, weil die Kakaoernten bislang besser ausfallen als im Vorjahr. Eigentlich ist das erst einmal eine gute Nachricht für die Schokoladenbranche, denn niedrigere Kakaopreise könnten die Nachfrage wieder beleben und hätten zu einem starken Cashflow-Zufluss geführt, sagte CEO Hein Schumacher, der das Amt Ende Januar übernommen hat.

Doch genau hier liegt auch der Haken: Laut Schumacher verlief der Preisrückgang ungewöhnlich schnell. Gleichzeitig trifft Barry Callebaut auf einen Markt mit Überkapazitäten, also zu viel Angebot. Dazu kommen rückläufige Absatzmengen und mögliche Störungen in den Lieferketten durch den Iran-Krieg. Unter dem Strich drückt all das auf die Marge – und damit auf das operative Ergebnis.

Das Beispiel zeigt: Rohstoffe sind nicht nur „Kosten“. Schnelle Preisbewegungen können auch Verträge, Lagerbestände und Verkaufspreise durcheinanderbringen. Wenn der Rohstoff billiger wird, müssen Hersteller oft schneller mit ihren Preisen nachgeben, während Kosten und Prozesse nicht im gleichen Tempo nachziehen.

Höhere Transportkosten durch den Iran-Krieg

Nach eigenen Angaben leidet auch Barry Callebaut unter Lieferproblemen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Die Schließung der Straße von Hormus habe zu höheren Transportkosten und Logistik-Engpässen geführt – auch im Kakaomarkt. Das treibt die Kosten. Aber die politische Lage kann jederzeit wieder für neue Störungen sorgen.

Unterdessen verlaufen die Preisentwicklungen beim Kakao extrem: Der Preis fiel zuletzt auf rund 3.537,28 US-Dollar je Tonne. Das seien rund 41,6 Prozent weniger als zu Jahresbeginn,zitiert CNBC Zahlen von Trading Economics. Auf Sicht von zwölf Monaten beträgt das Minus sogar 57,6 Prozent.

Hier parken Sie Ihr Geld zu bis zu 3,4 Prozent Zinsen

Die aktuellen Top-Konditione finden Sie im Tagesgeld-Vergleich von BÖRSE ONLINE

Weiterführende Links