Diese Aktie befindet sich gerade in der Abwärtsbewegung, doch künstliche Intelligenz könnte jetzt für die Trendwende sorgen. Für Anleger winkt hohes Potenzial.

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Der Lohnsteuerausgleich ist damit im Handumdrehen erledigt: Die Cloud-­Software Steuertipps von Wolters Kluwer dürfte vielen geläufig sein. Privatkunden nutzen das Expertenwissen der Niederländer im Jahresabo via Freischaltcode, Unternehmen buchen größere Pakete für ihre Bilanzen und die Einhaltung der verschiedenen gesetzlichen Vorgaben in ihrer Branche.

Steuern & Bilanzen (Tax & ­Accounting) ist mit rund 1,7 Milliarden Euro und damit 27 Prozent der Gesamterlöse die größte Sparte. Die weiteren Spezialisierungen Financial & Corporate Compliance ­sowie Legal & Regulatory mit jeweils gut 1,2 beziehungsweise einer Milliarde Euro Erlös sind etwas kleiner. Weltweit haben mehr als zwei Millionen Ärzte und Fachpersonal in Kliniken und Praxen Wolter Kluwers Uptodate-Plattform abonniert. So bleiben sie bei Arzneien, Therapien, Wirkstoffen und Regularien in mehr als 20 Fachgebieten auf dem aktuellen Stand. Mit knapp 1,6 Milliarden Euro ist Health die zweitgrößte Sparte der Niederländer.

Mit dem über Jahrzehnte angesammelten Spezialwissen hat sich Wolters Kluwer einen Wettbewerbsvorteil aufgebaut, den kleinere Rivalen in einem Markt mit hohen Eintrittsbarrieren kaum überwinden können — ein Burggraben im Jargon der Wall Street. Abos liefern 83 Prozent der Erlöse, jene via Cloud inzwischen etwas mehr als ein Fünftel. Mit dem hohen Anteil dieser wiederkehrenden Erlöse lässt sich die mittelfristige Geschäftsentwicklung gut prognostizieren. Den Umzug seiner Software in die Cloud hat der Informationsdienstleister, der 1987 aus der Fusion von Kluwer Publishers und Wolters-Samson entstanden ist, bewältigt.

Nun muss das Unternehmen aus Alphen aan den Rijn in der Provinz Südholland die Ära künstlicher Intelligenz (KI) meistern. Mit der Sorge vieler Investoren, dass die Entwickler großer ­KI-Sprachmodelle, bei Unternehmenssoftware vor allem Anthropics KI-Programmier-Assistent Claude Code, die Geschäftsmodelle aller Firmen im Softwaremarkt verändern wird, ist auch Wolter Kluwers Börsenwert stark unter die Räder gekommen. Das Kurstief scheint nun überwunden. Die Aktie zieht moderat an: Mit dem 10,5-Fachen des operativen Gewinns für 2027 ist der Wachstumstitel fast so günstig wie 1990. Auf der Hauptversammlung am 21. Mai wird ­Stacey

Caywood den Chefposten von ­Nancy McKinstry übernehmen. Für mehr KI sollen zwölf bis 13 Prozent des Umsatzes in Produktentwicklung fließen. Kunden nutzen bereits die Technologie der Niederländer. Analysten erwarten, dass Wolters Kluwer mit seinem Spezialwissen gegen Anthropic und Co bestehen kann und deren Technologie als Werkzeug für höhere Margen nutzen wird. 2026 soll mit fünf Prozent mehr Umsatz auch die ­Ebit-Marge, zuletzt 27,5 Prozent, weiter zulegen.

Fazit

Trotz des Burggrabens ist noch nicht absehbar, wie KI Wolters Kluwers Geschäft verändern wird. Die Niederländer gelten jedoch als Gewinner mit KI. Die Aktie ist historisch günstig.

Dieser Artikel erschien initial im BÖRSE ONLINE-Heft. Weitere spannende Empfehlungen dieser Art gibt es hier.

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