Dass sowohl der S&P-500- als auch die beiden US-Technologiewerte Nasdaq-100 und Nasdaq-Composite am 1. Mai neue Allzeithochs markiert haben, war angesichts der Nachrichtenlage nicht zu erwarten. Eine Kennzahl liefert nun ein klares Warnsignal.

Nach der starken Rally der vergangenen Jahre mehren sich die Stimmen, die vor einer möglichen Überbewertung warnen. Kein Wunder, schließlich hat sich allein der Nasdaq-100-Index in den vergangenen zehn Jahren mehr als versechsfacht. Ein Blick auf eine der bekanntesten Bewertungskennzahlen für die Preiswürdigkeit börsennotierter Unternehmen liefert dafür interessante Hinweise: das sogenannte CAPE-Ratio.

Was das CAPE-Ratio wirklich aussagt

Das CAPE-Ratio, entwickelt von dem Ökonomen Robert Shiller, steht für „Cyclically Adjusted Price-to-Earnings Ratio“. Im Gegensatz zum klassischen Kurs-Gewinn-Verhältnis berücksichtigt es die durchschnittlichen inflationsbereinigten Unternehmensgewinne der vergangenen zehn Jahre. Dadurch soll es kurzfristige Schwankungen glätten und ein realistischeres Bild der Marktbewertung liefern. Für langfristig orientierte Anleger ist diese Kennzahl daher besonders relevant.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, warum das CAPE-Ratio derzeit für Aufmerksamkeit sorgt. Seit dem Jahr 1871 lag diese Kennzahl nur sechsmal über dem Wert von 24 – ein Niveau, das allgemein als hoch gilt. Die entsprechenden Zeitpunkte sind bemerkenswert: 1901 vor der damaligen Finanzpanik, Ende der 1920er Jahre vor der Weltwirtschaftskrise, 1966 vor der Stagflation, Ende der 1990er Jahre vor dem Platzen der Dotcom-Blase, Ende der 2000er Jahre vor der Finanzkrise – und heute.

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Historische Warnsignale und was sie bedeuten

Aktuell liegt das CAPE-Ratio bei 40,7 (Stand: 25.04.26) und damit auf einem Niveau, das historisch gesehen extrem selten ist. Ein so hoher Wert deutet darauf hin, dass Aktien im Verhältnis zu ihren langfristigen Gewinnen überbewertet sind. Für viele Experten stellt dies ein klares Warnsignal dar. Denn in der Vergangenheit folgten auf solche Phasen häufig deutliche Kursrückgänge oder längere Seitwärtsbewegungen.

Heißt das nun, dass ein Börsencrash unmittelbar bevorsteht? Nicht unbedingt. Historische Daten zeigen zwar eine starke Korrelation zwischen hohen CAPE-Werten und schwächeren Renditen in den darauffolgenden Jahren. Allerdings kann es durchaus längere Zeit dauern, bis sich eine Überbewertung tatsächlich abbaut. So überschritt das CAPE-Ratio bereits Mitte der 1990er Jahre kritische Werte, während der Markt erst einige Jahre später deutlich korrigierte.

Zudem gibt es auch Argumente, die gegen einen sofortigen Einbruch sprechen. Die anhaltend hohe Bedeutung großer Technologieunternehmen, starke Kapitalzuflüsse durch passive Anlageformen und strukturelle Veränderungen im globalen Finanzsystem stützen die Märkte weiterhin. Auch die Geldpolitik und Inflation spielen eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Aktien.

Für Privatanleger bedeutet das: Wachsam bleiben, aber nicht in Panik verfallen. Ein hoher CAPE-Wert ist ein Indiz für einen möglicherweise überbewerteten Markt, jedoch kein verlässlicher Zeitpunktindikator für einen Crash. Statt hektischer Verkäufe kann es sinnvoller sein, das Portfolio zu überprüfen, Risiken zu streuen und verstärkt auf fundamentale Qualität und Solidität zu achten.

Fazit: Am Ende gilt eine alte Börsenweisheit mehr denn je – Vorsicht war schon immer die Mutter der Porzellankiste.

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