Ende April war es so weit: Erstmals seit zehn Jahren knackte der Kupferpreis die Marke von 10 000 US-Dollar je Tonne und spiegelt die sich deutlich aufhellenden Perspektiven der Weltwirtschaft wider. China präsentiert sich schon seit vielen Monaten wieder äußerst stark, für die USA erwarten Volkswirte ein Wirtschaftswachstum zwischen sechs und sieben Prozent in diesem Jahr.

Und selbst in Europa zeichnet sich mit dem an Fahrt gewinnenden Impfprogramm eine spürbare Konjunkturerholung ab. Während die Nachfrage nach Kupfer damit wieder steigt, hat der Markt auf der Angebotsseite mit Engpässen zu kämpfen. Noch immer leiden Minenproduktion und Transportwege unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Zusätzlich verschärft wird die Situation derzeit durch einen Streik der Hafenarbeiter in Chile, wo rund ein Viertel der globalen Kupferproduktion verschifft wird.

Doch nicht etwa nur ein Wiedererwachen der Weltwirtschaft treibt die Nachfrage an, sondern mit dem Klimawandel auch eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Auf dem Weg zur Einhaltung der Pariser Klimaziele hat Kupfer als kostengünstigstes leitfähiges Material eine entscheidende Bedeutung.

Experten gehen davon aus, dass allein die "grüne" Nachfrage bis Mitte des Jahrzehnts so groß sein wird wie die zusätzliche Nachfrage durch das chinesische Wirtschaftswachstum in den 2000er-Jahren. Stehen grüne Technologien heute noch für drei Prozent der globalen Kupfernachfrage, so dürfte sich der Anteil bis zum Jahr 2025 auf neun Prozent verdreifachen und 2030 gar 16 Prozent ausmachen. Damit steht die globale Kupfernachfrage vor der stärksten Phase des Volumenwachstums in der Geschichte.

Investitionsstau rächt sich

Doch auf einen solchen Nachfrageboom scheint der Kupfermarkt noch nicht vorbereitet. Ein für lange Zeit niedriger Kupferpreis und Zurückhaltung bei den Genehmigungen neuer Projekte haben die Investitionen in künftiges Angebotswachstum in den zurückliegenden Jahren stark eingeschränkt. Das dürfte sich bei Kupfer nun genauso rächen wie beim Ölpreis während des Rohstoffbooms zu Beginn des Jahrtausends, als sich der Barrelpreis zwischen 2000 und 2008 von 30 auf 150 US-Dollar zeitweise verfünffacht hatte. Kupfer gilt ohnehin als Rohstoff, der sich in langfristigen Zyklen bewegt. Es braucht etwa zwei bis drei Jahre, um die Kapazität einer Mine auszuweiten und durchschnittlich acht Jahre, um ein neues Kupferprojekt in Produktion zu führen.

Umso mehr Beachtung finden deshalb die wenigen großen Kupferprojekte in der Entwicklung. Zur Oyu-Tolgoi-Mine in der Mongolei gehören gleich fünf bekannte Lagerstätten, die eine Produktion über einen Zeitraum von rund 100 Jahren ermöglichen würden. 2013 wurde die Produktion im Tagebaubetrieb aufgenommen, doch erst der Ausbau zur Untertagemine zeigt die Dimensionen, um die es bei dem Projekt geht, an dem das kanadische Unternehmen Turquoise Hill einen Anteil von 66 Prozent hält: 550 000 Tonnen Kupfer und 450 000 Unzen Gold pro Jahr sollen nach Erreichen der Kapazitätsgrenze ab 2025 jährlich aus dem Boden geholt werden. Damit würde die Oyu-Tolgoi-Mine nicht nur zu den vier größten Kupferminen der Welt zählen, sondern im Branchenvergleich auch mit die niedrigsten Produktionskosten ausweisen. Insgesamt fehlt es jedoch an neuen Projekten, die die sich abzeichnende Nachfrage auffangen können. Goldman Sachs erwartet schon für dieses und das kommende Jahr eine Angebotslücke, spätestens ab Mitte des Jahrzehnts dann sogar ein strukturelles Defizit im Kupfermarkt.

Dabei könnte das langfristige Defizit per 2030 mit 8,2 Millionen Tonnen doppelt so groß sein wie die Lücke, die Anfang der 2000er-Jahre den Bullenmarkt für Kupfer auslöste. Die US-Investmentbank rechnet deshalb mit einer Fortsetzung der Kupferrally, die den Preis je Tonne in den kommenden vier Jahren auf 15 000 US-Dollar treiben dürfte. Wer ein Investment in Einzelaktien scheut, greift zum WisdomTree Copper ETF (WKN: A0K RJU) und partizipiert so an der Entwicklung.

Glänzende Aussichten bestehen auch für Kupferproduzenten wie Antofagasta. Das Unternehmen mit operativen Assets in Chile dürfte im Gesamtjahr zwischen 730 000 und 760 000 Tonnen Kupfer produzieren und seinen Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr etwa verdreifachen. Im Branchenvergleich gilt die Aktie nicht unbedingt als Schnäppchen, punktet dafür aber im Vergleich zu vielen Konkurrenten mit einer sauberen Bilanz und einem geringen politischen Risiko der Projekte.

Mit einer Jahresproduktion von knapp 90 000 Tonnen deutlich kleiner ist Capstone Mining. Operativ konnte die Gesellschaft die Erwartungen zuletzt deutlich übertreffen, was sich im Aktienkurs widerspiegelt: Im Corona-Crash wurde die Aktie zeitweise auf 0,35 kanadische Dollar zurückgeworfen, seither hat sich der Kurs auf mehr als fünf kanadische Dollar vervielfacht. Ähnlich steile Aktiencharts weisen auch viele der anderen Kupfertitel aus, weshalb Anleger Kursrücksetzer einkalkulieren sollten. Werden Analysten-Kursziele bei Kupfer in den kommenden Jahren auch nur ansatzweise erreicht, dürfte die Neubewertung der Aktien noch lange nicht am Ende sein. sven heckle

 


Auf einen Blick

Kupfer

Die anziehende Nachfrage aufgrund der sich erholenden Weltwirtschaft trifft auf ein knapper werdendes Angebot. Besonders der Nachhaltigkeitsboom dürfte die Nachfrage in den kommenden Jahren weiter ansteigen lassen und damit den Preis verteuern.