Spekulationen auf seinen Sieg haben den Dax in den vergangenen Tagen auf ein Rekordhoch von 12.648,22 Punkten gehievt. Der Pariser Auswahlindex CAC40 notierte mit 5372,42 Zählern zeitweise so hoch wie zuletzt vor knapp neuneinhalb Jahren.

Es folgt ein Überblick über die möglichen Auswirkungen der Wahl auf die Aktien-, Anleihen- und Devisenmärkte:

MACRON SIEGT



Macron will die Wirtschaft Frankreichs umbauen. So sollen etwa die Unternehmenssteuern sinken, der Arbeitsmarkt reformiert werden und Investitionen in erneuerbare Energien, Infrastruktur und ins Gesundheitswesen steigen. "Bei einem Wahlsieg Macrons sehen wir für europäische Aktien ein Aufwärtspotenzial von etwa zwei bis drei Prozent", sagt Suneil Mahindru, Chef-Anleger für internationale Aktien bei Goldman Sachs Asset Management. Zu den Hauptprofiteuren gehören auch Banken. Sie standen in den vergangenen Monaten aus Sorge vor einer Bankenkrise in Folge eines Siegs von Le Pen und eines möglichen Austritts Frankreichs aus der EU besonders unter Druck. Den Analysten der VP Bank zufolge hat der CAC40 aber kaum noch Luft nach oben. Macrons Erfolg in der ersten Wahlrunde hatte ihm ebenso wie dem Dax bereits kräftigen Auftrieb gegeben.

Auch für den Euro sei die Luft bereits dünn, sagt Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. "Der Euro hat seine Gewinne seither gehalten, das deutet darauf hin, dass ein Sieg Macrons bereits eingepreist ist." Ihre Kollegen von der VP Bank halten einen kurzfristigen Anstieg auf über 1,10 Dollar für möglich. Am Freitag markierte die Gemeinschaftswährung mit 1,0989 Dollar ein Sechs-Monats-Hoch.

Die Renditen von französischen Staatsanleihen dürften fallen, diejenigen vergleichbarer Papiere aus Deutschland oder der Schweiz tendenziell steigen, prognostizieren die VP Bank-Experten. Die Europäische Zentralbank (EZB) könne bei einem Sieg Macrons eine raschere Reduzierung ihrer Bond-Käufe eher in Betracht ziehen als bei einem Le Pen-Sieg. Die zehnjährigen Frankreich-Anleihen rentieren mit etwa 0,74 Prozent in Reichweite ihres Vier-Monats-Tiefs. Spezialisten von Natixis Asset Management erwarten, dass sich ihr Risikoaufschlag (Spread) zu Bundestiteln auf rund 30 von derzeit etwa 35 Basispunkten verringert.

Generell ist die Angst vor einem Zerfall der Euro-Zone bei Anlegern zurückgegangen. Nur noch 13,6 Prozent der befragten Investoren rechnen laut der Investmentberatung Sentix binnen zwölf Monaten damit. Im Vormonat waren es noch 18,7 Prozent.

LE PEN SIEGT



Le Pens Kernforderung im Wahlkampf war ein Referendum für einen Austritt Frankreichs aus der Euro-Zone. Mit EU-Partnern will sie Verträge neu verhandeln, sie setzt auf Protektionismus. Da am Aktienmarkt niemand mit einem Le Pen-Sieg rechne, sei eine kräftige Kursreaktion zu erwarten, warnt Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim. "Broker-Schätzungen von über 20-prozentigen Korrekturen halten wir angesichts des positiven fundamentalen Umfelds als eher hoch, zumal die europäischen Titel zumindest in Teilen von der zu erwartenden Euro-Abschwächung profitieren dürften." Bei der VP Bank rechnen die Experten damit, dass internationale Investoren erst einmal abwarten und die Euro-Zone meiden. "Le Pens Wahlsieg würde zu einem abrupten Anstieg der globalen Risikoaversion führen." Analysten der Investmentbank Nomura halten eine Abwertung der Kreditwürdigkeit Frankreichs für möglich.

Zahlreiche Anleger würden ihr Geld voraussichtlich in die als sicher geltenden Bundesanleihen umschichten und aus französischen, italienischen, spanischen und portugiesischen Papieren flüchten, sagt Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. Dies könnte die Rendite der zehnjährigen Bunds wieder in Richtung der null Prozent von derzeit etwa plus 0,4 Prozent drücken. Unmittelbar vor dem überraschenden Votum der Briten für den EU-Ausstieg im Juni 2016 war das erstmals passiert.

Den Euro würde ein Sieg Le Pens massiv unter Druck bringen. "Da am Devisenmarkt nicht damit gerechnet wird, wäre ein solcher Fall umso schlimmer", sagt Commerzbank-Expertin Nguyen. Der Euro könne unter 1,05 Dollar absacken. "In den Wochen danach kann die Parität zum Dollar erreicht werden, je nach dem wie sich Le Pen zum Euro-Austritt positioniert." Investoren dürften Börsianern zufolge den Schweizer Franken ansteuern, der dann weiter aufwerten würde. Das will die Schweizer Nationalbank verhindern, eine Zinssenkung könnte die Folge sein.

PARLAMENTSWAHL VORAUS - WIE GEHT ES WEITER?



Gleichgültig, welcher der beiden Kandidaten das Rennen um die Präsidentschaft macht: Er oder sie verfügt im Parlament, das im Juni neu gewählt wird, voraussichtlich über keine eigene Mehrheit. "Eine Kohabitation, in der für jedes Vorhaben individuelle Mehrheiten organisiert werden müssten, würde mit Sicherheit den Elan bremsen, mit dem Macron das europäische Projekt voranbringen möchte", sagt Franck Dixmier, Anleihechef des Fondshauses AllianzGI.

rtr