Li Ka Shing - Der chinesische Superman
· Börse Online Redaktion
In Hongkong lebte die Familie in bitterer Armut. Nach ihrer Ankunft war der Vater an Tuberkulose erkrankt, er starb, als Li 14 war. Der Junge brach die Schule ab, um die Familie zu ernähren. Er fand einen Job als Lehrling in einer Fabrik, die Plastikblumen herstellte, schuftete dort sieben Tage die Woche. Wenn er nach Hause kam, setzte er sich hinter seine Bücher und holte die fehlende Schulbildung nach.
1950 machte sich Li mit seiner Firma Cheung Kong ("Langer Fluss") selbstständig, deren Name auf Chinas größten Fluss anspielte, den Jangtse. Wer erfolgreich sein wolle, so Li später, müsse andere Menschen und Meinungen akzeptieren. Wie der Jangtse. "Warum ist der Jangtse ein so starker Strom? Weil er viele kleine Flüsse aufnimmt und dadurch erst groß wird."
Cheung Kong wuchs schnell. Das Unternehmen stellte Plastikblumen her, die damals vor allem in Europa und Amerika populär waren. Jeden Morgen holten Hausfrauen aus den benachbarten Armenvierteln die Blumen ab und brachten abends kunstvoll geschnürte Buketts zurück. Binnen weniger Jahre wurde das Unternehmen zum Marktführer. Später erweiterte Li das Sortiment und produzierte auch Plastikspielzeug für westliche Unternehmen wie den US-Hersteller Hasbro. Aus Lis Fabrik kamen die in den 60er-Jahren in den USA erfolgreichen G.I.-Joe-Figuren.
Geschäfte "Made im Golfclub"
Als der Jungunternehmer das Grundstück kaufen wollte, auf dem seine Fabrik stand, stellte sich der Eigentümer quer. Li wurde klar, dass Grundbesitz das eigentliche Gold dieser Stadt war. Das Territorium der Kolonie war begrenzt, der Hunger nach Immobilien groß. Die Stadt war gezwungen, in die Höhe zu wachsen.
Als Ende der 60er-Jahre die von Mao inspirierte Kulturrevolution auch nach Hongkong übergriff und es zu sozialen Spannungen, Ausschreitungen und Bombenanschlägen kam, flohen viele Geschäftsleute ins Ausland und schlugen ihre Immobilien zu Spottpreisen los. Li kaufte alles, was er in die Finger bekam - Geschäftshäuser, Wohnhäuser, Fabriken. Als sich die Situation in der Kronkolonie wieder beruhigte, war Li einer der größten Immo-Besitzer Hongkongs. Er hatte Zugang zu den prestigeträchtigen Golfclubs der Stadt, die normalerweise nur britische Expats als Mitglieder aufnahmen. Die Einheimischen, beeindruckt von seinem Erfolg, gaben ihm den Namen Chi Yan ("Superman").
1979 wurde das alte britische Handelshaus Hutchison Whampoa übernommen. Hongkong wurde zu dieser Zeit von den jahrhundertealten "Hongs" dominiert, kolonialen Unternehmen, die sich im Besitz von britischen Familien befanden. Vor allem drei Hongs gehörte praktisch ganz Hongkong: Jardine Matheson, Hutchison und Swire. Michael Sandberg, Chef der Hongkong and Shanghai Bank (HSBC), fädelte den Deal ein. Im Golfclub hatte er Li kennengelernt und schnell erkannt, dass der Tycoon sein Mann war, um den Turnaround des mit hohen Krediten belasteten Traditionsunternehmens zu schaffen. Im September 1979 schockte Sandberg die Finanzelite mit der Nachricht, dass Cheung Kong einen kontrollierenden Anteil an Hutchison übernommen habe - übrigens für weniger als die Hälfte des Buchwerts. Li sicherte sich damit Werften, Hafenanlagen und Immobilien, und Sandberg erhielt dank Lis Beziehungen Zugang zum Markt auf dem chinesischen Festland.
Mit dem stabilen Cashflow aus dem Schifffahrts- und Hafengeschäft investierte Li nach und nach in andere Geschäftszweige: Ölgesellschaften, Hotels, Einzelhandel, Versorgungs- und Telekomunternehmen. Er wurde zum Global Player und beteiligte sich auch an Unternehmen in den USA und Europa. Hutchison Whampoa wurde zum erfolgreichsten Konglomerat Hongkongs und ist heute mit jährlichen Erträgen von über 50 Milliarden Dollar eine der wertvollsten Firmen weltweit. Von jedem Dollar, der in Hongkong ausgegeben wird, so sagt man, gehen fünf Prozent an Li Ka Shing. Und Hongkong sei längst das "private Königreich" des Tycoons.
Li hatte auch ein gutes Gespür für das ITBusiness. 2007 entschied er sich, 120 Millionen Dollar in Facebook zu investieren. Heute ist sein Anteil 900 Millionen Dollar wert. 2007 investierte er in Skype, das damals noch Verluste machte. Ein Jahr später kaufte Ebay das Unternehmen für 2,5 Milliarden Dollar. Auch im Mobilfunkgeschäft mischte Li mit. 1999 verkaufte er seine britische Firma Orange für 15 Milliarden Dollar an den Mannesmann-Konzern und wurde so zum größten Einzelaktionär von Mannesmann. Die spätere Übernahme von Mannesmann durch Vodafone brachte ihm einen milliardenschweren Anteil am weltgrößten Mobilfunkunternehmen ein.
In 45 Sekunden in Stockwerk 70
Li, vom Wirtschaftsmagazin "Asiaweek" zum "mächtigsten Mann Asiens" gekürt, zählt heute zu den fünf einflussreichsten Milliardären der Welt. Sein Vermögen wird von "Forbes" auf 31 Milliarden Dollar geschätzt. Er ist damit der reichste Mann Asiens und nimmt auf der Liste der reichsten Menschen der Welt Rang 8 ein.
Sein Lebensstil ist bescheiden. Kein Privatjet, keine Jacht, keine teuren Villen. Er gilt als sparsam, trägt einfache Anzüge, seine Seiko-Armbanduhr kostet weniger als 50 Dollar, und er wohnt heute noch in dem gleichen Haus, das er vor 50 Jahren gekauft hat. Er spendet regelmäßig einen Teil seines Vermögens für gute Zwecke, steht jeden Tag um fünf Uhr auf, spielt eine Stunde Golf (meist mit dem Filmproduzenten Raymond Chow), und bis zum Mittagessen hat er praktisch alle wichtigen internationalen Zeitungen gelesen. Seine vielleicht einzige Extravaganz ist sein Büro im obersten Stockwerk des Cheung-Kong-Centers im Herzen von Hongkong. Es hat einen Swimmingpool und den schnellsten Aufzug der Welt: Er braucht weniger als 45 Sekunden bis zum 70. Stockwerk.
PEB
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