Die schwierige Lage an der Pandemie-Front schüttelt derzeit mal wieder die Weltbörsen durch. Die jüngsten Verluste ändern aber nichts daran, dass sich die Wertentwicklung auch am deutschen Aktienmarkt zuletzt durchaus sehen lassen konnte.

So kommt etwa der hiesige Leitindex DAX auf Sicht eines Jahres auf ein Plus von 15,62 Prozent und auf Sicht von fünf Jahren sind es knapp 47 Prozent. Trotzdem ist es längst nicht so, dass von dem Aufschwung alle Einzelaktien profitiert hätten. Unser Chartprogramm beispielsweise spuckt aktuell nur 35 deutsche Aktien mit 52 Wochenhochs aus. Was ein sehr geringer Anteil ist angesichts einer vierstelligen Zahl an gelisteten Unternehmen.

Dazu muss man wissen, dass das leider kein Einzelfall ist. Denn auch langfristig gesehen ist es so, dass nur wenige Aktien wirklich Wohlstand schaffen. Diese Erkenntnis bestätigt auch eine von Professor Hendrik Bessembinder und Kollegen von der Arizona State University durchgeführte Analyse. Dabei untersuchten die Wissenschaftler die Wertentwicklung von 64 000 Aktien weltweit im Zeitraum von 1990 bis 2020. Dem Ergebnis zufolge waren 55,2 Prozent der US-Aktien und 57,4 Prozent der Aktien ex USA nicht in der Lage, Einmonats-US-Schatzwechsel im Hinblick auf die Rendite zu schlagen.

Ein weiteres Ergebnis zeigt außerdem, dass nur 1526 Unternehmen oder 2,39 Prozent der Aktien für die gesamte Nettovermögensbildung am globalen Aktienmarkt von 75,7 Billionen US-Dollar ursächlich waren. Außerhalb der USA generierten sogar nur 1,41 Prozent der Unternehmen die ermittelte Nettovermögensbildung von 30,7 Billionen US-Dollar. Mehr dazu erfahren Sie in der aktuellen Printausgabe der BÖRSE ONLINE (48/21) auf den Seiten 38 und 39.

Übrigens: An der Wall Street markierte zuletzt ein Viertel der operativ tätigen New York Stock Exchange-Aktien (also ohne nicht aktienrelevante Titel, wie z.B. börsengehandelte Anleihefonds und ähnliches) ein neues Jahrestief. Für Fondsmanager und Herausgeber des Börsenbriefs Finanzwoche Jens Ehrhardt, von dem diese Beobachtung stammt, eine höchst ungewöhnliche Konstellation angesichts der Tatsache, dass der S&P 500 Index unlängst noch ein neues Schlussrekordhoch aufgestellt hat. Wobei es laut Ehrhardt von der DJE Kapital AG auch noch so ist, dass mehr als die Hälfte der operativ tätigen Aktien 20 Prozent oder mehr unter ihren 52-Wochen-Hochs notiert.

Auch am deutschen Aktienmarkt finden sich zahlreiche Verliereraktien. Mit zu den Prominentesten zählen TUI, Teamviewer und Lufthansa. Das bringt BÖRSE ONLINE dazu, dieses Trio nachfolgend einem Anlagecheck zu unterziehen.

TUI-Aktie





Dürftig fällt die Kursbilanz unter anderem bei TUI aus. Bei einem Schlusskurs am Mittwoch von 2,42 Euro ergibt sich auf Sicht von zwölf Monaten ein Minus von knapp 14 Prozent und auf Sicht von fünf Jahren sogar von knapp 61 Prozent.

Dem zu den weltweit führenden Touristikkonzernen zählenden Unternehmen gelingt es folglich nicht, die Anleger zu überzeugen. Zentral für die Geschäfte sind hier die Sparten Hotels & Resorts und Kreuzfahrten. Die TUI Group verfügt laut DZ Bank über 381 eigene Hotels mit mehr als 240.000 Betten in rund 30 Ländern. Zu den Veranstaltern im Kreuzfahrtgeschäft zählen Hapag-Lloyd Cruises, TUI Cruises und die im britischen Markt tätige Marella Cruises.

Charttechnik: Die TUI-Aktien hatten in den vergangenen Jahrzehnten durchaus auch sehr gute Phasen. So hat sich der Kurs von 1988 bis 1999 vervielfacht. Allerdings ist die Notiz dann bis Ende 2011 sogar noch stärker gefallen. Auf dem aktuellen Niveau ist zu konstatieren, dass Langfrist-Anleger seit 198 unter dem Strich auf Kursverlusten sitzen.

Nach einem starken Absturz im Zuge der ersten Pandemiewelle im ersten Quartal 2020 kam es anschließend nach einer Bodenbildung zwar zu einer spürbaren Erholung. Der dabei gezeigte Elan ist aber längst wieder verlorengegangen. Aktuell zeigt das Chartbild einen mittelfristigen Abwärtstrend. Dieser ist angesichts eines an diesem Montag bei 2,33 Euro aufgestellten Schlussrekordtiefs auch als völlig intakt zu bezeichnen. Folglich spricht die Charttechnik hier weiter gegen einen Einstieg.

Nachrichtenlage: Zur Wochenmitte war in einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa-AFX zu lesen, dass Tui Deutschland seine Sparte für Geschäftsreisen zum Großteil auflösen will. Demnach wird der Bereich First Business Travel als eigenständige Einheit in der vorhandenen Form nicht weitergeführt. Dazu muss man wissen, dass die Erträge aus speziellen Angeboten für Geschäftsreisende aufgrund der Coronavirus-Krise besonders stark abgesackt sind.

Unlängst schloss die Gesellschaft außerdem eine Kapitalerhöhung erfolgreich ab: Dem Reisekonzern floss dabei ein Bruttoemissionserlös von rund 1,1 Milliarden Euro zu. Das Bezugsangebot war bereits das zweite in diesem Jahr, um die eigene Bilanz zu stärken. Das Grundkapital hat sich dadurch nominal um rund 523,5 Millionen Euro auf knapp 1,623 Milliarden Euro erhöht. Mit den Erlösen soll die zuletzt mit 375 Millionen Euro in Anspruch genommene KfW-Kreditfazilität auf null zurückgeführt und die mit knapp 1,487 Milliarden Euro belastete Barfazilität auf 762 Millionen Euro reduziert werden. Die Agentur S&P Global Ratings erhöhte als Reaktion auf die Kapitalerhöhung die Kreditwürdigkeit des Touristikkonzerns um eine Stufe auf B-. Damit gelten die Schulden zwar laut Dow Jones weiter als hochspekulativ, sind allerdings nicht mehr substanziellen Risiken ausgesetzt.

Analystenstimmen: Für die NordLB verlief die Erholung im Geschäftsjahr 2020/21 infolge der Ausbreitung der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus und damit verbundener Reiserestriktionen deutlich langsamer als ursprünglich angenommen. Mit der Kapitalerhöhung habe sich TUI erneut mehr finanziellen Spielraum verschafft, auch um auf kurzfristig weiterbestehende Unsicherheiten und Pandemieauswirkungen reagieren zu können. Bis zur Erreichung des operativen Vorkrisenniveaus sowie zur Wiederherstellung gesunder Bilanzrelationen dürfte es allerdings noch lange dauern.

Für die DZ Bank haben sich die Umsatzperspektiven der TUI AG aufgrund der deutlich verbesserten Buchungssituation für den Winter 2021/22 und den Sommer 2022 einerseits deutlich verbessert. Die Umsatzprognosen für die Geschäftsjahre 2021/22 und folgende hat man kürzlich entsprechend nach oben angepasst. Andererseits belasteten aber weiterhin die sehr hohe Nettoverschuldung und die aktuell negative Eigenkapitalquote.

Im Zuge der Kapitalerhöhung könne zwar die Zinsbelastung reduziert werden; andererseits erhöhe sich die Anzahl der in Umlauf befindlichen Aktien deutlich. Im Zuge des dadurch eintretenden Verwässerungseffektes sinke der faire Wert je Aktie auf 2,00 (vorher: 2,60) Euro. Als fair erachtet man einen KGV-Multiplikator von zehn bezogen auf den für 2022/23 erwarteten Gewinn je Aktie. Zu beachten ist, dass diese beiden Analysteneinschätzung noch aus der Zeit vor dem Auftauchen der neuen Omikron-Virusvariante stammen.

Bewertung: Letzteres gilt natürlich auch für die derzeit vorliegenden Ergebnisschätzungen. Diese sehen für 2022 erstmals wieder Gewinn vor und zwar von 0,20 Euro je Aktie. Die Prognosen für 2023 und 2024 bewegen sich bei 0,30 Euro und bei 0,42 Euro. Auf letztgenannter Basis wäre die Bewertung als moderat zu bezeichnen. Doch wegen Omikron und der allgemein schwierige Viruslage, die zu weiteren Einschränkungen der Mobilität weltweit führen dürften, sind alle bisherigen Schätzungen mit vielen Fragezeichen versehen.

Lufthansa-Aktie





Trist fällt die Performance-Bilanz auch bei den Aktien der Deutschen Lufthansa aus. Bei einem Schlusskurs am Mittwoch von 5,633 Euro beträgt das Minus für die vergangenen zwölf Monate 21,30 Prozent und für die vergangenen fünf Jahre sogar fast 36 Prozent.

Der weltweit tätige Luftverkehrskonzern mit über 400 Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften hat folglich schon länger an der Börse keinen leichten Stand. Geschäftlich gesehen gliedern sich die Aktivitäten in die Felder Network Airlines, Eurowings, Logistik, Technik und Catering.

Der internationale Passagierverkehr mit den Marken Lufthansa, SWISS, Austrian und Eurowings erwirtschaftete vor der Krise laut Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) 73 Prozent des Konzernumsatzes. Dazu steuerten zudem Logistik (sieben Prozent), Technik (zwölf Prozent), Catering (sieben Prozent) und Sonstige (ein Prozent) bei. Von den Verkehrserlösen nach Verkaufsorten kamen vor der Krise 66 Prozent aus Europa und 17 Prozent aus Nordamerika.

Charttechnik: Bei dem MDAX-Vertreter ist das langfristige Chartbild von ständigen Richtungswechseln geprägt. Diese ereigneten oft abrupt und verliefen sehr volatil. Ein Resultat davon ist, dass die Kurse heute tiefer sind als etwa im Jahr 1996.

Eine Bestandsaufnahme die auch ohne Pandemie für die Aussage ausreicht, dass die Lufthansa-Aktien nie ein gutes Investment für eine Kaufen-und-Halten-Strategie waren. Trader kamen dafür bei diesem Wert auf ihre Kosten, doch selbst bei dieser Anlagegruppe fällt es schwer daran zu glauben. Dass es vielen Akteuren gelungen ist, die zahlreichen Richtungswechsel mehrheitlich richtig zu timen.

Kurzfristiger gesehen ist es so, dass die Notiz Ende November bei 5,361 Euro ein neues Jahrestief auf Schlusskursbasis markiert hat. Als Folge davon steht die Chartampel derzeit auf Rot.

Nachrichtenlage: Aus der Sicht von Vorstandschef Carsten Spohr ist die Airline-Gruppe nach der Rückzahlung der Staatshilfe besser als bisher für Krisen gerüstet. Auch nach Rückzahlung aller Kredite und Einlagen an den WSF bleibt uns noch mehr als dreimal so viel Liquidität wie vor der Krise", sagte Carsten Spohr jüngst dem Handelsblatt. Neue Reiserestriktionen wegen der massiv steigenden Infektionszahlen fürchtete Spohr damals nicht, doch die Realität könnte ihn in dieser Hinsicht bald eines Besseren belehren.

Die letzte verbliebene Staatshilfe in Höhe von einer Milliarde Euro hat das Unternehmen unlängst aber zurückgezahlt. Der Manager bezeichnete den Schritt als Meilenstein auf dem Weg zur Transformation und als einen mentalen Befreiungsschlag, wie es in einem Bericht von Dow Jones heißt.

Mit Blick auf die starke Nachfrage nach Premium-Sitzen hat die Lufthansa unterdessen vor dem Auftauchen der Omikron-Virusvariante die bisherigen Pläne zur Disposition gestellt, die Business-Klasse zugunsten der Premium Economy zu verkleinern. Der wachsende Druck der Unternehmen, auch bei Dienstreisen klimaneutral zu werden, wird nach Einschätzung Spohrs nicht zu einem Einbruch bei Geschäftsreisen führen.

Analystenstimmen: Die LBBW fragt in einer Studie, ob bei Lufthansa jetzt wieder "Happy Days Are Here Again" angesagt ist? Doch wie man umgehend erklärt, hat sich auch der Optimismus des 1932 von Franklin Delano Roosevelt als Wahlkampfschlager verwendeten Liedes damals schnell als verfrüht erwiesen. Und auch die Lufthansa dürfte erst noch einiges erleben müssen, bevor die Krise wirklich vorbei ist.

Das Ergebnis im dritten Quartal zeige zwar in die richtige Richtung, doch die Lage bleibt unverändert kritisch für das Unternehmen und seine Aktionäre. Die Analysten erinnern daran, dass die Passagiervolumina bestenfalls noch bei 50 Prozent oder weniger des Vorkrisenniveaus liegen. Die Durchschnittserlöse und Sitzladefaktoren seien weit unter das Niveau von 2019 gesunken und die Fortschritte bei den Stückkosten allein reichten nicht für ein profitables Geschäft aus.

Neben dem makroökonomischen Umfeld (insbesondere Welthandel und Inflation) sowie geopolitischen Auseinandersetzungen drohten zudem Beschränkungen von Inlandsflügen, die aus klimapolitischer Sicht allein gut begründet sein mögen, jedoch sogleich den Flugbetrieb ineffizient machen könnten, da Kurzflüge für das auf Drehkreuzen basierende Geschäftsmodell der Lufthansa unerlässlich seien.

Die DZ Bank wiederum verweist darauf, dass bei einer noch immer schwierigen Lage im Luftverkehr wegen der Pandemie die Frachtsparte der Lufthansa aufgrund einer stark zurückgegangenen Verfügbarkeit von Beiladekapazität in Passagierflugzeugen und angespannter Seefrachtmärkte Rekordergebnisse verzeichnet. Laut dem Unternehmen hätten die Buchungen für Transatlantikflüge, Geschäftsreisen und Premiumtickets vor dem Auftauchen von Omikron spürbar zugenommen.

Bewertung: Die bisherigen Vorhersagen des Analystenkonsens ohne Berücksichtigung von Omikron sehen bei Lufthansa in diesem Jahr noch einen Verlust von 2,60 Euro vor. 2022 soll dann mit 0,06 Euro je Aktie knapp die Gewinnschwelle erreicht werden. Die Prognosen für 2023 und 2024 weisen dann weitere Verbesserungen auf 0,68 Euro und 1,04 Euro aus. Auf letztgenannter Basis wäre das KGV sehr niedrig, doch wie die bisher noch schwache Kursentwicklung nahelegt, scheinen die Marktteilnehmer noch sehr daran zu zweifeln, dass die Konsensprognosen tatsächlich aufgehen.

Teamviewer-Aktie





Der Aktienkurs von Teamviewer beendete den Handel am Mittwoch auf Xetra bei 11,855 Euro. Wie dürftig das ist, zeigt sich daran, dass sich daraus auf Sicht eines Jahres ein Minus von rund 70 Prozent ergibt. Der Titel hat sich somit in der genannten Zeitspanne als einer der größten Wertvernichter am deutschen Aktienmarkt entpuppt.

Hinter dem Verlierer-Papier steckt eine Software-Plattform für Fernkonnektivität. Die angebotenen Lösungen erlauben unter anderem Fernzugang und -steuerung sowie ferngesteuerten Support für stationäre und mobile Endgeräte. TeamViewer fährt dabei laut DZ Bank neinen reinen Abonnementmodell-Ansatz. Dem Trend der Branche folgend, ist dadurch ein hoher Anteil an sogenannten "wiederkehrenden Umsätzen" möglich.

Charttechnik: Anders als bei den beiden anderen zuvor vorgestellten Werten ist es bei Teamviewer nicht möglich, auch eine Fünfjahres-Performancebilanz aufzuzeigen. Denn der Titel ist erst seit dem 25. September 2019 an der Börse notiert.

Danach ging es zwar zunächst ausgehend von einem Ausgabepreis von 26,25 Euro bis zum 09. Juli 2020 auf 43,62 Euro nach oben. Doch nach einer längeren Topbildung kam es dann ab Mitte Februar 2021 zu einem massiven Absturz. Erschreckend dabei ist, dass der Titel, der als großer deutscher Hoffnungsträger aus dem Technologie-Sektor an der Börse an den Start ging, noch überhaupt keine Anzeichen für eine Bodenbildung zeigt.

Vielmehr sind die Schlusskurse zur Wochenmitte gleichbedeutend mit einem neuen Rekordtief. Die Chartampel steht daher auf Dunkelrot und rein charttechnisch betrachtet spricht der Kursverlauf dafür, dass die Marktteilnehmer derzeit wenig Vertrauen in das Unternehmen haben.

Nachrichtenlage: Eine ganz andere Wahrnehmung der Realität scheint man dagegen im Unternehmen selbst zu haben. Nach Überzeugung von Vorstandschef Oliver Steil ist man trotz der jüngsten Zielverfehlungen strategisch auf dem richtigen Weg. Eine funktionierende Strategie zu ändern, nur weil man operativ hinter den Erwartungen geblieben ist, hält er nicht für richtig, sagte er jüngst im Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

Das Unternehmen ist aus seiner Sicht gut im Entreprise-Geschäft gut aufgestellt, um dort künftig wieder stärker zu wachsen. In ein paar Jahren werde die noch kleine Sparte, die zuletzt für 15 Prozent der Gesamtbillings stand, sicherlich ein Drittel des Geschäfts sein, zitiert die Nachrichtenagentur Dow Jones aus dem Gespräch mit der Börsen-Zeitung.

Um Wert zu generieren, setzt Steil auf stabile Kosten bei steigenden Umsätzen. Das werde nächstes Jahr auf jeden Fall einen Effekt auf die angepasste EBITDA-Marge haben. Die vielkritisierten teuren Marketingverträge verteidigte Steil ausdrücklich. Allerdings könne es schon zwei bis drei Jahre dauern, bis der Marketingeffekt zum Tragen kommt, sagte er. Gemeint sind damit Sponsoringabkommen, die man etwa mit Manchester United getroffen hat und die vielerorts auf harsche Kritik gestoßen sind wegen der enormen Kosten.

Ob sich der Manchester-Deal letztlich auszahlt, bleibt abzuwarten Falls man aber intern wirklich davon ausgeht, dass das Image von Manchester United auf Teamviewer ausstrahlt, dann war das Geschäft bisher wohl ein Desaster. Denn die Millionärs-Truppe steckt in einer schweren sportlichen Krise und trägt dabei in schlechter Verfassung den Namen von Teamviewer auf der Brust der Spieler herum.

Abgesehen davon soll es auch viele Leute geben, die anderen Fußballvereinen anhängen und auch deshalb keine Freunde von Manchester United sind. Ganz zu schweigen von jenen Menschen, die es fragwürdig finden, Fußballern oder anderen Sportlern Millionen in den Rachen zu schieben, während andere in der EU für Mindestlöhne für unter zehn Euro je Stunde schuften. Was das Ganze mit Nachhaltigkeit zu tun hat, ist wohl das Geheimnis von Marketing-Experten.

Analystenstimmen: Wie die neuen Allzeittiefs belegen, ist es der Gesellschaft auch bei einem kürzlich abgehaltenen Kapitalmarkttag nicht gelungen, die Stimmung unter den Anlegern zu ihren Gunsten zu drehen. Aus der Sicht der Deutschen Bank war die Veranstaltung wenig überzeugend, wie Dow Jones die dortigen Analysten zitiert. Es seien Risiken bei der Umsetzung erkennbar, überdies ein stärkerer Wettbewerb und eine potenzielle Beeinträchtigung der mittelfristigen Prognose durch geringere Kosteneinsparungen als erwartet.

Überschattet wurde das Ereignis laut UBS zudem durch den angekündigten Abgang von CMO Lisa Agona nach nur sieben Monaten in diesem Amt. Finanzvorstand Stefan Gaiser verlässt Teamviewer im Sommer 2022. Letzteres war bereits zuvor bekannt. Insgesamt handelt es sich bei TeamViewer jetzt um eine "Execution Story", so die UBS. Das heißt, es geht darum, die intern ausgearbeiteten Pläne effektiv umzusetzen und einen Turnaround hinzulegen.

Das kürzlich angekündigte Zehn-Millionen-Euro-Kostenkontrollprogramm werde vom Markt wahrscheinlich so lange ignoriert werden, bis klare Beweise für eine Verbesserung der zugrundeliegenden Wachstumstrends bei Abrechnungen, Abonnenten und Unternehmen zu sehen sind. Bis dahin sieht die Schweizer Großbank bessere Investitionsmöglichkeiten in dem Sektor.

Nach Angaben der DZ Bank strebt das Unternehmen mit dem Effizienzsteigerungsprojekt namens REMAX unter anderem eine Verschlankung des Senior Managements unterhalb des Vorstands an. Daneben habe man aktuell einen Einstellungsstopp verhängt. Nachdem man in den vergangenen Quartalen das Vertriebsteam deutlich vergrößert hat, soll dieses nun umstrukturiert werden und mehr Effizienz mit Blick auf Cross- & Up-Selling-Aktivitäten bringen.

Bewertung: Analysten sehen den Gewinn je Aktie bei Teamviewer in diesem Jahr von 0,70 Euro auf 0,51 Euro fallen. Für 2022 rechnet man dann aber wieder mit einer Verbesserung auf 0,65 Euro. 2023 sollen sogar 0,80 Euro herausspringen und die Prognose für 2024 beträgt noch einmal höhere 1,27 Euro. Auf letztgenannter Basis wäre die Bewertung für einen Tech-Konzern alles andere als hoch einzustufen. Doch nach dem zuvor Geschriebenen ist klar, dass die Marktteilnehmer im Schnitt derzeit vermutlich nicht an eine Erreichung dieser Zielvorgaben der Analysten glauben.