INTERVIEW

Manfred Weber: "Ein harter Brexit wird mit jedem Tag realistischer"

Manfred Weber:

WKN: A2JGMN ISIN: CA3609291032 GAR Ltd (A)

25.03.2019 03:00:00

Der CSU-Politiker und Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) für die Europawahl, Manfred Weber, warnt in einem Interview mit dem BÖRSE-ONLINE-Schwesterblatt Euro am Sonntag (Ausgabe 23.3.2019) vor einer Ablehnung des ausgehandelten EU-Austrittsvertrags durch das britische Parlament. Von Sabine Gusbeth

€URO AM SONNTAG: Die EU und Großbritannien haben sich auf eine Verschiebung des Brexits geeinigt. Wie geht es weiter?
MANFRED WEBER:
Der Brexit ist eine Tragödie, und auch die Brexit-Verhandlungen entwickeln sich zu einer Tragödie, vor allem für Großbritannien. Wir verhandeln seit drei Jahren über den Austrittsvertrag. Eine Verlängerung bis zur Europawahl kann es nur geben, wenn das britische Parlament den Vertrag annimmt. Falls nicht, ist ein Austritt am 12. April wahrscheinlich.



Heißt das, es droht ein harter Brexit?
Die Europäer können die Probleme Großbritanniens nicht lösen. Wenn sich die britische Politik nicht entscheiden kann, wie es weitergehen soll, müssen wir sicherstellen, dass diese Unsicherheit, das britische Chaos, nicht den Rest der EU ansteckt. Wenn Großbritannien nicht in der Lage ist, die ausgestreckte Hand der EU anzunehmen, wird ein harter Brexit leider jeden Tag realistischer.


Wie wirkt sich die Unsicherheit aufgrund des Brexits auf die Wirtschaft aus?
Wir in Deutschland leben stark vom Export. Gerade der zollfreie Export in europäische Märkte wie Frankreich, Italien oder Polen ist die Grundlage unseres Wohlstands. Das Brexit-Beispiel zeigt nach den Erfahrungen Großbritanniens: Wenn die EU wackelt, dann wackelt unsere Wirtschaft, dann wackelt unsere Zukunft. Deswegen muss es uns gelingen, bei den Europawahlen eine proeuropäische Mehrheit zu erreichen, die Europa stabil hält.

Steht eine Verschiebung der Europawahl aufgrund des Brexit-Chaos zur Debatte?
Definitiv nicht. Bei der Europawahl entscheiden die Bürger Europas über die Zukunft des Kontinents. Wir brauchen Veränderungen, brauchen einen Aufbruch, mehr Bürgernähe. Als Europapolitiker will ich endlich über die Zukunft Europas reden und nicht mehr nur über den Brexit.

Auf Seite 2: EU und London steuern auf den Showdown zu



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Bildquelle: European Union/European Parliament/CC/by-nc-nd/4.0

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