Unter anderem sollen bis zu 900 der 6500 Arbeitsplätze abgebaut und 230 der 1230 Gerry-Weber- und Hallhuber-Läden geschlossen werden. Die Finanzierung des laufenden Geschäfts sei dank der vorhandenen flüssigen Mittel bis ins nächste Jahr hinein gesichert, erklärte Gerry Weber.

Das Amtsgericht Bielefeld erlaubte dem Vorstand am Freitag, zu versuchen, das Unternehmen selbst wieder auf die Beine zu bringen. Dabei helfen soll Insolvenzexperte Christian Gerloff, der unter anderem die Modeketten K&L und Wöhrl saniert hatte. Sachwalter Stephan Meyer von der Anwaltskanzlei Pluta beaufsichtigt den Vorstand als Sachwalter. Von der Insolvenz betroffen ist zunächst nur die börsennotierte Dachgesellschaft Gerry Weber International mit 580 Mitarbeitern. Die operativen Töchter einschließlich der Modekette Hallhuber, in denen die meisten der 6500 Mitarbeiter beschäftigt sind, sollen aus dem Insolvenzverfahren herausgehalten werden.

"Es hat bis zuletzt große Anstrengungen gegeben, das Verfahren abzuwenden", sagte Vorstandssprecher Johannes Ehling. "Ich bin fest davon überzeugt, dasss wir nach erfolgreicher Sanierung wieder in die Erfolgsspur zurückkehren werden. Meyer sagte, es sei viel Vorarbeit geleitet worden, "so dass ich sehr optimistisch bin, dsas wir schnell zu einer guten und belastbaren Lösung für das Traditionsunternehmen kommen werden". Finanzkreisen zufolge ging es in den Verhandlungen um rund 200 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Allein bei einem 31 Millionen Euro schweren Schuldschein musste Gerry Weber die Interessen von 120 Gläubigern unter einen Hut bekommen.

Die Großaktionäre, die Gründerfamilien Weber (33,5 Prozent) und Hardieck (17,5) drohen durch die Pleite alles zu verlieren. Sie waren Finanzkreisen zufolge nicht bereit, wie von den Banken gefordert Kapital nachzuschießen. Die Gerry-Weber-Aktie brach um zwei Drittel auf 55 Cent ein. Ralf Weber, Sohn von Firmengründer Gerhard Weber, hatte im Oktober als Vorstandschef das Handtuch geworfen.

Die Krise bei dem Traditionsunternehmen schwelt bereits seit Monaten. Um Geld in die Kasse zu bekommen, hatte das Unternehmen das Düsseldorfer Orderzentrum "Halle 29" für 36 Millionen Euro an die Bremer Zech-Gruppe verkauft. Vor allem die Übernahme von Hallhuber entpuppte sich als Fehlschlag. Abschreibungen auf die Modekette und die Rückstellungen für den Stellenabbau und die Ladenschließungen ließen den Verlust der Gruppe im Geschäftsjahr 2017/18 (Ende Oktober) auf 192 Millionen Euro anschwellen. Der Umsatz verfehlte mit 790 (Vorjahr: 880) Millionen Euro die Erwartungen deutlich.

rtr