Er hat eine weitere Chance erhalten: Narendra Modi ist in Indien als Premier wiedergewählt worden. Das war fast zu erwarten gewesen - obwohl Modi 2016 eine Währungsreform anstieß, die drei Viertel des Bargelds entwertete und das Land in eine Rezession steuerte.

Doch der 68 Jahre alte Hindu-Nationalist strotzt vor Machtwillen. Vor seinen Landsleuten - vor allem vor der hinduistischen Mehrheit - stilisiert er sich als "Wächter", als letzte Instanz zwischen gierigen Politikern anderer Parteien, islamistischen Terroristen und dem Staat.

Sein Gegenspieler Rahul Gandhi von der traditionsreichen Kongresspartei hatte bei der Wahl keine Chance, obwohl er Modi und seine Partei BJP beschuldigte, das Land in die Autokratie zu steuern. Beim Volk verfing das nicht, wohl auch weil die Gandhi-Familie selbst in Korruptionsskandale verstrickt war.

Modi dagegen steht für einen anderen Typ Politiker: Aus einer niederen Kaste stammend, ohne Familienbande - und daher weniger anfällig für Vetternwirtschaft. Er verkörpert das, was viele Inder prägt: dass man im Leben um alles kämpfen muss. Der Vegetarier, der einen "kargen Lebensstil" pflegt, wurde als drittes von sechs Kindern geboren, der Vater war Lebensmittelhändler und Betreiber einer Teestube. Trotzdem gelang es Modi zu studieren, und er kletterte zügig die politische Karriereleiter empor. Bis ganz nach oben.

Seine Frau


Dass Modi schon seit 1968 mit der Lehrerin Jashodaben verheiratet ist, war lange nicht bekannt - Modi schien mit seiner Arbeit verbandelt und pflegte akribisch das Image vom asketischen Hindu. Im Wahlkampf 2014, als er notgedrungen seinen Familienstand angeben musste, kam die Wahrheit dann ans Licht: Die beiden waren "Opfer" einer arrangierten Hochzeit. Geändert hat es nichts: Modi hat so gut wie keinen Kontakt zur First Lady Indiens.

Seine Gegner


Rahul Gandhi wollte Premier für die Kongresspartei werden, seine charismatische Schwester Priyanka sollte helfen. Gegen den populären Modi kamen sie aber nicht an. Es wäre ein tolles Comeback gewesen, denn die Gandhis hatten sich von der Politik eigentlich schon abgewandt. Zu viel Schmerz war damit verbunden - drei Premiers stellte die Familie und zwei wurden bei Attentaten getötet.

Seine Speerspitze


Shaktikanta Das hat als inzwischen dritter Notenbank-Chef der Ära Modi die Zinsen gesenkt. Dem Premier gefällt das. Die Notenbank habe die Wirtschaft anzukurbeln! Eine gefährliche Einflussnahme. Modi will auch, dass Indien bald "bargeldlos" wird. Dafür braucht er den Notenbanker. Macht er nicht mit, wird er wohl bald arbeitslos.

Seine Anhänger


Modi mobilisiert die Massen: die Armen, die Unzufriedenen. Aber auch die "Prominenz". Etwa den Yogi Baba Ramdev (l.), der mit seinem Handelsunternehmen Patanjali Konzernen wie L’Oréal und Nestlé Konkurrenz macht. Er macht Wahlkampf für Modi und die hindu-nationalistische Partei. Ein echter Fan ist auch Anand Mahindra, Milliardär und Chef der Mahindra Group. "Dieser Mann ist eine Naturgewalt", sagt er begeistert über Modi.

Sein Nachbar


Indien und Pakistan sind sich feind. Die Freilassung eines von Pakistan abgeschossenen indischen Luftwaffenpiloten ändert daran auch nichts. Pakistans Premier, der einstige Kricket-Star Imran Khan, will zwar reden, sein Gegenüber Modi aber nicht. Der sei "nicht in der Stimmung", heißt es. Khan müsse erst einmal alle Terrororganisationen beseitigen. Die Rhetorik ist hart, und die internationale Diplomatie hat es schwer, die Konfrontation der Atommächte zu entschärfen.

Sein Strippenzieher


Journalisten meidet Modi. Für Fragen ist Wahlkampfstratege und Parteichef Amit Shah zuständig. Er ist Modis engster Vertrauter und organisiert die Wahlkämpfe: mit viel Geld und ausgeklügelten Methoden. 2014 stand Shah im Fokus, weil ein Richter, der gegen ihn ermittelte, unerwartet an einem Infarkt starb. Shah blieb unbehelligt.