Das strategisches Re‑Balancing dieser Hamburger Biotech-Firma kommt nach dem abgeschlossenen Verkauf einer Tochtergesellschaft voran. Auch die Aktie sendet erste Lebenszeichen
Die in den letzten vier Jahren schwer gebeutelte Evotec-Aktie hat zuletzt Lebenszeichen gesendet. Wiederholt lief sie die 200‑Tage-Linie von unten an. In diesem Zuge wurde auch mehrfach der übergeordnete Abwärtstrend überwunden, allerdings war diese Entwicklung bislang nicht nachhaltig. Dennoch spricht aktuell einiges dafür, dass die Aktie von der aufgebauten charttechnischen Unterstützung im Bereich von 5,90 Euro zurück in die Spur finden könnte.
Operativ ist 2025 ein Übergangsjahr. In den ersten neun Monaten 2025 sank der Konzernumsatz um sieben Prozent auf 535,1 Millionen Euro, die Bruttomarge fiel auf 6,7 Prozent. Weiterhin befinden sich die Hamburger tief in der Verlustzone, das bereinigte Ebitda stand nach den ersten drei Quartalen bei minus 16,9 Millionen Euro, der Periodenfehlbetrag summiert sich auf 118,1 Millionen, und der operative Cashflow betrug minus 72,8 Millionen Euro.
Die Schwäche sitzt vor allem im Segment Discovery & Preclinical Development (D&PD). Dort gingen die Erlöse um zwölf Prozent auf 392,1 Millionen Euro zurück, die Bruttomarge rutschte auf 8,1 Prozent. Das bereinigte Ebitda im Segment lag bei minus 18,8 Millionen Euro. Positiv hervorzuheben ist, dass Evotec bereits auf eine steigende Zahl und einen wachsenden Wert der Bestellungen sowie weniger negative Auftragsänderungen verweist.
Stabilisierend wirkt dagegen Just — Evotec Biologics (JEB). Das Segment wuchs im gleichen Zeitraum um elf Prozent auf 143,2 Millionen Euro, das bereinigte Ebitda war mit 1,9 Millionen positiv. Noch ist die Skalierung kostspielig, die JEB‑Bruttomarge lag bei lediglich 2,7 Prozent.
Der Fokus liegt auf Vereinfachung
Die Losung des Managements um CEO Christian Wojczewski, der seit rund eineinhalb Jahren am Ruder ist, lautet daher Vereinfachung. Das Projektportfolio soll um rund 30 Prozent verschlankt werden. Für 2025 bestätigt das Unternehmen das Ziel, Umsätze von 760 bis 800 Millionen Euro erreichen zu wollen, flankiert von Einsparungen von mehr als 60 Millionen. Mittelfristig strebt Evotec für die Jahre bis 2028 ein Umsatzwachstum von acht bis zwölf Prozent pro Jahr sowie für 2028 eine bereinigte Ebitda‑Marge von über 20 Prozent an.
Bilanzseitig ist der im November letzten Jahres geschlossene Sandoz‑Deal für den SDAX-Konzern von zentraler Bedeutung. Für die Toulouse‑Anlage sind rund 350 Millionen US-Dollar in bar vereinbart. Zusätzlich sieht der Lizenzdeal 58 Millionen Dollar zum Closing Anfang Dezember 2025 sowie 25 Millionen 60 Tage später vor. Über künftige Meilensteinzahlungen kann die Summe auf rund 300 Millionen ansteigen. Kapital, das Evotec gut gebrauchen kann, denn die liquiden Mittel lagen per 30. September 2025 bei 174,0 Millionen Euro.
Nach Jahren des Niedergangs standen die Zeichen für eine Trendwende selten so gut wie aktuell, dass Evotec die eingeschlagene Strategie und die Kostendisziplin nun auch in belastbare Zahlen ummünzen kann. Der Konzern refokussiert sich klar auf seine Wurzeln und verfolgt einen weniger kapitalintensiven Biologics‑Ansatz. Wir erhöhen daher das Kursziel für die Aktie und ziehen den Stoppkurs entsprechend nach.
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