"Ich denke, dafür ist es noch zu früh", sagte die Chefin des Fed-Bezirks Kansas City, Esther George, am Donnerstag in einem CNBC-Interview über die Höhe des nächsten Zinsschritts. Sie betonte am Konferenzort Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming, es stünden zunächst noch wichtige Daten an. Damit dürften vor allem die Verbraucherpreise für August gemeint sein, die Mitte nächsten Monats und damit kurz vor dem nächsten Fed-Zinsentscheid anstehen. Dieser ist für den 21. September terminiert.

Händler sehen momentan eine etwas größere Chance auf eine dritte Zinserhöhung um 75 Basispunkte seitens der Fed, verglichen mit einer kleineren Zinserhöhung um 50 Basispunkte. Der Chef des Fed-Ablegers Atlanta, Raphael Bostic, sagte dem "Wall Street Journal", er sei noch unentschlossen, ob es einen halben Punkt oder um 0,75 Prozentpunkte nach oben gehen solle. Es sei noch zu früh davon zu sprechen, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht habe.

Die Verbraucherpreise waren im Juli um 8,5 Prozent gestiegen und damit nicht mehr ganz so stark wie noch im Juni mit 9,1 Prozent. Die Federal Reserve (Fed) kämpft gegen die ausufernde Inflation an und hat seit der Zinswende im März das geldpolitische Niveau stetig erhöht. Es liegt in einer Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent.

KÜNFTIGE ZINSPAUSE?


Powell hat Leitzinsen von 3,0 bis 3,5 Prozent bis Jahresende als anzustrebendes "moderat restriktives Niveau" bezeichnet, wobei die Wirtschaft bereits leicht gebremst wird. Der Präsident des Fed-Bezirks von Philadelphia, Patrick Harker, sagte CNBC in Jackson Hole, er wolle ein Niveau von über 3,4 Prozent sehen. Danach könne man womöglich eine Zeitlang pausieren. Doch wenn es die Datenlage erfordere, sollten weitere Erhöhungen folgen. "Wir müssen die Inflation unter Kontrolle bringen, das ist unsere Aufgabe." Auch er wollte sich nicht auf die Höhe des nächsten Zinsschritts festlegen. Doch sei auch eine Anhebung um 50 Basispunkte durchaus "kräftig", betonte Harker.

An den Finanzmärkten geht die Furcht um, dass die Notenbank mit einem zu aggressiven Kurs eine Rezession auslösen könnte - also eine wirtschaftliche Schwäche auf breiter Front. Mit bangem Blick schauen Anleger daher auf die Rede Powells, der am Freitag am zweiten Tag der von der Federal Reserve Bank of Kansas City seit 1978 ausgerichteten Konferenz sprechen wird.Read full story Der oberste Währungshüter der USA dürfte bei dem Auftritt in Wyoming laut Experten Erwartungen dämpfen, dass die Fed bereits im nächsten Jahr ihren Kurs ändern und auf Zinssenkungen umschwenken wird. "An den Finanzmärkten herrscht eine hohe Nervosität, da die Investoren mit Inflationsbedenken, Sorgen vor einer weiteren Straffung der US-Geldpolitik und Rezessionsängsten zu kämpfen haben", sagte Konstantin Oldenburger, Marktanalyst von CMC Markets.

Wie das Handelsministerium in Washington mitteilte, ist die Wirtschaft zwischen New York und Los Angeles im Frühjahr allerdings nicht so stark geschrumpft wie zunächst gedacht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im zweiten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 0,6 Prozent zurück und nicht wie mit einer ersten Schätzzahl gemeldet um 0,9 Prozent. Zu Jahresbeginn war das BIP bereits um 1,6 Prozent gesunken. Die USA stecken damit in einer sogenannten technischen Rezession - also zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaftsleistung in Folge.

rtr