Mit neuer EU-Verordnung, Preismacht-Comeback und hohen Aufträgen steht dieses Unternehmenvor einem Aufschwung. Der Aktienkurs zog bereits an, aber Anleger können noch zugreifen.
Die Aktie von Voestalpine hat einen Lauf: Seit der BÖRSE-ONLINE-Empfehlung im Herbst, Ausgabe 47/25, legte der Titel bereits um rund 15 Prozent zu. Innerhalb eines Jahres hat er sich sogar verdoppelt. Dabei scheint es so, als ob die Branche jetzt erst richtig Anlauf nimmt. Ein Ausrufezeichen setzte etwa der Stahlhändler Klöckner, der vor Kurzem mit einer hohen Prämie übernommen wurde.
Während europäische Stahlaktien 2025 letztlich 50 Prozent besser liefen als der MSCI Europe — entgegen sinkender Gewinne und den schwächsten Quartalsergebnissen seit 2020 —, bahnt sich nun auch ein operativer Neustart für 2026 an. Politischer Rückenwind und Marktdynamik passen aktuell sehr gut zusammen. So zieht die Europäische Union momentan die Schutzmauer hoch: Am 7. Oktober wurde vorgeschlagen, die zollfreie Stahlimportquote ab dem zweiten Quartal 2026 um 47 Prozent auf 18 Millionen Tonnen zu senken. Europäische Konzerne sollen damit vor allem vor Billigware aus China geschützt werden. Mit weitem Abstand wird im Reich der Mitte am meisten Stahl produziert. Die bestehende Regelung läuft am 30. Juni 2026 aus. Das Europaparlament entscheidet in Kürze — eine Annahme gilt als wahrscheinlich.
Damit bekommen insbesondere Stahlkonzerne mit hohem EU-Anteil und effizienten Kostenstrukturen eine höhere Preissetzungsmacht. Doch damit nicht genug: Durch das ab Anfang 2026 geltende CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) verteuern sich Billigimporte drastisch. Importeure sollen dann für CO2-Emissionen ihrer Produkte bezahlen. Die Benachteiligung gegenüber Wettbewerbern aus Ländern mit laxen Umweltvorschriften wird dadurch deutlich herabgesetzt.
Stark aufgestellt
Für Voestalpine kommt die Trendwende zur perfekten Zeit. Der Stahlspezialist dominiert etwa bei Bahn- und Hochregallagersystemen. Mitte des Monats meldeten die Linzer den größten Auftrag in der Firmengeschichte: Für einen führenden türkischen Logistikdienstleister errichtet Voestalpine ein Hochregallagersystem mit einem Auftragsvolumen in Höhe von rund 41 Millionen Euro. Nicht der einzige Deal. In den Niederlanden wurden zuletzt zwei 45 Meter hohe Hochregallager für das Distributionszentrum des Einrichtungshändlers Jysk fertiggestellt. Ein weiteres Prestigeprojekt wird aktuell in Großbritannien realisiert.
Mit Premiumsystemlösungen ist der Konzern führend in der Automobil- und Maschinenbauindustrie sowie der Luftfahrt- und Energieindustrie und ist Weltmarktführer bei Bahninfrastruktursystemen. Hier prognostiziert etwa JP Morgan solide Auftragseingänge für die Jahre 2026 bis 2028. Der Gewinn je Aktie wird in diesem und im kommenden Geschäftsjahr (Ende 31/03) kräftig zulegen. Die Österreicher werden von der Wende am Stahlmarkt profitieren, die Aktie bleibt ein Kauf. Wir ziehen Stopp- und Zielkurs nach.
Diser Artikel stammt aus BÖRSE ONLINE 06/2026
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