"Wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um zu prüfen, was die richtige längerfristige strategische Positionierung von Sandoz ist", sagte Konzernchef Vasant Narasimhan am Dienstag bei der Vorlage der Quartalszahlen. Auf dem Tisch lägen alle Optionen - ein Verbleib der Sparte im Konzern bis hin zu einer Trennung, etwa über einen Verkauf oder einen Börsengang. Bis Ende 2022 solle eine Entscheidung fallen. Mit Marken wie Hexal und 1A Pharma gehört Sandoz neben Teva aus Israel und dem US-Konzern Viatris zu den drei größten Generika-Konzernen der Welt.

Über eine Abspaltung oder Veräußerung der Sparte, die mit knapp zehn Milliarden Dollar Umsatz für ein Fünftel des Novartis-Jahresumsatzes steht, in punkto Rentabilität dem dominierenden Geschäft mit patentgeschützten Medikamenten aber hinterherhinkt, wurde wiederholt spekuliert. Sandoz bekam zuletzt die coronabedingt gedämpfte Nachfrage nach Arzneien merklich zu spüren. Zudem kämpft der wettbewerbsintensive Sektor seit Jahren mit Preisdruck, vor allem im weltgrößten Gesundheitsmarkt USA. Das führte in den vergangenen Jahren zu einer Konsolidierungswelle und zahlreichen Milliardendeals in der Branche - der größte davon 2016, als Teva Actavis für 40,5 Milliarden Dollar übernahm. 2020 ging Viatris aus der Fusion des Generika-Herstellers Mylan mit der Pfizer-Sparte Upjohn hervor, in der der US-Pharmariese sein Geschäft mit patentfreien Produkten und Generika gebündelt hatte. In Deutschland schluckten seit 2005 etwa Sandoz das Unternehmen Hexal, die indische Dr. Reddy's die Firma Betapharm und Teva den Hersteller Ratiopharm.

BÖRSIANER ANGETAN


Novartis hat vor einigen Jahren begonnen, Sandoz zu verselbstständigen, sich bislang allerdings hinter die Sparte gestellt. Einfach dürfte es für den Konzern, der 2019 sein Augenheilgeschäft Alcon abgespalten und an die Börse gebracht hatte, nicht werden. Denn ein Verkauf an einen großen Konkurrenten würde wohl kartellrechtliche Fragen aufwerfen. Und ein Börsengang könnte sich angesichts der niedrigen Bewertungen in dem Sektor als schwierig erweisen: Generika-Hersteller sind derzeit an der Börse etwa soviel wert wie sie an Umsatz im Jahr erzielen. In die Bresche springen könnten Finanzinvestoren, die über volle Kassen verfügen und in der Pharmabranche zunehmend mutiger agieren. Im September zahlten die amerikanische Private-Equity-Firma Advent und der Staatsfonds GIC aus Singapur acht Milliarden Dollar für die schwedische Biotech-Firma Sobi.

Bei den Anlegern kam die Neuigkeit gut an. Mit einem Kursplus von 1,5 Prozent gehörte Novartis zu den größten Gewinnern unter den europäischen Gesundheitswerten. "In Anbetracht der anhaltenden Beeinträchtigung des Wachstums von Novartis durch Sandoz wird die Ankündigung einer strategischen Überprüfung wahrscheinlich positiv aufgenommen", erklärten die Analysten von JP Morgen. Es bleibe allerdings abzuwarten, ob eine Trennung der Geschäftsbereiche wertsteigernd sei.

JAHRESPROGNOSE BEKRÄFTIGT


Nach neun Monaten sieht sich Novartis auf Kurs zu den angepeilten Jahreszielen. Wechselkursschwankungen ausgeschlossen soll der Umsatz 2021 um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag steigen, bekräftigte das Unternehmen. Der um Sonderfaktoren bereinigte operative Gewinn soll um einen mittleren einstelligen Prozentbetrag und stärker als die Verkaufserlöse zulegen. Im dritten Quartal wuchs der Umsatz währungsbereinigt um fünf Prozent auf 13,03 Milliarden Dollar und der bereinigte Betriebsgewinn um neun Prozent auf 4,47 Milliarden Dollar. Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 2,76 Milliarden Dollar.

Während die Verkaufserlöse mit den patentgeschützten Arzneien - Innovative Medicines genannt - sieben Prozent anzogen, schrumpfte der Sandoz-Umsatz um zwei Prozent. Beim bereinigten Gewinn stand ein 13-prozentiges Plus einem Rückgang von 15 Prozent gegenüber.

rtr