Die Einschläge bei Private-Credit-Fonds werden zahlreicher. Nachdem Blackrock Rückzahlungen aussetzte, zieht nun JPMorgan die Zügel an: Die US-Großbank wertet Kredite an Softwarefirmen ab – und will den Private-Credit-Fonds dafür künftig weniger Geld leihen.
Der kometenhafte Aufstieg des „Private Credit“-Sektors bekommt immer mehr Risse. Die Branche vergibt Kredite außerhalb klassischer Banken, oft in Fonds verpackt – bekommt Risse, die selbst Börsenprofis nicht mehr wegwischen können. Auf der einen Seite steht BlackRock, das sich mit einer 12 Milliarden-Dollar-Übernahme von HPS Investment Partners groß in dieses Geschäft eingekauft hat. Auf der anderen Seite steht JPMorgan Chase, die größte US-Bank, die gerade ein Signal sendet, das in der Kreditwelt viel beachtet wird: Sie wird vorsichtiger, vor allem bei Krediten rund um Softwarefirmen.
JP Morgan gegen Blackrock
An diesem Punkt stoßen die beiden Kolosse jetzt aufeinander: BlackRock hat vergangene Woche die Rückzahlungen aus seinem Flaggschiff-Fonds HPS für Anleger begrenzt. Offenbar wollten nervöse Anleger mehr Kapital abziehen, als liquide vorhanden war – schließlich wurden die Einlagen verliehen. Blackrock konnte aber nur einen Teil der Auszahlungswünsche begleichen – etwa die Hälfte. Der Rest muss warten. An der Börse kam das gar nicht gut an: BlackRock-Aktien rutschten auf den niedrigsten Stand seit Mai.
Das ist der entscheidende Knackpunkt, an dem zuvor auch schon Blue Owl Capital gescheitert war, einer der größten Player im Private-Credit-Markt: Viele Private-Credit-Fonds werben mit attraktiven laufenden Erträgen, funktionieren aber nur, wenn nicht zu viele gleichzeitig „durch die Tür“ wollen. Wenn dann Rückgaben gedeckelt werden, ist das Teil der Spielregeln – aber es fühlt sich für Anleger trotzdem wie ein Schock an. Weil sie die Fonds mit einer herkömmlichen Geldanlage verglichen und dabei ignorierten, dass ihr Geld erst einmal gebunden ist.
Klumpenrisiko Software-Kredite
Doch nun taucht ein zweites Problem auf: Viele Private-Credit-Fonds haben vor allem Kredite für Software- und KI-Projekte vergeben – und die dort vergeben Summen zum Teil ihrerseits per Kreditaufnahme bei klassischen Banken weiter aufgebläht. Doch denen wird das Geschäft jetzt zu heiß. Die Financial Times berichtet, dass JPMorgan bestimmte Kredite in seinen Portfolios abgewertet hat. Es geht um Darlehen an Softwareunternehmen; ein Bereich, der zuletzt besonders unter Beobachtung stand. Gleichzeitig strafft JPMorgan die Kreditvergabe an Kunden aus der Private-Credit-Branche: Die Bank will künftig weniger Geld verleihen, wenn solche Kredite als Sicherheit hinterlegt werden. Denn genau das war die gängige Praxis.
Warum trifft es ausgerechnet Software-Kredite?
Viele Softwarefirmen wurden in den vergangenen Jahren mit viel Optimismus finanziert. Jetzt aber verlangsamt sich das Wachstum in diesem Sektor, weil Kunden sparen oder verstärkt auf KI-Agenten umsteigen. Gleichzeitig machen steigende Zinsen Refinanzierungen teurer, dadurch steigt das Risiko von Zahlungsausfällen. Genau davor warnte zuletzt auch Apollo-Chef Marc Rowan: Eine Welle steigender Ausfälle bei Softwarekrediten könne den Private-Credit-Markt „durchschütteln“, sagte Rowan.
Warum aber brauchen Private-Credit Fonds überhaupt Bankkredite? Einerseits nutzen sie sie als Hebel, um noch höhere Summen verleihen zu können. Andererseits dient das Geld als Liquiditätspuffer, um Anteilseigner auszahlen zu können. Wenn nun Banken wie JPMorgan vorsichtiger werden und weniger Geld verleihen, wird das System enger – und für die Private-Debt-Fonds teurer.
Was heißt das für den Markt?
All das macht die Investoren in den Fonds noch unruhiger – und führt dazu, dass noch mehr von ihnen ihr Geld zurückfordern. Dieser Dominoeffekt erinnert stark an die Anfänge der Finanzkrise, als erste Investoren ihr Geld aus verbrieften Immobilienkredit-Portfolien abziehen wollten – und feststellten, dass die Ausfallraten der Darlehen darin bereits stark gestiegen waren.
So weit ist es am Private Credit-Markt noch nicht – versichern die Fondsemittenten. Blue Owl, das einen ersten Notverkauf vornham, um flüssig zu werden, konnte dabei ein Kreditportfolio für 97 Prozent des Nennwerts veräußern - also quasi ohne Abschläge. Es scheint also, als würde der Markt (noch) nicht „implodieren“. Aber wenn ein großer Banken-Player wie JPMorgan vorsichtiger wird, ist das oft ein Frühindikator dafür, dass sich Kreditstandards verschärfen – und dass Bewertungen in manchen Nischen zu optimistisch waren.
Eine echte Kreditkrise träfe alle - zuerst die Banken
Zudem könnte die Einschränkung bei den Krediten an die Softwarebranche nur der Vorbote für weitere Verschärfungen der Finanzierungsbedingungen sein. Dann gerieten auch andere, hochverschuldete Unternehmen unter Druck. Dazu gehören beispielsweise die amerikanischen BDCs (Business Development Companies) oder auch einige Immobiliengesellschaften. Fallen dann Kreditrückzahlungen aus, würde es erneut den Bankensektor treffen.
Für diesen Fall will JPMorgan vorbeugen. Deshalb verlässt die Großbank in weiser Voraussicht jetzt schon die Party. Es wäre nicht das erste Mal, dass andere die Risiken ignorieren und weitertanzen – bis sie damit eine neue Börsenkrise auslösen.
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Was sind Private-Credit-Fonds?
Private-Credit-Fonds, oft auch kurz als "Private Debt" bezeichnet, stellen Unternehmen Fremdkapital zur Verfügung, obwohl sie selbst keine Banken sind, sondern privat organisiert (daher Private Debt). Diese Fonds haben sich in den vergangenen Jahren vor allem in den USA zu einer wichtigen Finanzierungsquelle für die Realwirtschaft entwickelt. Unternehmen, die keinen Zugang zu traditionellen Bankkrediten oder öffentlichen Anleihemärkten haben – etwa aufgrund ihrer Bonität, ihres Risikoprofils oder ihrer Größe – wenden sich zunehmend an Private-Debt-Fonds und andere alternative Kreditgeber. Dies gilt insbesondeer für die KI-Branche.
Warum ist der Anteil von Krediten an Software- und KI-Unternehmen so hoch?
Im Boom rund um die Künstliche Intelligenz (KI) werden gealtige Investitionssummen für den Aufbau von KI-Rechenzentren benötigt. VIle Banken sidn aber nicht mehr willens, weitere Kredite an die Branche zu vergeben, weil sie Klumpenrisiken fürchten.
Warum aber nehmen Private-Credit Fonds überhaupt Kredite von normalen Banken auf?
Einerseits nutzen sie sie als Hebel, um noch höhere Summen verleihen zu können. Andererseits dient das Geld als Liquiditätspuffer, um Anteilseigner auszahlen zu können, die ihre Fondsanteile zurückgeben möchten. Wenn nun Banken wie JPMorgan vorsichtiger werden und weniger Geld verleihen, entzihet das dem Private Debt-Markt Liquidität – und die Kredite werden in der Regel auch teurer.