Das griechische Schuldendrama hat auch am Dienstag an den europäischen Aktienbörsen für Zurückhaltung gesorgt. "Viele Anleger wollen abwarten, wie der letzte Akt ausgeht", sagte ein Händler. Der Dax notierte am frühen Nachmittag mit 10.878 Punkten 0,4 Prozent niedriger, der EuroStoxx50 lag kaum verändert bei 3433 Zählern. Für die Wall Street signalisierten die US-Futures einen leichteren Start in die Handelswoche - wegen eines US-Feiertages war die Börse am Montag geschlossen geblieben.

Bei den Verhandlungen über eine Lösung des griechischen Schuldenstreits hatten sich am Montag die Fronten verhärtet. Die Athener Regierung wurde aufgefordert, bis Freitag um eine Verlängerung des laufenden Hilfsprogramms zu bitten - es ist mit Sparauflagen behaftet, die die neue griechische Regierung vehement ablehnt. Die Volkswirte der Commerzbank sind skeptisch, dass es noch zu einer Einigung kommt. Sie hoben die Wahrscheinlichkeit eines Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone ("Grexit") auf 50 von 25 Prozent an. Derzeit sei trotz der relativ gelassenen Haltung der Anleger die tatsächliche Marktreaktion in einem solchen Fall schwer abzuschätzen, sagte CMC-Analyst Andreas Paciorek. "Allerdings wäre den Börsen wohl auch in diesem Fall ein Ende mit Schrecken lieber als ein Schrecken ohne Ende. An den Aktienmärkten möchte man das Thema Griechenland lieber heute als morgen abhaken."

An der Athener Börse gingen die Kurse auf eine Berg- und Talfahrt. Der Leitindex fiel um bis zu 4,7 Prozent, holte dann wieder auf und lag zeitweise 0,2 Prozent im Plus. Am Rentenmarkt fielen die Kurse der zehnjährigen Anleihen um fast vier volle Punkte, was im Gegenzug die Rendite auf 10,87 Prozent von 9,92 Prozent hochschnellen ließ. Für viele Anleger am Devisenmarkt hat ein "Grexit" seinen Schrecken verloren. Zwar rutschte der Euro zeitweise auf ein Tagestief von 1,1322 Dollar ab, doch stabilisierte er sich bis zum Nachmittag bei rund 1,14 Dollar.

Unterstützung kam vom Anstieg des ZEW-Index-Konjunkturindex. Die Daten untermauerten die positive Konjunkturlage in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone zum Jahresbeginn, erklärten die Analysten der BayernLB.

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GEWINNMITNAHMEN DRÜCKEN FINANZWERTE

Unter den Einzelwerten zählte im Dax die Deutsche Post mit einem Abschlag von 1,3 Prozent zu den größten Verlierern. Der niederländische Rivale TNT Express rechnet mit einem schwierigen Geschäftsjahr. TNT-Aktien verloren in der Spitze 11,8 Prozent auf 5,24 Euro. Zu den Schlusslichtern zählten auch die Aktien der Deutschen Börse, die 1,8 Prozent nachgaben. Der Frankfurter Börsenbetreiber legt am Mittwochabend seine Zahlen vor. Da die Umsätze zuletzt an der Börse rückläufig waren, verkauften einige die Aktien, sagte ein Händler. Lanxess verloren 1,3 Prozent. Offenbar reichte einigen die Beibehaltung der Dividende nicht.

Im MDax gaben Deutsche Wohnen zwei Prozent nach. Händler vermuten, dass der Wohnimmobilienkonzern sein Übernahmeangebot für den österreichischen Rivalen Conwert von 11,50 Euro erhöhen muss. Conwert legten an der Wiener Börse 1,9 Prozent auf 12,13 Euro zu. Die Analysten der Deutschen Bank hatten die Titel zum Kauf empfohlen und dabei das Kursziel mit 13,50 Euro deutlich über der Offerte von Deutsche Wohnen angesetzt.

Reuters