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Portugal meisterte die Corona-Krise bislang gut: Wo Sorgen aufkommen und wo sich Investments dennoch lohnen

Portugal meisterte die Corona-Krise bislang gut: Wo Sorgen aufkommen und wo sich Investments dennoch lohnen

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01.08.2020 04:50:00

Seit der Finanzkrise 2009 hat sich das Land gemacht. Auch durch die Corona-Krise kam man gut - bisher. Warum Sorgen aufkommen und wo es trotzdem gute Investments gibt. Von Martin Blümel

Vor ein, zwei Monaten war Portugal noch Musterknabe in Sachen Corona. Das Land wurde gelobt für die schnellen Reaktionen der Politik um Premierminister Antonio Costa und für vorbildliche Schutzmaßnahmen. So kam man glimpflich durch die Krise. Doch ausgerechnet zu Beginn der Tourismussaison hat sich das Blatt scheinbar gewendet.

Statt Erfolgsmeldungen kommen Nachrichten von Lockdown-Maßnahmen aus dem beliebten Urlaubsland, in dem fast 30 Millionen ausländische Touristen im vergangenen Jahr Ferien machten. In den Vorstädten von Lissabon hat Costa die Bewegungsfreiheit wieder eingeschränkt. So wie es bereits von Mitte März bis Anfang Mai, auf dem Höhepunkt der Epidemie, im ganzen Land der Fall war. Die Epidemie kommt zur Unzeit, hatte Portugal die zurückliegende Wirtschaftskrise doch gut bewältigt. Seit 2014 wächst die Wirtschaft wieder, 2019 ging es um immerhin 2,2 Prozent rauf. Jetzt wird es wohl um acht Prozent nach unten gehen. Dennoch herrscht Optimismus. "2019 war Portugal das Land, in dem die privaten Investitionen am stärksten gestiegen sind. Zudem hatten wir im vergangenen Jahr den höchsten Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in unserer Geschichte", sagt Finanzminister Siza Vieira im "Handelsblatt". Wegen des Corona-Virus und der US-chinesischen Spannungen überdenken viele Unternehmen ihre Lieferwege. Vorteil Portugal: Das Lohnniveau gehört zu den niedrigsten in der EU.

Die Börse spiegelt den Optimismus noch nicht wider (siehe Chart rechts). Gerade mal 39 gelistete Unternehmen gibt es dort; die zur Euronext-Gruppe gehörende Börse Lissabon ist damit einer der kleinsten Handelsplätze in Europa. Zusammen bringen es die Werte auf ein Gewicht von nur 58 Milliarden Euro. Das übertreffen allein sechs DAX-Unternehmen - jeweils.

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Der Leitindex PSI 20 besteht, anders als der Name vermuten lässt, derzeit nur aus 18 Werten, welche die erforderliche Kapitalisierung, Streuung und Liquidität aufbringen. Dies liegt auch daran, dass die Börse seit den Krisenjahren einstige Aushängeschilder verloren hat. So ist von der ehemals großen Portugal Telecom lediglich eine Minigesellschaft geblieben - Nachfolger Pharol verwaltet letztlich nur noch eine Beteiligung in Brasilien.


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Doch es gibt spannende Unternehmen, die auch Wachstumspotenzial haben. Korkproduzent Corticeira Amorim etwa. Mit 50 Prozent Marktanteil ist Portugal "Weltmeister" bei der Gewinnung und Verarbeitung von Kork. Pro Tag werden 40 Millionen Korken hergestellt, 28 000  Menschen arbeiten in der Branche. Rohstofflieferant sind Korkeichen, die vor allem im trockenen Süden des Landes gedeihen, während sich die Fabriken bei Lissabon und im Norden angesiedelt haben. Bedeutendster Produzent ist Corticeira Amorim, mit einer Historie, die bis ins Jahr 1870 zurückgeht. Das seit Jahr und Tag von der Familie Amorim geleitete Unternehmen ist weltweit führend bei der Herstellung von Weinkorken, hat aber mit auf Kork basierenden Produkten auch in Bereiche wie die Schuh- und Bauindustrie diversifiziert.

Corticeira Amorim profitiert vom Öko­trend. Weingüter von Frankreich bis China setzen wieder mehr auf echten Kork statt auf Kunststoffverschlüsse für ihre edlen Tropfen. Dazu kommt, dass Portugals Regierung den Anbau neuer Kork­eichen fördert, seit in den zurückliegenden Jahren große Flächen an Eukalyptus- und Pinienbäumen Waldbränden zum Opfer gefallen sind - Korkeichen sind feuerresistenter. Glück für Amorim, das auf Dauer neue Eichen benötigt, um die wachsende Nachfrage nach Flaschenkorken bedienen zu können. Denn Fakt ist: Korkeichen müssen vor der ersten Ernte 25 Jahre wachsen und dürfen danach nur alle neun Jahre geschält werden. Der Umsatz dürfte jährlich um mehr als 3,5 Prozent steigen. Der Kurs zog zuletzt leicht an, die Dividendenrendite liegt stabil bei rund drei Prozent.

Interessant ist auch CTT - Correios de Portugal, die Post des Landes. Die Aktie notiert in der Nähe historischer Tiefstwerte. Doch das könnte sich ändern, seit Greenwood Investors dort eingestiegen ist. Deren Chef Steven Wood sucht nach verborgenen Werten, und bei CTT wurde er fündig und ließ sich in den Verwaltungsrat wählen. Andere Investoren befürchten hohe Aufwendungen, weil CTT jedes Fleckchen in Portugal beliefern muss. Doch Wood sieht gerade das als Vorteil. Und das könnte sich mit Covid-19 bestätigen. Das Land, dessen Pro-Kopf-Anteil bei Paketen weit hinter dem anderer Länder liegt, holt in der Pandemie schnell auf. Der größte Teil des Mehrumsatzes landet bei CTT. Und das neue Management wird dafür sorgen, dass immer mehr auch unterm Strich hängen bleibt. Greenwood sieht CTT als den E-Commerce-Hub für das Land auch in Verbindung mit dem großen Nachbarn Spanien.

Ähnlich spannend ist der Energiebereich. Portugal schafft es seit Jahren, den Energiebedarf bis zu 60 Prozent über regenerative Quellen zu decken. Das ist einzigartig in Europa, zumal es sogar ohne Subventionspolitik gelingt. Führend dabei ist EDP Renováveis. Das Unternehmen setzt vor allem auf Windenergie und ist dank der Übernahme des US-Unternehmens Horizon Wind Energy weltweit das drittgrößte Unternehmen der Branche. Mehrheitsaktionär ist mit 78 Prozent EDP. Neben der dominanten Stellung auf der ganzen iberischen Halbinsel hat EDP Renováveis auch eine starke Position in Brasilien und ist in Frankreich, Belgien, Polen und in den USA aktiv. Ein Unternehmen mit Zukunft.


Bildquelle: 123RF, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE, BÖRSE ONLINE

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