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Reaktionen: Was die Ökonomen zum EZB-Entscheid sagen

Reaktionen: Was die Ökonomen zum EZB-Entscheid sagen
08.03.2018 16:39:42

Die Europäische Zentralbank hat die Option einer erneuten Ausweitung der vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe aus ihrem Ausblick gestrichen. Bisher hieß es, im Notfall könne das Programm hinsichtlich Umfang und/oder Dauer noch aufgestockt werden. In ihrem am Donnerstag veröffentlichten Ausblick führte die Notenbank diesen Passus nicht mehr auf.

Die EZB bekräftigte, dass die Schlüsselzinsen weit über die Zeit der Anleihenkäufe hinaus auf ihrem derzeitigen Niveau von null Prozent bleiben werden. Volkswirte sagten dazu in ersten Reaktionen:



JAN HOLTHUSEN, DZ BANK:



"Im Kommunique zur heutigen EZB-Ratssitzung fehlt nun das erste Mal der Hinweis, dass das Anleihekaufprogramm bei einer erneuten Verschlechterung des Umfelds auch wieder aufgestockt werden könnte. Die Währungshüter haben sich damit selbstbewusst gezeigt, ihren vorbereiteten Plan durchgezogen und nicht auf aktuelle Marktunsicherheiten wie Strafzölle, politische Unsicherheiten in Italien oder die jüngste Euro-Stärke reagiert. Die Falken haben dabei einen Tagessieg davongetragen, indem - entgegen aktueller Marktspekulationen - die Forward Guidance weniger expansiv gestaltet wurde."


UWE BURKERT, LBBW-CHEFVOLKSWIRT:



"Der Markt hat auf die Entscheidung der Währungshüter, den Easing Bias zu streichen, zwar überrascht, aber nicht besonders heftig reagiert. Der Euro hat zum US-Dollar zunächst etwas aufgewertet, die Gewinne dann aber schnell wieder abgegeben. Vielleicht macht diese eingeschränkte Marktreaktion der EZB auch Mut für etwas beherztere Schritte in Richtung Normalisierung der Geldpolitik. Klar scheint auch, dass der Markt mit dem absehbaren Ende der Nettokäufe auf die nächste Schrittfolge - die Erhöhung der Leitzinsen - spekulieren wird. Ebenso klar scheint aber derzeit, dass die EZB damit keine Eile hat und etwa bis Mitte 2019 mit einem solchen Schritt warten wird."

CHRISTIAN OSSIG, HAUPTGESCHÄFTSFÜHRER VOM BANKENVERBAND:



"Die EZB geht nur mit sehr kleinen Trippelschritten in Richtung Ausstieg aus der extrem expansiven Geldpolitik. Heute hat sie sich von der Option verabschiedet, das Aufkaufprogramm gegebenenfalls wieder aufzustocken. Als nächsten Schritt sollte sie nun bald klare Hinweise geben, dass das Aufkaufprogramm im Herbst dieses Jahres nicht mehr verlängert wird. Wichtig ist ferner, dass nun auch das Ende der Negativzinsen kommunikativ vorbereitet wird."

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW:



"Es ist zu begrüßen, dass die EZB die Kommunikation zu den Anleihekäufen verändert. Hier deutet sich endlich der lange erwartete Einstieg in das Ende der Käufe an. Dieses Signal ist wenige Tage nach der Wahl in Italien besonders hilfreich.

Das starke Abschneiden populistischer Parteien bei der italienischen Parlamentswahl hat die Unsicherheit über die ökonomische Erholung des südeuropäischen Landes stark erhöht. Die EZB macht nun deutlich, dass sie keine Geldpolitik für Italien, sondern für die Euro-Zone macht. Dies ist ein wichtiges Signal an eine künftige italienische Regierung. Diese darf nicht erwarten, dass eine unverantwortliche Finanzpolitik von der EZB finanziert wird."

RALF UMLAUF, HELABA:



"Während die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer eine unveränderte Geldpolitik erwartet hatte, kommen die Veränderungen im begleitenden Statement auch für uns überraschend. Der Ausblick wurde dahingehend geändert, dass eine zeitliche und volumenmäßige Ausweitung der Anleihekäufe nun nicht mehr explizit genannt wird, ausgeschlossen wird sie aber ebenso wenig. Unseres Erachtens ist dies ein Hinweis auf ein Ende des Wertpapierprogramms im Herbst. Die Forward Guidance bezüglich der Zinspolitik ist unverändert und so sollten Zinserhöhungen der EZB vor 2019 nicht ins Kalkül gezogen werden."

ALEXANDER KRÜGER, BANKHAUS LAMPE:



"Die EZB hat ihre Lockerungsneigung aufgegeben. Sie wird ihre Rhetorik nun immer stärker Richtung Ausstieg verändern. Wir gehen davon aus, dass sie im Juni ein Enddatum für ihre Wertpapierkäufe benennen wird."


Bildquelle: Kai Pfaffenbach/Reuters

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