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Reaktionen: Was die Volkswirte zur Zinserhöhung der EZB sagen

Reaktionen: Was die Volkswirte zur Zinserhöhung der EZB sagen

WKN: 931020 ISIN: US7135693098 Per-Se Technologies Inc.

14.06.2018 15:22:47

Die Europäische Zentralbank kündigt angesichts der verbesserten Konjunktur und einer höheren Inflation das Ende ihrer billionenschweren Anleihenkäufe an. Die vor allem in Deutschland umstrittenen Transaktionen sollen zum Jahresende auslaufen, wie die EZB nach ihrer Zinssitzung in Riga mitteilte. Hierzu erste Stimmen aus Wirtschaft und Instituten:

THOMAS GITZEL, VP BANK:



"Die europäischen Währungshüter werden heute ungewöhnlich deutlich. Während das Ende der Anleihenkäufe zum Jahresende 2018 weitgehend erwartet worden war, ist die Aussage zu den Zinsen für eine Notenbank außergewöhnlich unverklausuliert. Mario Draghi beugt damit Spekulationen einer baldigen Zinserhöhung vor. Die Währungshüter wollen damit eine Aufwertung des Euro verhindern. Tatsächlich reagierte der Euro nach Veröffentlichung des Pressetextes mit Schwäche. Dies zeigt einmal mehr, dass die Wechselkursnotierungen einige Zinserhöhungsfantasien in sich trugen.


Mario Draghi gelingt einmal mehr ein schwieriger kommunikativer Spagat. Während die Aussicht auf eine Einstellung der Anleihenkäufe den Euro möglicherweise unter Aufwertungsdruck gebracht hätte, ist das Gegenteil der Fall. Das Beibehalten eines niedrigen Zinssatzes bis mindestens Sommer 2019 enttäuscht die Märkte und führte sogar zu einer Euro-Schwäche. Die EZB bleibt jedenfalls noch für einen sehr langen Zeitraum eine sehr expansive Notenbank."


ANDREAS MARTIN, VORSTANDSMITGLIED BVR:



"Die Entscheidung der EZB, ihr Anleihen-Kaufprogramm zum Ende dieses Jahres auslaufen zu lassen, war überfällig. Nun sollte die EZB auch die Zinswende möglichst bald im Jahr 2019 einleiten. Strafzinsen auf Bankeinlagen bei der EZB passen nicht zu einem Währungsraum, der sich im vierten Jahr des Aufschwungs befindet."

ISABEL SCHNABEL, WIRTSCHAFTSWEISE:



"Selbst wenn die EZB die Anleihenkäufe zum Jahresende beendet, bleibt die Geldpolitik sehr expansiv. Bedeutsam ist vor allem die Ankündigung, dass die Zinsen lange nicht erhöht werden. Ich halte es daher für voreilig, schon jetzt von einer Wende in der Geldpolitik zu sprechen, zumal sich die EZB die Option offenhält, das Kaufprogramm doch fortzusetzen."

ALEXANDER KRÜGER, BANKHAUS LAMPE:

"Die EZB hat ihre Kommunikation deutlich geändert. Sie diagnostiziert nun hinreichende Fortschritte, ihr Inflationsziel zu erreichen. Ungewöhnlich forsch hat sie daraufhin das Ende der Wertpapierkäufe bereits besiegelt und auch die Zins-Forward-Guidance angepasst. Danach sind Leitzinserhöhungen ab Herbst 2019 möglich."

UWE BURKERT, LBBW:



"Die EZB hat sich viel Zeit gelassen mit ihrem Einstieg in den Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik. Die letzen 45 Milliarden Euro Nettokäufe sind wohl vor allem zur Gesichtswahrung nötig. Inzwischen kommt sie durch die makroökonomischen Daten unter Druck und vielleicht auch durch das Tempo der Zinserhöhungen in den USA. Der Markt wird ab jetzt vor allem über das Datum der ersten Zinserhöhung spekulieren. Nach eigener Aussage der EZB wohl erst nach dem Sommer 2019 - das wäre dann im September 2019. Sie könnte entgegen der Verlautbarung der EZB früher kommen, wenn der Inflationsdruck doch schneller steigt als gedacht, sie könnte aber auch später erfolgen, wenn die gegenwärtige leichte Konjunkturschwäche länger andauert."

CARSTEN BRZESKI, ING:



"Das ist zumindest teilweise ein unerwarteter Schwenk in der Kommunikation. Die EZB hat zugleich einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung eines sanften Ausstiegs aus der lockeren Geldpolitik getan. Doch es ist noch keine Entscheidung per se, sondern eine Absichtserklärung."

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW:



"Der EZB-Rat hat den Einstieg in das Ende der Anleihenkäufe zu einem günstigen Zeitpunkt angekündigt. Vertreter der neuen italienischen Regierung haben durch verschiedene Äußerungen zuletzt signalisiert, dass sie die Unterstützung der EZB für unverzichtbar mit Blick auf eine Lösung des italienischen Schuldenproblems halten. In dieser Lage hat die EZB der Euro-Zone nun endlich ein glaubwürdiges Signal gegeben, dass sie sich nicht durch eine italienische Drohkulisse ihre geldpolitischen Entscheidungen diktieren lässt. Sonst hätte sich der Eindruck verdichtet, dass inzwischen die Fiskalpolitik die Geldpolitik vor sich her treibt."

THOMAS ALTMANN, QC PARTNERS:



"Die ultra-lockere Geldpolitik geht in die Verlängerung. Viele haben mit einem etwas früheren Ende der Anleihenkäufe gerechnet. Bis jetzt sind einige von einer ersten Zinserhöhung im Juni ausgegangen. Nach der heutigen Kommunikation dürfte sich dies weiter nach hinten verschieben. Die Kommunikation der EZB ist ungewöhnlich klar. Offensichtlich will sie mögliche Turbulenzen an den Kapitalmärkten bereits im Vorfeld eindämmen. Die EZB hatte offensichtlich große Angst, beim Timing der ersten Zinserhöhung falsch verstanden zu werden."

HOLGER SCHMIEDING, BERENBERG BANK:



"Die Neuigkeit ist die unerwartete Klarheit. Es kommt etwas überraschend, dass sich die EZB so derart weit aus dem Fenster lehnt. Es müsste einen dramatischen Einbruch beim Wirtschaftwachstum geben, damit sie von dieser recht klaren Festlegung wieder abrücken und ihre Anleihenkäufe 2019 verlängern würde. Gleichzeitig hat sie mit der Festlegung, ihre Zinsen nicht vor September 2019 steigen zu lassen, eine weiche Botschaft ausgesendet. Auch hier hat sie sich überraschend deutlich festgelegt. Alles in allem ist das etwas, was die Märkte beruhigt und die Spannung etwas herausnimmt."

JÜRGEN MICHELS, BAYERNLB:



"Die Aussagen zum Ende der Nettokäufe des QE-Programms und zum weiteren Verlauf der Zinsen waren viel expliziter als von uns erwartet. Im Rahmen der gestiegen Unsicherheit auch von der Handelsseite hatten wir erwartet, dass die EZB sich mehr Freiheitsgrade für die Ausgestaltung der künftigen Politik behalten würde."

OTMAR LANG, TARGOBANK:



"Die Inflation spricht für einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik. In Deutschland liegt die Inflation aktuell bei 2,2 Prozent, im Euro-Raum bei 1,9 Prozent."


Bildquelle: Jonathan Ernst/Reuters

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