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Rocket-Internet Aktie und Co: Start-up-Finanzierer - Mit dem Hype ins Minus

Rocket-Internet Aktie und Co: Start-up-Finanzierer - Mit dem Hype ins Minus
09.10.2016 15:30:00

Firmengründungen boomen und werden trotz Verlusten schnell millionenschwer. Daran wollen auch an der Börse notierte Beteiligungsunternehmen verdienen. Doch so einfach ist das nicht. Von Peer Leugermann

Deposit Solutions macht dem Ruf eines vielversprechenden Start-ups alle Ehre. Geniale Technologie, ein Billionenmarkt und starkes Wachstum. Die Plattform ermöglicht es, Fest- und Tagesgeldangebote verschiedener Anbieter zu nutzen, ohne ein neues Konto zu eröffnen. Das hob den Firmenwert bei der jüngsten Finanzierungsrunde von 20 auf 110 Millionen Euro. Ein Plus von 550 Prozent in weniger als einem Jahr.



Noch besser erging es der German Start-ups Group (GSG) mit ihrer Beteiligung an Delivery Hero. Die Berliner investierten in den Essenslieferdienst, als dieser 116 Millionen Euro wert war. Heute wird er mit über 2,7 Milliarden Euro bewertet. In dem schnellen Wachstum liegt eine Ursache, warum Start-ups seit Jahren boomen. Weltweit flossen laut dem Branchendienst CB Insight 2015 rund 131 Milliarden Dollar in die Finanzierung neuer Geschäftsideen.


Denn Start-ups sind oft innovativ, schnell und können ganze Branchen umkrempeln. Die Hoffnung der Investoren, an der Entstehung der nächsten Facebook, Amazon oder Google teilzuhaben, öffnet deren Taschen. Sie setzen auf Einhörner - so werden Start-ups bezeichnet, die bereits vorbörslich eine Milliarde Dollar und mehr wert sind. Dem Namen nach eigentlich selten, ist ihre Zahl von 2014 bis heute von 45 auf 156 gestiegen.

Keine Milliarden von der Börse



Doch treffen Start-ups auf die Börse, bekommt die Märchenwelt Risse. So hat sich der Kurs des Start-up-Konglomerats Rocket Internet seit dem Börsengang mehr als halbiert: von 42,50 Euro auf 20 Euro. An den US-Börsen sackten, von einigen Ausnahmen abgesehen, die Kurse der seit 2015 auf das Parkett gekommenen Technologiefirmen meist deutlich ab. Für die börsennotierten Start-up-Finanzierer GSG oder auch Auden ist daher klar, dass der größte Teil der Wertschöpfung heute vor dem Gang auf das Parkett entsteht. Was passiert, wenn die vorbörslichen Bewertungen der Beteiligungen fallen, zeigt anschaulich der Kursverlauf von Rocket Internet. Ihre in der Global Fashion Group (GFG) gebündelten Onlinemodeshops sind statt 2,8 nur noch eine Milliarde Euro wert. Der Preis des Internetmöbelhauses Home24 fiel von 1,1 Milliarden auf 475 Millionen Dollar.



Die herben Abschläge kamen durch Finanzierungsrunden zustande. Für ihr Wachstum brauchen die jungen Unternehmen regelmäßig Geld. Mit diesen Mitteln werden Expansion und Verluste finanziert. Idealerweise stufen Geldgeber die Perspektiven des Start-ups bei jeder neuen Finanzierung besser ein und zahlen für ihre Firmenanteile mehr als der Investor zuvor. Die Abwertungen zeigen daher, dass die Zukunft von GFG und Home24 kritischer gesehen wird als früher.

Aber Rocket Internet hat nicht nur zwei, sondern 500 Beteiligungen. Auf dem aktuellen Niveau wird der Börsenwert nahezu komplett von den Anteilen an den Essenslieferdiensten Hello Fresh und Delivery Hero, vom Onlinemarktplatz Lazada sowie vom eine Milliarde Euro dicken Cashpolster getragen.

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