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KOPF DER WOCHE

Royal Enfield- Chef Gopal: "Wir wollen Weltmarktführer sein"

Royal Enfield- Chef Gopal:
18.06.2022 20:00:57

Arun Gopal, der Chef des internationalen Geschäfts von Royal Enfield, über die Zukunft von Retro, ehrgeizige Ziele und den historischen Wert der indischen Motorradmarke. Von Michael Hannwacker, Euro am Sonntag

Es gibt leichtere Übungen, als einen Gesprächstermin mit Arun Gopal festzunageln. Er ist dauernd unterwegs. Seit achteinhalb Jahren fungiert der gebürtige Inder als Head of International Business des traditionsreichen, auf eine 121 Jahre alte Geschichte zurückblickenden Motorradherstellers Royal Enfield. Und es gibt kaum eine Woche, da er nicht einen neuen Shop oder ein Event des Riders Club eröffnet. Ganz klar: Auf dem heimatlichen Subkontinent im Mittelklassesegment bereits dominierend, soll Royal Enfield unter Gopals Ägide auch in Europa auf die Überholspur gehen.

Auf ein persönliches Treffen müssen wir also verzichten, nicht aber auf das Interview. Wir erwischen den leidenschaftlichen Biker per Zoom am Schreibtisch in London. Nach ein bisschen Small Talk geht es um seine Marke. Und auf einmal hat er alle Zeit der Welt.

€uro am Sonntag: Was genau unterscheidet eigentlich Royal Enfield von der Konkurrenz?

Arun Gopal: Wie viele Stunden geben Sie mir für meine Antwort? (lacht) Um mich kurz zu fassen: Wir sind das älteste noch produzierende Motorradunternehmen der Welt. Seit 1901! Es ist wichtig zu verstehen, wofür unsere Philosophie steht. In einer Zeit, in der das Freizeit-Motorradfahren extrem geworden ist - große Motorräder, teure Motorräder, so viel Technik - sprechen wir ausschließlich Kunden an, die zu den Basics zurückkehren wollen, zu wunderschönen, einfachen Motorrädern im britischen Stil.

Was ist so faszinierend an Retro?

Kunden mögen einfache Dinge. Ihr Leben ist bereits zu komplex. Gerade in Europa sehen sie das Motorradfahren als eine Möglichkeit, die Freiheit zu genießen. Natürlich müssen wir bedenken, dass kommende Vorschriften uns dazu bringen werden, mehr Elektronik zu verwenden. Da gibt es keine Wahl. Aber sowohl das Designteam als auch die Produktstrategie arbeiten sehr bewusst daran, dass wir unserer Philosophie des "Weniger ist mehr" treu bleiben. Das bedeutet unter anderem auch, dass unsere Bikes weder einschüchternd noch extrem aussehen.

Gibt es Konkurrenz?

Ich möchte nicht arrogant klingen. Aber einen direkten Wettbewerber sehe ich nicht. Wenn man sich unsere drei Parameter anschaut - das klassische britische Design, unsere Konzentration auf das Mittelklassesegment, das günstige Preisniveau - ist es sehr schwer zu erkennen, wer dieser Konkurrent sein sollte. Trotzdem beobachten wir natürlich genau, was in unserem Markt passiert. Denn: Wir haben unseren Marktanteil im mittleren Segment so stark ausgebaut, dass immer mehr Unternehmen überlegen einzusteigen.

Und die Japaner fürchten Sie nicht?

Wenn Sie sich unsere Geschichte in Indien ansehen, war unser Ansatz immer sehr einfach und klar: Nicht-Japaner zu sein. Der Charme der Historie ist es, was uns von anderen Anbietern unterscheidet. Es war immer eine ikonische Marke.

Auf Kosten der Technologie?

Ganz im Gegenteil. Aber davon machen wir nicht so viel Aufhebens. Weil wir lieber das Styling und Branding unserer Motorräder betonen.

Wie sehr profitiert die Marke also von ihrer Geschichte?

Immens. Was sind die Beweggründe, etwas zu kaufen? Funktion und Emotion. Für Biker gilt das besonders. Sie kaufen aus Leidenschaft und wollen sich auf das verlassen können, worauf sie sitzen.

Wie viele Motorräder hat Royal Enfield 2021 in der DACH-Region verkauft?

Um die 2.500. Aber Sie wissen natürlich, dass das - nicht nur in unserer Branche - ein schwieriges Jahr war. Covid-19 hat die Lieferketten unterbrochen, viele Länder, Regionen und Fabriken litten unter Shutdowns. Es war also eine massive Störung.

Und wie haben Sie reagiert?

Schnell. Wir haben uns alternative Lieferquellen gesucht, neue Teile produziert, getestet und der Produktionslinie zur Verfügung gestellt.

Warum ging das so schnell?

Royal Enfields großer Vorteil ist seine Basis in Indien, der größte Markt für Zweiräder weltweit. Deshalb sind hier alle globalen Anbieter ansässig - mit Zulieferern in der ganzen Welt. Sie haben also die Möglichkeit, zu Anbieter B oder Anbieter C zu wechseln. So waren wir in der Lage, schneller zu reagieren und unsere Kunden viel schneller beliefern zu können als andere in der Branche.

Wie viele Motorräder werden Sie dann 2022 verkaufen?

Sie wissen, dass wir ein börsennotiertes Unternehmen sind und ich Ihnen daher keine Vorauszahlen nennen kann. Was ich Ihnen aber gerne sagen möchte, ist, dass wir in der DACH-Region bereits einen Marktanteil von 6,1 Prozent haben.

Und wo soll es hingehen?

Unser Ziel ist es, Weltmarktführer für Mittelklasse-Motorräder zu sein. Wir sind das einzige Motorradunternehmen, das sich auf dieses Segment konzentriert. Das Interessante daran ist, dass, wenn man die Zahlen für Indien - dort haben wir 90 Prozent Marktanteil - auf die ganze Welt überträgt, wir in diesem Segment bereits weltweit führend sind. Aber das macht uns noch nicht glücklich. Wir wollen auch in Europa der Marktführer sein. Wir wollen in den nächsten drei bis fünf Jahren einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent erreichen. Das sind aggressive, aber auch realistische Ambitionen.

Mit welchen Modellen?

Alle Modelle, die wir in den letzten drei oder vier Jahren auf den Markt gebracht haben: Vor vier Jahren die Himalayan, vor drei Jahren die Continental GT, im Jahr zuvor die Meteor und die Classic - alle sind in Europa gut angenommen worden.

Warum ist Europa so wichtig?

Weil es das Nervenzentrum der Branche weltweit ist. Was immer hier passiert - in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien oder in Spanien - kann positive oder negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Ihr wichtigster Markt ist aber Indien. Gefolgt von?

Eindeutig Europa. Und innerhalb Europas würde ich sagen, dass Frankreich und das Vereinigte Königreich die größten Absatzmärkte sind, gefolgt von Deutschland und Italien.

Und Ihr Topseller?

Es sind zwei. Die sogenannten Twins, also die Continental GT 650 Twin und die Interceptor 650 Twin, machen rund 40 Prozent unserer Verkäufe aus, gefolgt von der Himalayan mit 25 Prozent und der Meteor mit 23 Prozent.

Die Sie alle in Indien produzieren. Was sind die Vorteile?

Die liegen eindeutig in den Skaleneffekten. Wir unterhalten dort drei Produktionsstätten, in die wir in letzter Zeit stark investiert haben. Wir haben zwei sehr leistungsfähige technische Zentren, eines hier in Großbritannien, in der Nähe von Leicester, mit 50 Ingenieuren, das andere in Indien mit über 400 Ingenieuren. Gerade Letzteres sorgt für eine erhebliche Kostenkontrolle.

Auch für Ihren Mutterkonzern, Eicher Motors?

Eicher Motors ist - dank der Economy of scales in Indien - ein sehr profitables Automobilunternehmen.

Eicher geht auf eine oberbayerische Traktorenfabrik zurück. Ist das eine Tradition, die im Unternehmen noch eine Rolle spielt?

Eher nicht. Für uns war Eicher einer der bedeutendsten Traktorenhersteller in Indien. Dann hat sich das Unternehmen entschlossen, sich auf zwei Geschäftsfelder zu konzentrieren, auf der einen Seite Nutzfahrzeuge - wir haben eine Partnerschaft mit Volvo - und auf das Segment der Zweiräder. Unser Traktorengeschäft haben wir 2005 verkauft.

Welche Bedeutung hat Royal Enfield im Portfolio von Eicher Motors?

In unserem Jahresbericht trennen wir die beiden nicht. Aber ich glaube, Royal Enfield leistet einen bedeutenden Beitrag sowohl zum Umsatz als auch zum Ergebnis. Und es trägt immer mehr zu den Finanzergebnissen des Unternehmens bei, nicht zuletzt wegen des riesigen Marktanteils in Indien. Dennoch richten wir unseren Fokus mehr und mehr auf den internationalen Markt.

Die Eicher-Aktie schwankte in den letzten zwölf Monaten umgerechnet zwischen 26 Euro und gut 37 Euro, zum Teil dramatisch. Warum?

Ich bin kein Börsenexperte. Aber natürlich werden auch unsere Kurse nicht nur von der individuellen Leistung des Unternehmens beeinflusst. Unsere Branche hat in den letzten zwei Jahren ziemlich viel einstecken müssen. Die Nachfrage war weiterhin stark, doch wegen der Probleme in den Lieferketten mussten die Kunden in Europa manchmal ein paar Monate auf ihr Motorrad warten.

Denkt Royal Enfield über elektrische Antriebsformen nach?

Dies ist ein Bereich, den kein Zweiradhersteller ignorieren kann. Wir glauben, dass dies die Zukunft des Motorradfahrens ist. Aber es ist noch viele Jahre entfernt, besonders in unserem Segment. Wir arbeiten seit zwei, drei Jahren am elektrischen Antrieb und haben bereits eine Menge Geld in diesen Bereich investiert. Es stimmt, wir werden nicht die ersten sein. Doch wenn die Zeit gekommen ist, werden wir auf sehr sinnvolle Weise in das Segment der Elektrofahrzeuge einsteigen. Ich bitte um Verständnis, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht detaillierter antworten kann.

Aber wird das nicht den Sound Ihrer Motorräder kompromittieren?

Damit wird die gesamte Industrie zu kämpfen haben. Und natürlich wird die Aufgabe beim Design darin bestehen, den Geist von Royal Enfield auch für ihre elektrisch angetriebenen Motorräder zu bewahren.

Wird es irgendwann auch wieder Autos von Royal Enfield geben?

Stimmt, bis Mitte der 20er-Jahre hat die Marke Autos produziert. Daher stammt auch der legendäre Name "Bullet", der später auf ein berühmt gewordenes Motorradmodell übertragen wurde. Aber wir haben nicht die Absicht, das Automobilsegment zu beleben.

Typische Royal Enfield-Fahrer …

… sind leidenschaftliche Biker, die an die Einfachheit glauben, an die Rückbesinnung auf das Wesentliche, an die Freiheit, die das Abenteuer und die Erkundung lieben.

Wann sind Sie selbst das letzte Mal auf einer Royal Enfield gesessen?

Das ist tatsächlich einer der aufregendsten Aspekte meines Jobs: Dass ich in unserem Technologiezentrum in Leicestershire viel Zeit verbringen und neue Modelle testen darf. Modelle, die das Team dort in der Zukunft auf den Markt bringen will. Denn wissen Sie was: Ich bin der festen Überzeugung, dass Royal Enfield, obwohl wir das älteste Motorradunternehmen der Welt sind, erst am Anfang steht.

Vita:

Der Biker

Arun Gopal (54) entschied sich nach seinem MBA in Marketing und Operations vom Bharathidasan Institute of Management in Tamil Nadu für eine Karriere in der indischen Kraftfahrzeugbranche. Gute zehn Jahre arbeitete er für den Multitechnologiekonzern 3M in Indien; 2014 wechselte er als Head of International Business zum indischen Motorradhersteller Royal Enfield. Arun Gopal ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Er lebt in London.

Royal Enfield:

Die Schmiede

Mit dem Slogan "made like a gun" an den Start gegangen, fertigte The Enfield Cycle Company im britischen Worcestershire 1901 ihr erstes Motorrad. In den 50er-Jahren wurde die Produktion sukzessive ins indische Madras (heute: Chennai) verlagert. Seit 1994 ist Royal Enfield eine Tochter der aus einer bayerischen Traktorenfabrik hervorgegangenen und an der Börse in Mumbai gelisteten Eicher Motors mit Hauptsitz in Neu-Delhi.

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