Die Hauptversammlung des SDAX-Konzerns war für Anleger sicherlich kein Grund zur Freude. Ein Shortseller-Angriff ließ die Aktie des Prothesen-Herstellers aus Duderstadt am vergangenen Börsentag teilweise um bis zu 12 Prozent fallen. Das Unternehmen reagiert und prüft nun rechtliche Schritte gegen den bekannten Leerverkäufer aus New York.

Seit Mitte Januar verfolgt der SDAX-Konzern Ottobock bereits einen Abwärtstrend. Der ohnehin schon schwächelnde Kurs in Verbindung mit einem Shortseller-Angriff in der Nacht davor sorgte am Dienstag für einen deutlichen Einbruch der Aktie. Die Reaktionen auf die Vorwürfe durch den Leerverkäufer ließen nicht lange auf sich warten.

Vorwürfe gegen Ottobock lassen Kurs abstürzen

Die Hauptversammlung am 19. Mai hätte für Ottobock ein Grund zur Freude sein sollen. Ein zweistelliges Umsatzwachstum und bestätigte Jahresziele sind für viele Unternehmen ein gutes Zeichen - und haben auch schon für deutliche Kursanstiege gesorgt. Ein Shortseller-Angriff in der Nacht zum Dienstag schockte das erst kürzlich notierte Unternehmen jedoch und so musste der Prothesenhersteller im Laufe des Tages einen Verlust von rund 10 Prozent im Xetra-Handel hinnehmen. Der SDAX-Konzern hat zudem mit einem Abwärtstrend zu kämpfen. Seit Mitte Januar steigt der Kurs nicht über den Ausgabepreis von 66 Euro hinaus.

Grizzly Research ist ein bekannter Short-Seller und wettet somit auf fallende Kurse. Einen entsprechenden Bericht vorzulegen, um das eigene wirtschaftliche Interesse zu erreichen, ist also naheliegend. Zu den Vorwürfen, die das New Yorker Unternehmen nennt, gehören unter anderem:

• Ottobock erwirtschaftet 35 Prozent seines Nettogewinns aus Geschäften mit Russland

• Aktionäre hätten aufgrund der Rechtsstruktur keine Stimmrechte

• Mehrheitseigner Hans Georg Nädler treibe eine exzessive Verschuldung voran

• Ottoblock nutze eine aggressive Bilanzierungstaktik, vor allem bei aktivierten Entwicklungskosten und den angesetzten Nutzungsdauern für Sachanlagen

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Ottoblock weist Anschuldigungen zurück

Ottobock verkündete seine Reaktion am Mittwochmorgen offiziell. Das Unternehmen reagiert und kündigt an, rechtliche Schritte zu prüfen., hieß es aus Duderstadt. "Das Unternehmen bewertet den Bericht als verleumderisch und in hohem Maße irreführend", teilte Ottobock mit. Auch einen Verdacht auf Marktmanipulation durch Grizzly Research lässt das Unternehmen prüfen. "Der Bericht greift Themen auf, die bereits vom Unternehmen offengelegt wurden, über die zuvor berichtet wurde und die sich als falsch erwiesen haben oder die private Angelegenheiten auf Gesellschafterebene betreffen", hieß es in der Stellungnahme.

Nicht selten nutzen Akteure überspitzte Darstellungen oder aus der Luft gegriffene Behauptungen, um Kurse zu drücken. Vor allem Unternehmen, die noch kein großes Anlegervertrauen genießen, bekommen diese Shortseller-Taktik zu spüren. Die Aktie scheint sich am Mittwochmorgen zumindest etwas zu stabilisieren und notiert derzeit (Stand: 20. Mai 2026, 12:36 Uhr) bei 53,80 Euro, was einem Plus von 0,63 Prozent im Vortagesvergleich entspricht. Es ist auch möglich, dass der Angriff sich in einen positiven Kurseffekt wandelt, sollte Ottobock die Anschuldigungen vollständig widerlegen können.

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Häufig gestellte Fragen

Was wirft Grizzly Research Ottobock vor?

Grizzly Research behauptet unter anderem, Ottobock erwirtschafte einen großen Teil seines Gewinns in Russland, habe strukturell eingeschränkte Stimmrechte und nutze aggressive Bilanzierungsmethoden.

Wie reagiert Ottobock auf die Vorwürfe?

Ottobock weist die Anschuldigungen zurück und prüft nach eigenen Angaben rechtliche Schritte gegen Grizzly Research.

Wie hat sich die Aktie nach dem Shortseller-Bericht entwickelt?

Die Aktie stand zunächst deutlich unter Druck, stabilisierte sich am Mittwochmorgen aber leicht und notierte zeitweise bei 53,80 Euro.

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