LÄNDERREPORT

Steuerreform in Indien - wie Anleger dabei sind

Steuerreform in Indien - wie Anleger dabei sind
25.06.2017 15:00:00

Im Juli tritt die größte Steuerreform in der Geschichte der Republik Indien in Kraft. Das Wirtschaftswachstum könnte dadurch mittelfristig noch einmal anziehen. Von Michael Braun-Alexander



Seit dem Amtsantritt des reformfreudigen Ministerpräsidenten Narendra Modi vor gut drei Jahren erlebt Indien einen Wirtschaftsboom. Die Wachstumsraten liegen trotz einer verunglückten Währungsreform Ende 2016, die de facto für mehrere Wochen das Bargeld aus dem Verkehr zog, bei beeindruckenden sieben bis acht Prozent. In wenigen Wochen - aller Wahrscheinlichkeit nach am 1. Juli - tritt eine seit Jahren geplante Reform der Umsatzsteuer in Kraft, in Indien Goods and Services Tax (GST) genannt. Die GST ist die bislang größte politische Leistung der Regierung in Neu-Delhi unter Führung von Modis hindu-nationalistischer Partei, der Bharatiya Janata Party (BJP).



Die umfangreichste Steuerreform seit der Unabhängigkeit 1947 wird das ohnehin dynamische Wachstum weiter anheizen. Finanzminister Arun Jaitley geht von mehr als acht Prozent aus. Nitin Gadkari, Minister für das Transportwesen, prophezeit gar zweistellige Wachstumsraten, weil die Reform die bislang horrenden Logistikkosten im Land dauerhaft senken und die Korruption ausbremsen dürfte. Kaufkraftparitätisch ist Indien inzwischen die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.


Im Kern wird die Steuerreform Unternehmen massiv entlasten. Bislang war die Gesetzeslage geprägt von einem Wust aus Regeln auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene - ein in Jahrzehnten gewachsenes Bürokratiemonster, das Doppelbesteuerungen und ein Ausbremsen der Wirtschaft mit sich brachte, insbesondere im Waren- und Dienstleistungsverkehr zwischen den 36 Bundesstaaten und -territorien. Das neue System, im Ansatz vergleichbar mit dem europäischen Binnenmarkt, wird auf einen Schlag transparenter sein. "Weg von einem Dutzend Steuern hin zu einer einzigen Steuer", sagt Rechtsanwalt Tillmann Ruppert, Associate Partner im Indien-Team von Rödl & Partner, einer Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Hauptsitz in Nürnberg.

Künftig wird es fünf Umsatzsteuereckwerte geben: null, fünf, zwölf, 18 und 28 Prozent. Darüber hinaus gibt es variable Zuschläge, die im Kern eine Luxussteuer darstellen. Nicht besteuert werden sollen beispielsweise Grundnahrungsmittel wie Getreide, Eier und Frischmilch, während Genussmittel wie Zucker, Kaffee und Tee bei fünf Prozent liegen. Luxusgüter unterliegen dagegen einem Aufschlag auf den Standardsatz von 28 Prozent. Je höherwertiger etwa ein Auto, ein Flugticket oder ein Hotelzimmer, umso größer der Zuschlag auf die Umsatzsteuer. Die billigsten Zugfahrkarten werden überhaupt nicht besteuert.

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