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Telekom-Aktie nach den Zahlen unter Druck: Was Anleger wissen müssen

Telekom-Aktie nach den Zahlen unter Druck: Was Anleger wissen müssen
24.02.2018 03:30:00

Trotz des starken US-Geschäfts lehnt sich die Deutsche Telekom bei ihren Erwartungen für das laufende Jahr nicht aus dem Fenster. Ein leichtes Umsatzwachstum und ein Plus beim operativen Ergebnis, das nicht viel über dem Wachstum des Vorjahres liegt, peilt Europas größter Telekomkonzern für 2018 an. Sorgenkind wird wohl noch längere Zeit die Großkundensparte T-Systems bleiben, deren Auftragseingang 2017 um fast ein Viertel einbrach.

Auch beim Netzausbau steht die Telekom vor Herausforderungen. Konzernchef Tim Höttges, dessen Vertrag gerade um fünf Jahre verlängert wurde, will die Probleme mit Elan angehen: "Ich komme gerade erst richtig in Form", sagte er am Donnerstag auf der Bilanz-Pressekonferenz in Bonn.



Die Börsianer waren skeptischer: Der Kurs der T-Aktie fiel in der Spitze um mehr als vier Prozent auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Sie waren damit das Schlusslicht im Dax.


Bei T-Systems soll der neue Spartenchef Adel Al-Saleh nun möglichst schnell das Ruder herumreißen. Telekom-Finanzchef Thomas Dannenfeldt, der das Unternehmen überraschend zum Jahresende verlässt, sagte: "T-Systems hat weiter erhebliche Herausforderungen vor sich, insbesondere im klassischen IT-Geschäft." Im dritten Quartal musste die Telekom aufgrund fehlender Aufträge bereits eine Milliarden-Abschreibung auf T-Systems vornehmen. Al-Saleh hat bereits eine Aufspaltung des Geschäfts ins Gespräch gebracht. Details will der Vorstand beim Kapitalmarkttag im Mai bekanntgeben.

Den Aktionären will die Telekom etwas Gutes tun und die Dividende zum dritten Mal in Folge auf nunmehr 65 Cent je Aktie erhöhen. Das dürfte auch den Bund freuen, der mit 32 Prozent größter Aktionär des früheren Staatsunternehmens ist. Auf die in den vergangenen Jahren angebotene Aktiendividende will die Telekom allerdings künftig verzichten. Neben den Ausschüttungen werden auch die Investitionen erneut steigen. Nach 12,1 Milliarden Euro 2017 sollen nun 12,5 Milliarden Euro fließen, davon 5,7 Milliarden Euro in Deutschland. "Wir haben verstanden. Wir brauchen den Netzausbau auch in ländlichen Gebieten", sagte Höttges und verwies darauf, dass die Telekom mehr investiere als die Wettbewerber. Demnach stieg die Zahl der glasfaserbasierten Anschlüsse 2017 in der Bundesrepublik um 41 Prozent auf 9,6 Millionen. Deutschland hat allerdings auch großen Nachholbedarf.

"DANKE AUCH AN DONALD"



Im vergangenen Jahr steigerte die Telekom das bereinigte operative Ergebnis (Ebitda) um 3,8 Prozent auf 22,45 Milliarden Euro, während der Umsatz um 2,5 Prozent zulegte. Im laufenden Jahr rechnet der Konzern mit einem Plus beim Ebitda von vier Prozent auf rund 23,2 Milliarden Euro. Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe verwies neben dem Ausblick auf das relative schwache vierte Quartal, in dem das Ebitda vor allem wegen des starken Euro um fast fünf Prozent zurückging. Die US-Tochter T-Mobile US, an der die Telekom rund zwei Drittel hält, steht für fast die Hälfte des Konzern-Betriebsergebnisses.

Unter dem Strich stand dank der US-Steuerreform ein sattes Gewinnplus. "Danke auch an Donald", sagte Höttges mit Verweis auf die von US-Präsident Donald Trump initiierte Senkung der Unternehmenssteuer, die der Telekom einmalig 1,7 Milliarden Euro einbrachte. Der bereinigte Überschuss kletterte um fast 47 Prozent auf 6,04 Milliarden Euro. Negativ zu Buche schlug eine erneute milliardenschwere Abschreibung auf die Beteiligung am britischen Telekomriesen BT. Nun soll der BT-Anteil von zwölf Prozent, der zuletzt etwa 3,7 Milliarden Euro wert war, in den Telekom-Pensionsfonds eingebracht werden und würde damit aus der Bilanz herausfallen.

Erstmals seit langer Zeit konnte das Europageschäft im vergangenen Jahr wieder den Umsatz steigern, wenn auch nur leicht um 1,2 Prozent. Auf dem Heimatkontinent setzt die Telekom mit insgesamt fast 220.000 Mitarbeitern verstärkt darauf, Mobilfunk- und Festnetzangebote aus einer Hand anzubieten. Dafür stemmte sie unlängst in Österreich den Kauf der Sparte UPC Austria vom Kabelnetzbetreiber Liberty Global für rund 1,8 Milliarden Euro und holte sich in den Niederlanden mit dem Tele2-Kauf ebenfalls Festnetz ins Haus.

rtr

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Bildquelle: Deutsche Telekom AG

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