Das schwächelnde Unternehmen braucht demnach dringend Geld, um in hochpreisige Hotels und digitalen Vertrieb zu investieren. Vor wenigen Tagen erst ging der deutsche Charterflieger Germania Pleite, wodurch rund 30 Flugzeuge sofort am Boden blieben. Auch in die schleppenden Verhandlungen um die seit 2017 insolvente staatseigene italienische Alitalia kam zuletzt Bewegung.

Die großen börsennotierten Reiseveranstalter Thomas Cook und neuerdings auch der Rivale TUI kämpfen mit sinkenden Gewinnen, weil der heiße Sommer 2018 die Nachfrage nach Fernreisen dämpfte und die Preise unter Druck brachte. Die reisefreudigen Briten halten sich mit Buchungen zurück, weil mit dem Brexit-Chaos ihre Währung an Wert verliert. Auch gestiegene Preise für Unterkünfte in Spanien und auf den Kanarischen Inseln lenken Urlauber um zu weniger lukrativen Reisezielen wie die Türkei oder Ägypten.

Bei Thomas Cook kletterte der Umsatz im ersten Quartal auf 1,66 Milliarden Pfund. Operativ verbuchte der Konzern aber einen Verlust von 60 Millionen Pfund. Im Winter legten die Buchungen zwar zu, aber die Preise sanken. In der Sommersaison erholen sich die Preise, aber die Buchungen liegen bisher zwölf Prozent unter Vorjahr. Thomas Cook hatte nach dem Gewinneinbruch 2018 Kapazitäten reduziert.

Über einen Verkauf der Thomas Cook Airlines, deren Flotte von 103 Maschinen über Großbritannien, Deutschland, Skandinavien und Spanien verteilt ist, wird schon länger spekuliert. Sie ist die Ertragsperle und konnte das Betriebsergebnis im vergangenen Jahr um 37 Prozent auf 129 Millionen Pfund steigern bei einem Umsatz von 3,5 Milliarden Pfund. Aus Sicht des Konzerns wäre es Branchenkennern zufolge am besten, die Flotte als Gesamtpaket zu verkaufen. So könnte Thomas Cook schnell zu Geld kommen, um mehr eigene, profitable Hotels zu bauen. Die Airlines hätten zudem bessere Wachstumsmöglichkeiten, denn ihr Geschäft erfordert hohe Investitionen in neue Flugzeuge, die der Reisekonzern nicht stemmen könne. Thomas Cook hatte Ende 2018 knapp 1,6 Milliarden Pfund Nettoschulden. Konkrete Verhandlungen mit Interessenten gebe es aber noch nicht, erklärte ein Insider. Mit Ergebnissen des Prozesses sei erst in einigen Monaten zu rechnen.

Auch der Thomas-Cook-Konkurrent TUI musste seine Gewinnprognose für das laufende Jahr am Mittwochabend einstampfen. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen werde auf dem Niveau des Vorjahres von rund 1,18 Milliarden Euro erwartet und nicht um mindestens zehn Prozent wachsen, wie ursprünglich in Aussicht gestellt. Die Korrektur ergab sich den Angaben nach aus den Sommerbuchungen 2019. Zwar seien wie im Vorjahr 34 Prozent des Sommerprogramms verkauft. Allerdings lägen die Margen unter Vorjahresniveau. TUI will deshalb Kosten senken und effizienter arbeiten. TUI-Aktien brachen an der Londoner Börse um mehr als 15 Prozent ein, während die Titel von Thomas Cook mit der Aussicht auf eine Finanzspritze durch einen Airline-Verkauf fast genauso stark in die Höhe schnellten.

rtr