Erstmals in der Geschichte des Börsenspiels "Trader" musste die Preisverleihung als 2G-Veranstaltung stattfinden. Es war aber auch eine 2A-Veranstaltung: Ein Abschied und ein Anfang sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre.

Der Abschied erfüllte nicht nur Spielleiter Anouch Wilhelms vom Veranstalter Société Générale (SG), sondern auch die Vertreter der Sponsoren wie Dragan Radanovic, Geschäftsführer der Börse Stuttgart, oder BO-Herausgeber Frank-B. Werner mit Wehmut: Mit Klaus Oppermann tritt ein Urgestein der deutschen Derivatebranche Ende 2021 in den Ruhestand. Er war einer der Väter des Börsenspiels, damals noch in Diensten der Commerzbank. Nach der Übernahme von deren Derivateabteilung durch die SG verantwortete er die Integration, die ebenso reibungslos über die Bühne ging wie die Preisverleihung unter Corona-Bedingungen.

Der Anfang war der Ort des Geschehens selbst. Für das neue Restaurant "Soho" in der Frankfurter Innenstadt war es die Generalprobe. Offiziell öffnete es erst tags darauf seine Pforten. Die internationale Fusionsküche begeisterte die Gäste ebenso wie die Bilder des Künstlers Takeshi Chinui, die im "Soho" die Wände zieren.

Ein Ambiente wie gemalt für "Trader 2021"-Sieger Markus Bauer. Der 57-Jährige aus Goslar ("eigentlicher Beruf: Werbekaufmann, eigentliche Berufung: Künstler") beschäftigt sich seit zwei Jahren ernsthaft mit der Börse. Da er sich im Spiel "Mr. Sandman" nannte, ließ er auch keine Zweifel daran, welches Lied denn auf der Heimfahrt nach Niedersachsen als Erstes aus dem Soundsystem erklingen werde. Die Textzeile "Bring me a dream" hatte ihm die Société Générale mit dem vollelektrischen, schneeweißen Traumwagen Jaguar I-PACE bereits erfüllt.

 


INTERVIEW

"Das war ein hart verdienter Sieg"

Börse Online: Sie sind seit vielen Jahren der erste Gewinner, der seinen Sieg nicht erst auf der Zielgeraden klarmachte. War es ein entspannter Wettbewerb für Sie?

Markus Bauer: Von wegen. Ich hatte zwar vor Beginn der letzten Spielwoche einen großen Vorsprung, aber trotzdem haben meine Verfolger jeden Tag alles versucht, um mir dichter auf die Pelle zu rücken. Meiner Strategie kam entgegen, dass wir Ende Oktober eine relativ ruhige Börsenphase hatten. Bei mehr Volatilität hätte noch viel passieren können.

Sie haben im Schnitt 100 Trades am Tag ausgeführt und lagen mit zwei Drittel Ihrer Transaktionen richtig. Sind Sie Profi?

So würde ich das nicht ausdrücken. Das Trader-Dasein impliziert ja einen stetigen Lernprozess in zumeist autodidaktischen Gewändern - um möglichst richtige Entscheidungen treffen zu können. Letztlich reden wir von Wahrscheinlichkeiten. Bezogen auf das Börsenspiel bedeutete dies: Jede Minute hochkonzentriert bleiben. 40 Tage lang. Zum Trading in der Kernhandelszeit von 9.00 bis 17.30 Uhr gesellten sich noch ein bis zwei Stunden Vor- und Nachbereitung. In Summe verlangt dir das wirklich alles ab. Es war ein hart verdienter Sieg.

Sie haben sich nahezu ausschließlich auf den DAX konzentriert. Warum?

Fortuna ist eine kapriziöse Person. Immer wenn man sie braucht, ist sie nicht zur Stelle. Daher sollte man sich auf die Märkte konzentrieren, die man kennt und versteht.

Legen Sie im richtigen Leben auch so an?

Ja, ich verfahre genau nach der Strategie, die ich jetzt im Börsenspiel angewandt habe. Das Wichtigste ist es, Gewinne laufen zu lassen und Verluste frühzeitig zu begrenzen, wenn man falsch liegt. Die Spreu trennt sich vom Weizen, wenn der Markt ins Minus rutscht. Fehler aussitzen zu wollen ist mit Hebelzertifikaten eine ganz schlechte Idee.

Was werden Sie mit dem Jaguar machen? Selbst fahren oder verkaufen?

Schwierige Entscheidung. Es ist ein fantastisches Fahrzeug, entsprechend groß die Versuchung. Aber ich befinde mich beruflich gerade in einer Transformationsphase. Seit Anfang des Jahres verdiene ich mein Geld als Daytrader. Da könnte ich den Verkaufserlös als zusätzliche Finanzspritze schon brauchen. Ich bin noch am Kämpfen, aber wahrscheinlich wird die Vernunft über die Emotion siegen.

 


Markus Joachim Bauer sicherte sich mit einer Performance von mehr als 1000 Prozent in acht Wochen den Jaguar I-PACE