Unilever sagte am Montag, der Hersteller von Sensodyne-Zahnpasta passe strategisch gut in den Konzern und gemeinsam sei Wachstum in den USA, China und Indien möglich. Investoren hegten Zweifel an dem Vorhaben. Die Aktien von Unilever sackten um mehr als sechs Prozent ab und steuerten auf den größten Tagesverlust seit fast 14 Jahren zu. GSK-Titel sprangen dagegen um 3,6 Prozent in die Höhe.

Eine Übernahme mit diesem Volumen wäre weltweit die größte seit Beginn der Coronavirus-Pandemie und eine der teuersten in Großbritannien überhaupt. Unilever könnte dadurch sein Schönheits- und Körperpflegeportfolio mit Marken wie Rexona oder Dove stärken und es mit Konzernen wie Estee Lauder und L'Oreal aufnehmen. GSK würde dem Druck von Investoren nachgeben, die seit längerem auf eine Abspaltung der Konsumgütersparte und eine Fokussierung auf das Pharmageschäft drängen. Am Konsumgütergeschäft ist allerdings auch der US-Pharmakonzern Pfizer mit 32 Prozent beteiligt, seit beide Firmen ihre Sparten 2019 zusammenlegten.

GSK hatte die 50 Milliarden Pfund schwere Offerte mit der Begründung abgelehnt, sie sei zu niedrig. Stattdessen soll die Sparte an die Börse gebracht werden. Ein Insider sagte jedoch, GSK und Pfizer seien offen für Gespräche mit Unilever-Chef Alan Jope, wenn dieser sein Angebot erhöhe. Das Konsumgütergeschäft könne gut als eigenständiges Unternehmen an der Börse bestehen und eine Marktkapitalisierung von fast 100 Milliarden Dollar erreichen. "Eine Abspaltung über die Börse könnte derzeit mehr Wert schaffen, aber wenn Unilever bereit ist, über die Grenze von 60 Milliarden Pfund zu gehen, könnten die Verhandlungen starten", sagte die mit den Plänen vertraute Person.

Insidern zufolge hat GSK-Chefin Emma Walmsley bereits die Investmentbanken Goldman Sachs und Citi engagiert. Pfizer und GSK wollten sich dazu nicht äußern.

IST DER PREIS ZU HOCH?


Das erste Feedback von Investoren auf die Offerte von Unilever sei durchweg negativ, schrieben Analysten von Jefferies in einem Kurzkommentar. Experten von Barclays wiesen darauf hin, dass eine solche Mega-Transaktion schon in normalen Zeiten komplex und in der aktuellen Corona-Pandemie noch viel schwieriger umzusetzen sei. "Wir sehen kaum Rechtfertigung für einen derartigen Deal, weder strategisch, noch operativ oder finanziell", kritisierte Analyst James Edwardes Jones von der Investmentbank RBC Capital Markets. Aktienstratege Michael Hewson vom Broker CMC Markets sagte, der gebotene Preis könne eine Nummer zu groß sein für Unilever.

Die Konsumgütersparte erlöste zuletzt zehn Milliarden Pfund und steuerte damit fast ein Drittel zum gesamten Jahresumsatz von GSK bei. Der Konzern erhielt nach eigenen Angaben bereits mehrere Angebote von Unilever, zuletzt kurz vor Weihnachten in Höhe von 41,7 Milliarden Pfund (50 Milliarden Euro) in bar und 8,3 Milliarden Pfund (zehn Milliarden Euro) in Unilever-Aktien. Im vergangenen Jahr hatte der aktivistische Investor Elliott einen Verkauf der GSK-Sparte gefordert. Wenn sich GSK komplett davon trenne, könne dies den Aktienkurs um 45 Prozent nach oben treiben, hatte Elliott vorgerechnet.

Auch der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson (J&J) spaltet sein Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und anderen Gesundheitsprodukten ab. Derzeit gibt es weltweit eine Welle solcher Unternehmens-Aufspaltungen oder Trennungen von Sparten. Sie folgen der Theorie, dass Mischkonzerne an der Börse oft niedriger bewertet werden als ihre Einzelteile.

rtr