Der KI-Boom hat viele Profiteure hervorgebracht. Doch in einer Region der Welt gibt es noch viele Aktien, die bei Anlegern zu wenig Beachtung finden - bislang.
Die Aktienmärkte in Asien und anderen Wachstumsregionen haben 2025 um mehr als 30 Prozent zugelegt. Doch nach Einschätzung von J.P. Morgan-Experte Anuj Arora dürfte das Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft sein. Vor allem der KI-Boom, ein schwächerer US-Dollar und Reformen bei Unternehmen könnten die Kurse weiter antreiben.
Asiatische KI-Aktien mit 27 Prozent Abschlag
Ein zentrales Argument des Analysten ist der US-Dollar. Historisch hätten sich Aktien aus den asiatischen Regionen immer dann besonders gut entwickelt, wenn die US-Währung schwächelte. Da der US-Dollar laut den langfristigen Kapitalmarktannahmen von J.P. Morgan für 2026 noch immer um rund zehn Prozent überbewertet sei, sieht der Experte weiteres Abwertungspotenzial. Viele Zentralbanken der Schwellenländer verfügten zudem noch über Spielraum für eine lockerere Geldpolitik. "Diese Rahmenbedingungen sind besonders günstig, da viele Zentralbanken der Schwellenländer nach Jahren einer restriktiven Politik noch über reichlich Möglichkeiten verfügen, das Wachstum anzukurbeln", sagt Arora.
Auch der KI-Boom spielt Asien in die Karten. Die Region produziert heute rund 70 Prozent der weltweiten Halbleiter, allein Südkorea hält rund 62 Prozent am globalen DRAM-Markt. Nicht nur die Nachfrage, auch Investitionen in den KI-Sektor können dort das Wachstum weiter ankurbeln: Der Bau eines Rechenzentrums mit einer Kapazität von einem Gigawatt erfordert 30 bis 50 Milliarden US-Dollar. Rund 40 Prozent davon fließen laut dem Experten an asiatische Zulieferer wie etwa TSMC, SK Hynix oder ASE Technology. Dennoch würden viele asiatische Technologiewerte trotz einer vergleichbaren Marktführerschaft mit einem Bewertungsabschlag von rund 27 Prozent gegenüber ihren US-Pendants gehandelt.
Wichtige Rohstoffe
Da Asien selbt kaum Öl und Gasvorkommen besitzt, steigt die Nachfrage nach Flüssiggas bereits seit einigen Jahren. Auch Europa investiert hohe Beträge in Terminals oder Transportkapazitäten. Der Flüssiggas-Index von BÖRSE ONLINE umfasst 18 Werte, die von diesem zukunftsträchtigen Markt profitiieren.
Arora erwartet in der Region ein Gewinnwachstum je Aktie von rund 17 Prozent. Doch nicht nur asiatische Tech-Werte gelten als interessant, sondern auch Rohstoff- und Finanzaktien.
Ein weiterer Werttreiber sind Maßnahmen zur Erhöhung des Shareholder Value: Dazu gehören zunehmende Aktienrückkäufe, Verbesserungen der Unternehmensführung (corporate governance) und steigende Eigenkapitalrenditen. "Diese Reformen schaffen die Voraussetzungen für eine langfristige Wertschöpfung in der gesamten Region", sagt der Analyst.
Auch China bleibt aus Sicht des Experten spannend. Das Land bewege sich aus einer fdeflationären Rezession hin zu einem Deflationsboom, in dem sinkende Preise mit steigender Produktion und Innovation einhergingen. Neben KI- und Industrieunternehmen sieht Arora in China auch Chancen bei Versicherern und Internet-Plattformen wie Alibaba, Baidu oder Tencent.
Doch Aroras Schwellenländer-Story endet nicht in China. Auch Indien, die Golfstaaten, Südafrika, Brasilien und Mexiko bieten ihm zufolge attraktive Ansätze für Anleger. Für globale Portfolios würden diese Regionen immer wichtiger, weil Bewertungen, Gewinnwachstum und Reformdynamik weiterhin für sie sprächen.
Die Umsetzung von Reformen, der schwächelnde US-Dollar, der KI-Boom und der Rohstoff-Reichtum vieler Schwellenländer beeinflussen die entsprechenden Aktienmärkte deutlich. Es handle sich um ein Wechselspiel vieler Faktoren, die ineinander greifen, erklärt der Experte. Schwindet also beispielsweise das Interesse am KI-Sektor, dürften dies auch die Schwellenländeraktien deutlich zu spüren bekommen.
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Häufig gestellte Fragen
Warum könnten diese Aktien jetzt wieder interessant werden?
Weil KI-Boom, Dollar-Schwäche und Unternehmensreformen die Kurse in der Region weiter antreiben könnten.
Wieso sind asiatische Tech-Werte trotz Wachstum noch günstig?
Weil sie laut J.P. Morgan im Schnitt mit einem Bewertungsabschlag von rund 27 Prozent gegenüber US-Titeln gehandelt werden.
Welche Länder bieten neben China noch Chancen?
Vor allem Indien, die Golfstaaten, Südafrika, Brasilien und Mexiko gelten laut Anuj Arora als attraktiv.