Fed-Chef Jerome Powell sprach von einer "Sicherheitsvorkehrung", mit der die US-Wirtschaft geschützt werden sollte. Mit Blick auf die jüngsten Forderungen Trumps nach einer kräftigeren Lockerung betonte er, politische Erwägungen hätten in der Geldpolitik keinen Platz. Auch wenn der Fed-Chef die Tür für weitere Lockerungen offenhielt, dämpfte er die Erwartungen der Märkte deutlich: Die jetzige "Zinsanpassung" sei etwas anderes als "der Beginn eines langen Senkungszyklus".

Händler gehen allerdings davon aus, dass die Fed mit großer Wahrscheinlichkeit im September einen weiteren Schritt nach unten gehen wird. "Die öffentlichen Aufrufe von US-Präsident Trump, die Fed solle die Geldpolitik lockern, waren vermutlich nicht bedeutungslos für die Fed-Entscheidung", sagte Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel. Allein schon deshalb werde es nicht bei einer Zinssenkung bleiben. In Anbetracht nach wie vor robuster Wirtschaftsdaten wäre eine längere Reihe von geldpolitischen Lockerungen aber nicht zu verantworten, meinte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank und verwies darauf, dass die Fed weitere Kappungen von den Wirtschaftsdaten abhängig macht: "Wer also auf drei Zinssenkungen im laufenden Jahr setzt, wird vermutlich auf dem falschen Fuß erwischt." An der Wall Street kamen diese Aussichten nicht gut an: Die wichtigsten Indizes gaben kräftig nach.

Volkswirt Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe erwartete, dass die US-Konjunktur weiter an Fahrt verlieren und die Fed den Leitzins bis Mitte 2020 auf die Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent senken wird. "Stärkere Zinssenkungen oder neue Wertpapierkäufe kämen wohl nur bei einer unerwartet kräftigen Konjunkturabkühlung in Betracht."


FED IM GLOBALEN TREND

Mit dem niedrigeren Leitzins verstärkt die Fed einen globalen Trend hin zu einer lockereren Geldpolitik: Asiatische Notenbanken von Indien bis Südkorea haben bereits vorgelegt, die EZB in Frankfurt könnte schon bald folgen. Die Währungshüter reagieren damit auf verstärkte konjunkturelle Risiken. Auch die amerikanische Wirtschaft musste zuletzt Federn lassen. Im Frühjahr fiel der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,1 Prozent um einen vollen Prozentpunkt niedriger aus als zu Jahresbeginn: Insbesondere eine Exportflaute im Sog des Handelskonflikts drückte das Wachstum.

Zuletzt hatte die US-Notenbank am 16. Dezember 2008 die Zinsen gesenkt - auf dem Höhepunkt der globalen Wirtschaftskrise. Danach stützte sie die zeitweise in eine Rezession abgestürzte Konjunktur über Jahre mit einer sehr laxen Geldpolitik, bevor unter Powells Vorgängerin Janet Yellen Ende 2015 die Zügel allmählich wieder angezogen wurden.

Obwohl Vollbeschäftigung herrscht und keine Rezession absehbar ist, haben die Währungshüter nun die Zinswende eingeleitet. Einer der Gründe ist der für einen Aufschwung unerwünscht niedrige Preisdruck: Die Fed, die neben Vollbeschäftigung auch für stabile Preise sorgen soll, blickt mit Sorge auf die gedämpfte Inflation. Sie achtet besonders auf Preisveränderungen bei persönlichen Verbraucherausgaben, wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert werden. Hier dümpelte die Steigerungsrate zuletzt bei 1,6 Prozent und damit deutlich unter dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent.

Powell machte deutlich, dass die Notenbank mit einer lockereren geldpolitischen Linie auch das Ziel verbindet, den Preisdruch wieder Richtung Zielmarke zu treiben. Zugleich entschieden die Währungshüter, den Abbau ihrer in den Jahren nach der Finanzkrise kräftig angewachsenen Wertpapierbestände in der Bilanz im August vorzeitig abzubrechen. Nach bisherigen Plänen war das Ende der Schrumpfkur erst Ende September vorgesehen. Kritiker hatten aber moniert, dass die Fortdauer dieser geldpolitischen Straffungsaktion einer Zinssenkung zuwiderlaufen würde. Powell nannte das frühzeitige Ende des Bilanzabbaus denn auch eine Frage der "Einfachheit und Folgerichtigkeit".

rtr