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ERSTE EINORDNUNG

Volkswirte zum Zinsbeschluss der EZB

Volkswirte zum Zinsbeschluss der EZB
07.03.2019 14:30:34

Die EZB stemmt sich mit neuen großen Geldspritzen für die Geschäftsbanken gegen einen Abschwung im Euro-Raum und verschiebt die Zinswende bis mindestens zum Jahresende. Die Euro-Wächter stellten am Donnerstag eine Neuauflage von günstigen Langfristkrediten für die Geschäftsbanken in Aussicht. Von den Geldsalven dürften unter anderem Banken im rezessionsgeplagten Italien profitieren.

Die neuen Geldspritzen sollen eine Laufzeit von zwei Jahren haben und ab September 2019 ausgegeben werden. Die EZB kündigte zudem an, ihre Leitzinsen noch bis mindestens zum Jahresende 2019 nicht antasten zu wollen. Experten sagten dazu in ersten Reaktionen:



CARSTEN BRZESKI, ING-DEUTSCHLAND:



"Der Zeitpunkt - nicht der Inhalt - der Ankündigung kommt doch überraschend und hat etwas von Panik. Das Hauptziel der EZB ist aktuell zu verhindern, dass die Geldpolitik restriktiver wirkt. Das hätte man allerdings auch noch im April ankündigen können, denn letztendlich sind es vor allem technische Maßnahmen. So vermittelt die EZB doch etwas den Eindruck von Panik. Mit der heutigen Ankündigung sind Zinserhöhungen für den Rest des Jahres komplett vom Tisch. Allerdings hat die EZB auch mit einem Schlag all ihr Pulver verschossen für den Fall, dass die Konjunktur der Euro-Zone in den kommenden Monaten in eine Rezession abrutscht."


UWE BURKERT, CHEFVOLKSWIRT LBBW:



"Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Die Leitzinsen sind bis mindestens Ende des Jahres festgeschrieben. Ab September dreht die EZB auch den Liquiditätshahn wieder auf. Die Tender dürften wieder Zinsvergünstigungen für eine steigende Kreditgewährung enthalten. Dafür ist ihre Laufzeit auf zwei Jahre begrenzt und die Refinanzierungskosten sind nicht gegen steigende Leitzinsen geimpft. Damit will der EZB-Rat sich (oder vielmehr Draghis Nachfolger) freie Hand lassen, falls die Konjunktur im Euroraum doch wieder schnell die Kurve nach oben bekommt. Aber in Grundzügen war das so erwartet worden: Die EZB macht sich ernste Sorgen über die Konjunktur, und sie hat eigentlich nur noch die Forward Guidance und gezielte Tender in ihrer Werkzeugkiste. In der Pressekonferenz nachher kommt wohl dann nicht mehr viel Neues."

FRIEDRICH HEINEMANN, ZEW:



"Die EZB hat heute aktenkundig gemacht, was sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet hat. Die Zinswende wird zunächst einmal vom Herbst 2019 auf Anfang 2020 verschoben. De facto handelt es sich jedoch eher um einen Aufschub auf unbestimmte Zeit. Angesichts hoher ökonomischer Risiken und wachsender fiskalischer Unvernunft in wichtigen Hauptstädten der Euro-Zone ist die EZB nicht mehr frei in ihren Entscheidungen. Die Euro-Zone ist auf dem Weg in ein ungesundes Szenario der fiskalischen Dominanz. Die Geldpolitik muss dabei die Zinsen niedrig halten, um den Schaden einer unverantwortlichen Fiskalpolitik und fehlender nationaler Reformen für das Wachstum zu begrenzen.

Leider hat die EZB auch erneut zum problematischen Instrument sehr langfristiger Kredite für Europas Banken gegriffen. Damit erhärtet sich die Vermutung, dass im Zentralbankrat eine große Sorge um die Überlebensfähigkeit von Kreditinstituten in Südeuropa besteht. Dieses Handeln nährt außerdem den Verdacht, dass die EZB nicht nur Geldpolitik für die Euro-Zone, sondern auch Bankenrettungspolitik für einzelne nationale Märkte betreibt."

THOMAS ALTMANN, QC PARTNERS:



"Die EZB tritt einmal mehr auf die Bremse. Eine Zinserhöhung in diesem Jahr wird es nicht geben. Damit ist schon jetzt klar, dass die erste Zinserhöhung nicht mehr in Draghis Amtszeit fallen wird. Dazu gibt es die von vielen ersehnte neue TLTRO-Runde, also extrem billige längerfristige Kredit für Banken.

Auf den ersten Blick mag das alles positiv und kurssteigernd wirken. Die Anleger sollten hier die Intention der EZB hinterfragen. Die EZB hat offensichtliche erhebliche Bauschmerzen, was die Entwicklung der Wirtschaft in der Eurozone angeht. Wenn die EZB nicht mit einer erheblichen Abkühlung rechnen würde, würde sie nicht so drastisch auf die Bremse treten. Offensichtlich steht für die EZB fest, dass die Wirtschaft der Euro-Zone noch immer keine Zinsen vertragen kann, die den Namen Zins auch verdienen."

MARCEL FRATZSCHER, PRÄSIDENT DIW:



"Die Bekanntgabe eines neuen Kreditprogramms (TLTRO-III) für europäische Banken kommt früher und ist deutlich expansiver als erwartet werden konnte. Die vierteljährliche Vergabe bis März 2021 mit einer zweijährigen Laufzeit wird es den Banken deutlich erleichtern, ihre Kreditvergabe fortzusetzen und auszubauen. Größe und Laufzeit dieses neuen Kreditprogramms signalisieren wohl auch die Sorge der EZB über die Abkühlung und die stark zunehmenden Risiken für die Wirtschaft der Euro-Zone."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFÖKONOM BANKHAUS LAMPE:



"Die EZB hat die Leitzinswende für 2019 heute abgesagt. Dadurch verschiebt sich die Zinswende wohl auf den Sankt Nimmerleinstag. Zusätzlich gab die EZB bekannt, die geldpolitischen Schleusen mit Langfristtendern ab September wieder etwas mehr zu öffnen. Damit dürfte sie vor allem den angeschlagenen Bankensektor im Blick haben, insbesondere in Italien. Das EZB-Vorgehen zeigt, dass der extreme geldpolitische Krisenmodus zum Standard geworden ist."

rtr

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